Mit neuem Glanz zu alter Grösse

Zwei Jahre lang wurde in der Villa Langmatt gebaut. Nun wird das Museum mit einer zweitägigen Feier wieder­eröffnet.
Ein Kunstschatz in seinem Habitat. Das Museum Langmatt in Baden. (Bild: sim)

Baden – Nach zweijähriger Schliessung öffnet das Museum Langmatt am 9. und 10. Mai wieder seine Türen und präsentiert sich nach einer umfassenden Erneuerung als sorgfältig modernisiertes Ensemble zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Erweiterung. Die einst von Sidney Brown und Jenny Brown erbaute Jugendstilvilla ist durch die Sanierung in mancher Hinsicht tatsächlich «gealtert». Sofern es möglich war, wurde die Villa im Rahmen der Arbeiten in den Zustand versetzt, der zu Zeiten der Familie Brown vorherrschte.
Das Museum beherbergt seit Jahrzehnten eine der bedeutendsten Sammlungen des französischen Impressionismus in Europa, die auf der privaten Kunstsammlung der Familie basierte. Sowohl die Stiftung Langmatt, die das Museum betreibt, als auch die Villa Langmatt, in der es sich befindet, waren in schlechtem Zustand: die Stiftung finanziell, die Villa baulich.

Im Verborgenen wirken
Im Zuge der Gesamtsanierung wurden mehr als 70 Räume instand gesetzt, der Eingangsbereich des Museums in einem Anbau der Villa neu gestaltet und das Ensemble mit einem verglasten Pavillon im Park ergänzt. Der neue Pavillon «en plein air» fügt sich durch seine spiegelnde Decke in seine Umgebung und insbesondere in die Natur ein. Der zusätzliche Raum soll künftig für Anlässe genutzt werden. «Dadurch können hier und im Park neu Veranstaltungen durchgeführt werden, ohne dass wir das Museum öffnen müssen», erläutert ­Museumsdirektor Markus Stegmann die Vorzüge des Pavillons.
Die Arbeiten, die sich auf etwa 20 Millionen Franken beliefen, umfassten neben sichtbaren Verbesserungen wie der Restaurierung von ­Böden und Oberflächen vor allem tiefgreifende technische Eingriffe: Die Umstellung auf Fernwärme, die Isolation des Daches, die Ertüchtigung der Fenster sowie neue Sicherheits-, Lüftungs- und Haustechniksysteme wurden so integriert, dass das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gebäudes weitgehend unverändert blieb. Auch der neue Lift, dank dem das Museum schrankenfrei zugänglich ist, befindet sich komplett im Inneren des Gebäudes und ist von aussen nicht zu sehen. «Dass man von der technischen Ertüchtigung von aussen nichts sieht, ist eine Auszeichnung für alle, die daran mitgewirkt haben», betont Markus Stegmann.

Pavillon, Ticketshop und Villa bilden ein neues Langmatt-Ensemble


Das Baumhaus der Kinder Brown
Die Gesamtsanierung machte zudem vor den Aussenanlagen des Museums Langmatt nicht halt. Da Teile des Parks ­ohnehin der Baupiste zum Opfer fielen, wurde die Gelegenheit genutzt, um diesen nach den Originalplänen wiederherzurichten. «Erst im Zuge der Sanierung wurden Aufnahmen eines Baumhauses gefunden, das zu ­Zeiten der Familie Brown am Rand des Grundstücks stand», erläutert Markus Stegmann. Da die Ausmasse des Baumhauses anhand der Fotos ­rekonstruiert werden konnten, steht nun eine Nachbildung davon am angestammten Platz. Ebenfalls wiederhergestellt wurde ein teilweise verfallener Rundweg entlang der Grundstücksgrenze.
Parallel zur baulichen Transformation wurde die finanzielle Basis des Museums neu ausgerichtet. Im November 2023 veräusserte die Stiftung drei Werke von Paul Cézanne für insgesamt 40,3 Millionen Franken, um das Stiftungsvermögen zu stärken und den langfristigen Betrieb mittels Rendite zu sichern.

Wiederhergestelltes Baumhaus der Kinder Brown.


Erfolgreiche Europareise
Damit die Sammlung des Museums Langmatt für die Dauer der Sanierung nicht in einem Depot verschwinden musste und um sie einem grösseren Publikum bekannt und zugänglich zu machen, waren zentrale Werke davon auf einer internationalen Tournee zu sehen. Diese machte Station in Lausanne, Köln und Wien, wo sie zusammen über 300 000 Besucherinnen und Besucher anzog. «Das war ein riesiger Erfolg», sagt Markus Stegmann hocherfreut.
Er und sein Team haben die gesamte Tour eng begleitet, um das Wohlergehen der wertvollen Bilder sicherzustellen. Transportiert wurden die Werke in speziell angefertigten Klimakisten, die eine konstante ­Temperatur und Feuchtigkeit gewährleisteten und so den konservatorischen Anforderungen gerecht wurden. Natürlich habe es verschiedene Herausforderungen gegeben, meint Markus Stegmann. Doch sei die Tour glücklicherweise ohne gravierende Zwischenfälle verlaufen.

Wiedersehen macht Freude
Mit der Wiedereröffnung kehrt die Sammlung nun unter dem programmatischen Titel «Welcome back» nach Baden zurück und knüpft an ihre historische Bedeutung an. Ergänzt wird sie durch zeitgenössische künstlerische Positionen, die während der Bauphase entstanden sind und die Räume der Villa aus einer gegenwärtigen Perspektive reflektieren. Beiträge stammen unter anderem von Reto Boller, Silvan Wegmann sowie dem Duo Bigler-Weibel, das sich performativ mit Architektur, Raumwirkung und gesellschaftlichen Bedeutungen der historischen Villa auseinandersetzt.
Das Eröffnungswochenende bietet bei freiem Eintritt Zugang zu den renovierten Innenräumen, dem neu gestalteten Park und dem Pavillon und wird von einem vielfältigen Programm begleitet. Jeweils von 11 bis 17 Uhr können die Neuerungen – sofern sichtbar – in Augenschein genommen werden. Neben einem offiziellen Festakt mit Vertretungen aus Politik, Architekturbüro, Stiftung und Museum stehen eine Podiumsdiskussion zur Gesamterneuerung sowie Aktivitäten für Kinder auf dem Programm. Parallel dazu werden mehrere Ausstellungen eröffnet, die sich sowohl mit der Geschichte der Sammlung als auch mit Fragen von Provenienz, Erinnerung und Transformation beschäftigen und die zum Teil bis Anfang 2027 zu sehen sind.
Ergänzend erschien bereits Ende April eine Sonderausgabe des Schweizer Kulturmagazins «Du», die mit Essays und grossformatigen Abbildungen vertiefte Einblicke in die Sammlung, die Architektur und die Geschichte der Langmatt gibt und den Neustart des Hauses publizistisch begleitet.