Wettingen – Hitachi ist ein international tätiger japanischer Grosskonzern, der in verschiedensten Technologiesparten zuhause ist. Baumaschinen und Eisenbahnzüge gehören ebenso zum Portfolio wie Unterhaltungselektronik – insbesondere aber Produkte aus dem Bereich Stromnetze, den Hitachi 2020 mit der Übernahme der entsprechenden Aktivitäten der ABB massiv ausgebaut hat. Hochspannung, Netzautomatisierung und Netzintegration – hier will Hitachi in der Schweiz kräftig wachsen und 3000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Für die neuen Produktionsanlagen prüfen die Japaner derzeit mehrere Standorte, unter ihnen die Wettinger Tägerhardächer. Für den aktuellen, wie auch für den vorherigen Gemeindeammann – Markus Haas und Roland Kuster –, eine Chance, die es zu packen gilt. Bereits im April 2025 haben die Ortsbürgerinnen und -bürger als Eigentümerinnen und Eigentümer der Tägerhardächer im Grundsatz einer Abtretung ihres Lands im Baurecht zugestimmt. Notabene ohne damals den Namen der Interessentin Hitachi zu kennen.
Für Gemeindeammann Haas und Regierungsrat Dieter Egli gehört zum Packen der Chancen, die für eine Ansiedelung nötigen demokratischen und planerischen Verfahren jetzt an die Hand zu nehmen – auch wenn der Standortentscheid von Hitachi noch aussteht. Volkswirtschaftsdirektor Egli: «Das Projekt bietet dem Kanton eine einmalige Gelegenheit, die Aargauer Wirtschaft qualitativ weiterzuentwickeln und die Innovationskraft zu stärken.» Wichtig ist Egli, dass im Ostaargau nicht nur die Bevölkerung wächst, sondern auch die Zahl der Arbeitsplätze – und es nicht zu einer noch stärkeren Trennung von Arbeiten und Wohnen kommt. Entsprechend gross ist das Interesse an einer Ansiedelung von Hitachi auch beim Regionalverband Baden Regio, der mit dem Badener Stadtammann Markus Schneider als designiertem neuen Präsidenten und Nachfolger Roland Kusters am Montag beim Info-Anlass in Wettingen vertreten war.
10 Millionen Franken neue Steuereinnahmen
Aktuell über kein grosses Arbeitsplatzangebot zu verfügen, schlägt sich für Wettingen in vergleichsweise geringen Unternehmenssteuer-Einnahmen nieder. Mit dem Projekt eröffne sich für die Gemeinde, so Kuster, die Chance, jährlich 10 Millionen Franken an Unternehmenssteuern zu generieren, was etwa 20 Prozent der heutigen Steuereinnahmen entspreche. Eine Vorleistung auf dem Weg zum Ziel steht am 20. Januar an. Den Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern werden Vorverträge für die Abtretung der Baurechte auf ihren beiden Tägerhardächer-Parzellen vorgelegt. Bei den Baurechtszinsen darf die Ortsbürgergemeinde im optimalen Fall mit gegen 500 000 Franken pro Jahr rechnen. Die Vertragsdauer beträgt 50 Jahre. Sie kann um zwei Mal 25 Jahre verlängert werden. Ein anderer Punkt, über den entschieden werden muss, ist die Auflösung des Dienstbarkeitsvertrags mit der Tägerhard Kies AG. Mit dieser habe man sich ausgesprochen, und die Neuregelung sehe vor, dass die AG auf der südlichen Parzelle noch bis 2035 einen grösseren Kiesabbau betreiben kann, während das nördliche Grundstück zur ersten Bauetappe gehört, mit der 2027 gestartet werden soll.
Richtplananpassung vorbereitet
Sagt die Versammlung ja zu den Verträgen, nimmt laut Regierungsrat Dieter Egli der Kanton umgehend seine planungsrechtlichen Arbeiten in Angriff und gibt am 23. Januar die benötigte Richtplananpassung in die Vernehmlassung. In diesem Zusammenhang: Welchen Einfluss auf die Umzonung der Tägerhardächer hat der «Regionale Sachplan Landschaftsspange Rüsler-Sulperg», den Wettingen, Neuenhof, Würenlos und Killwangen im Sommer 2012 beschlossen haben? Dieses behördenverbindliche Dokument will den letzten grossen Grüngürtel – zu dem das Tägerhard gehört – schützen. Dazu alt Gemeindeammann Roland Kuster: «Sachpläne sind auf einen Zeithorizont von 15 Jahren ausgelegt und müssen danach überprüft werden.» Diesbezüglich sei man mit den beteiligten Gemeinden bereits im Gespräch.