Auftakt für das Zentrum Doppeltür

Mit einem Festakt und ­Politprominenz zelebrierte die Stiftung Doppeltür den ­Beginn des Umbaus ihres ­Begegnungszentrums.
Alle unter einem Dach. Beim Dorfplatz in Lengnau wurde der Spatenstich für das neue Begegnungszentrum des Projekts Doppeltür gefeiert. Alt Bundesrätin Doris Leuthard hielt die Ansprache. (Bild: sma)

Lengnau – Am vergangenen Donnerstag lud die Stiftung Doppeltür nach Lengnau zum symbolischen Spatenstich für den Umbau des gleichnamigen Begegnungszentrums. Schon vor dem offiziellen Beginn um 17 Uhr versammelten sich zahlreiche Gäste und Interessierte auf dem Dorfplatz. Vor der Synagoge wurde ein Festzelt mit Rednerpult aufgebaut, und das Zentrum Doppeltür hatte seine Türen geöffnet. Neben Regierungsrat Dieter Egli hatte sich aus der Politik alt Bundesrätin Doris Leuthard angekündigt.
Die Begrüssung erfolgte durch ­Esther Girsberger, Präsidentin der Stiftung Doppeltür, die von einem Tag zum Jubeln sprach. Seit der ersten Sitzung seien fast zehn Jahre vergangen. In dieser Zeit musste man viele Hindernisse überwinden und noch mehr Geld sammeln. Der Spatenstich soll nur das erste Fest bis zur geplanten Fertigstellung des Zentrums im Jahr 2028 sein.

Wir bauen ein Museum
Für die Feierlichkeiten hatten die Schulkinder aus Lengnau zwei eigene Lieder vorbereitet: «Los, es gaht los» und «Mir bauet es Museum (wo fange mer ah)». Nach einer etwas holprigen Enthüllung des Banners über der Zentrumstür durften die Kinder die blauen Ballons gen Himmel steigen lassen.
Danach übernahm Stiftungspräsident Lukas Keller das Wort. Mit einem Blick auf den langen Weg bis zum ­Spatenstich hielt er fest: «Endlich, endlich.» Die Meilensteine bis hier­-hin waren die Vereinsgründung 2017, der Kauf des Gebäudes selbst im Jahr 2018 und die Stiftungsgründung 2022. Das neue Zentrum soll ein ­sichtbares Zeichen für die Idee der Stiftung Doppeltür sein – mit einem Verweis auf eine bekannte Fernsehwerbung formulierte Lukas Keller mehrmals das Ziel: «Die Welt muss besser werden.»
Im Zentrum sollen so Räume für Meinungsvielfalt und gegenseitige Rücksicht entstehen. Man müsse wieder mehr zuhören, Toleranz zeigen, aber auch streiten können. Das Zen­trum richte sich an alle Menschen, egal welcher Religion oder Kultur sie angehörten. Aber ebenso mit Blick auf die historische Bedeutung und das Zusammenleben von christlicher und jüdischer Gemeinschaft im Surbtal.
Nach der Fertigstellung soll das 13-Millionen-Franken-Projekt audiovisuelle Führungen anbieten, die besonders ein junges Publikum ansprechen sollen. Lukas Keller bedankte sich bei allen Unterstützern, den Banken und ehemaligen Weggefährten, welche die Fertigstellung des Projekts nicht mehr miterleben werden.
Alt Bundesrätin Doris Leuthard erinnerte in ihrer Rede daran, dass der Antisemitismus derzeit in unserer ­Gesellschaft wieder auflebe. Das Zentrum Doppeltür sei ein Zeichen dagegen, auf das man stolz sein könne. Und das einzigartige Projekt erinnere an Werte, auf denen sich auch die Schweiz begründe. Die vielen Spenden seien zudem ein Zeichen der ­Solidarität. Doris Leuthard betonte ausserdem, dass das Thema Integration in der Gesellschaft immer ein Doppelauftrag für beide Seiten sei.

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Das Festzelt vor der Synagoge in Lengnau. (Bilder: sma)

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Zeichen für Zusammenleben
Regierungsrat Dieter Egli betonte in seiner kurzen Ansprache die historische Bedeutung der beiden Gemeinden mit jüdischen Leben im Aargau. Es sei eine Geschichte von Integration, aber auch von Ausgrenzung. Der Kanton trage angesichts des aktuellen politischen Klimas eine grosse Verantwortung.
Nach weiteren Danksagungen richtete Ralph Friedländer, der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), noch ein paar Worte an die Gemeinschaft und mahnte, dass sogar in der Schweiz heute Menschen auf offener Strasse aufgrund ihres jüdischen Glaubens angegriffen würden. Die Doppeltür sei somit ein Zeichen für die ganze Schweiz, dass ein Zusammenleben möglich sei. Kurz nach 18 Uhr zog es die Menschen in das Festzelt. Nicht nur wegen der tiefen Temperaturen, sondern auch weil eine Band den Apéro begleitete.

Eine neue Ära
«Das bedeutet eine neue Ära für ­Lengnau. Wir hoffen sehr, dass wir die Kultur der Bevölkerung, in den Schulen und überall näherbringen können», fasste der Lengnauer Gemeindeammann Viktor Jetzer im Anschluss an die Ansprachen die Bedeutung des Spatenstichs zusammen. Die Gemeinde Lengnau plant die Neugestaltung des Dorfplatzes als Beitrag zu dem Projekt. «Wir hoffen, dass unsere Gemeinde durch das Begegnungszentrum noch ein wenig attraktiver wird», so Viktor Jetzer. Neben der ­Synagoge ist es heute vor allem das Alters- und Pflegeheim Margoa, welches das jüdische Leben in Lengnau repräsentiert.
Im Gespräch betonte Lukas Keller noch einmal die vielen Herausforderungen bis zum Spatenstich. Allein die Pandemie habe rund zwei Jahre gekostet. Nach der Grundfinanzierung würde die Spendensammlung nicht aufhören. Für das Doppelzen­trum werden Kacheln angeboten, die man als Privatperson sponsern kann.
«Jetzt starten die Maschinen, und wir hoffen bei den Emissionen auf Verständnis im Dorf, damit wir die Bauzeit gut durchbringen und anschliessend mit einem grandiosen Fest eröffnen können», sagte Lukas Keller.