Wenn Kunst sich mit Lyrik vereint

Kunst prägt sie seit ihrer Kindheit. Nun verbindet ­Renate Lerch ihre Werke in einer Ausstellung mit Texten der Lyrikerin Jaël Lohri.
«Zubereitung des Flachses» – eine Klebebandcollage auf Schulwandbild von Renate Lerch. (Bild: zVg)

Schinznach – Sie ist in Baden aufgewachsen, um­geben von den Künsten. «Ich bin quasi in die Kunst hineingeboren», sagt ­Renate Lerch. Das Malatelier ihres Vaters habe sich unmittelbar neben ihrem Kinderzimmer befunden, wie sich die heute in Schinznach-Dorf wohnhafte Künstlerin erinnert. «Der Terpentingeruch hängt mir bis heute in der Nase.» Und der Kunstmaler Kurt Hediger, der ihr Götti war, nahm sie gemeinsam mit ihrem ­Vater schon als kleines Mädchen mit auf spannende Malausflüge oder ins Museum. «So lernte ich früh zu schauen und zu hören.»
Auch die Musik habe immer zu den Freuden ihres Lebens gehört, sagt ­Renate Lerch. «Singen und Musizieren begleiteten mich genauso wie die bildenden Künste.»

Mehr als ein Hobby
Später leitete Renate Lerch zahlreiche Kulturprojekte und war Dozentin an diversen Hochschulen. Bis zur Pensionierung arbeitete die gelernte Pädagogin, Werklehrerin, Fachdidaktikerin und Supervisorin an der Zürcher Hochschule der Künste in ­Zürich.
Sie lebte nie von der eigenen Kunst, aber die Kunst war stets weit mehr als bloss ein Hobby für sie. «Kunst gibt mir Halt und Zuversicht», sagt sie zu deren Stellenwert in ihrem heutigen Leben. «Sie gibt mir Gelegenheiten, mich ganz dem Detail und dem Schönen zuzuwenden. In und mit der Kunst fühle ich mich lebendig und im Alter frisch. Und es ist faszinierend, wie richtig sich Kunst anfühlt, wenn sie gelingt.»
Seit ihrer Pensionierung kann sich Renate Lerch nun ganz der Kunst widmen – dies in ihren Ateliers zu Hause in Schinznach-Dorf und in Simandre im Burgund. «An diesen Orten lasse ich mich durch meine Kunst von den Alltagspflichten abhalten, manchmal nur für ein kurzes Weilchen, manchmal stundenlang», erzählt die 66-Jährige. «Zwischendurch reflektiere ich auch künstlerische Prozesse in kunstanalogen Coachings, die ich in loser, aber regelmässiger Abfolge anbiete.»

Renate Lerch. (Bild: Marianne Kesselring)

Zum Dadaismus hingezogen
Ihre Kunst ist eine eigene, dennoch hat Renate Lerch, wie wohl alle kreativen Menschen, ihre Vorbilder. «Es sind Künstler und Künstlerinnen, die den Mut haben, Kunst zu leben und sie mit anderen zu teilen, über ihre Kunst zu kommunizieren, und nicht aufgeben, an deren Wirkung zu glauben», sagt sie.
«Durch mein Studium an der ‹Kunschti› in Zürich bin ich konkret geprägt vom Bauhausstil. Und ich fühle mich sehr zum Dadaismus hingezogen, der Übergänge statt Grenzen zwischen der Kunst und der Literatur schafft und Sinnfragen im verspielten Umgang mit dem Alltäglichen kultiviert.»

Zusammenarbeit mit Jaël Lohri
Eine Verbindung von Kunst und Literatur schafft auch Renate Lerch selbst. Sie zeigt zusammen mit der Autorin Jaël Lohri aus Biberstein in der installativen Ausstellung «Zusammengefasst und freigelegt» Textil-, Klebeband-, Text-, Stimm- und skulpturale Collagen. «Es ist eine Ausstellung, in der die Lyrik und meine Kunst in eine Einheit verschmilzt, sich aber auch als Gegenüber präsentiert und bereichert», erklärt Lerch.
Die beiden Frauen, die sich schon länger kennen, hätten sich bei der Entstehung der Werke jeweils auf dem Laufenden gehalten. «Bei Jaël Lohri entstanden Texte und Audioinstallationen, bei mir Materialcollagen aus Übriggebliebenem und Neuentdecktem. In regelmässigen Austauschtreffen wandelten und verbanden sich unsere Arbeiten, in intensiven, gemeinsamen Schaffensphasen griffen wir die Fäden der anderen auf und spannen sie weiter.»
Die letzten Entscheidungen zu den Installationen würde das Duo erst beim Aufbauen der Ausstellung treffen, sagt die Künstlerin – «wenn wir mit unseren Zutaten im Raum experimentieren, mit Licht und materialtechnischen Möglichkeiten spielen, immer wieder staunen und uns freuen über das, was im Moment entsteht. So entwickelt sich unsere Ausstellung vor Ort bis zum letzten Tag vor der Vernissage und wird uns und die ­Besuchenden überraschen.»

Ausstellung der Künstlerin Renate Lerch und der Lyrikerin Jaël Lohri
Vernissage: Freitag, 1. Mai, 18 Uhr
Zehntenstock, Oberflachs