Schwammstadt – grün und blau statt grau

Das Schwammstadtprinzip erlaubt es, Siedlungen während Hitzeperioden kühl zu halten und so die Lebensbedingungen zu verbessern.
Die Gartengestalter bei der Arbeit. (Bild: pg)

Ennetbaden – Was steckt hinter dem Konzept der Schwammstadt? Wie können Gemeinden und Private die Umsetzung vorantreiben? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern, damit Städte und Quartiere klimaresilienter werden? Aufgrund des Klimawandels ist vielerorts ein Umdenken beim Wassermanagement angezeigt. Hitzetage, Tropennächte und Trockenperioden nehmen auch hierzulande zu. Derweil wurde und wird Regenwasser möglichst schnell abgeleitet. Starkregenereignisse überlasten deshalb regelmässig die Kanalisationen und verschmutzen die Gewässer.
Dass es anders geht, zeigen beispielsweise Edith und Martin Stucki aus Ennetbaden. Sie haben sich entschlossen, das Dachwasser von zwei Liegenschaften vor Ort zu halten, wo es versickern oder gezielt genutzt werden kann.
In einer durchschnittlichen Schweizer Siedlung verdunstet heute etwa 30 Prozent des Regenwassers, weitere 10 Prozent versickern. Das übrige ­Regenwasser wird in der Regel im Kanalisationsnetz gesammelt. Das hat zur Folge, dass die Abwasserentsorgung in den Städten und Agglomerationen bei anhaltendem Regen an ihre Grenzen stösst.

Niederschlagswasser versickert
Viktor Steffen von Steffenworks und Adrian Meier von der Firma Meier Gartengestaltung AG haben für die zwei fraglichen Liegenschaften an der Grendelstrasse in Ennetbaden ein Konzept erarbeitet und zur Realisierungsreife gebracht, das anschliessend von dem in Kirchdorf ansässigen Gartenbauunternehmen umgesetzt wurde. Neu wird der auf 180 Qua­dratmeter Dachfläche anfallende ­Niederschlag nicht der Kanalisation zugeführt, sondern in vier Versickerungsmulden gesammelt, wo er im renaturierten Boden versickern kann. Die vier Becken sind durch Einlaufschächte und Leitungen miteinander verbunden. Diese kommen zum Zuge, sobald das Anstauvolumen von 20 Zentimetern erreicht ist und ein Becken kein Wasser mehr aufnehmen kann.
Erst wenn alle verfügbaren Böden gesättigt sind und das Stauvolumen überall erreicht ist, wird das Wasser in die Kanalisation geleitet. Diese Entwässerung nach dem Schwammstadtprinzip reduziert die Gefahr von Überschwemmungen und speist gleichzeitig den Boden und das Grundwasser.

Verdunstung wirkt kühlend
Zur Auffüllung der Sickerbecken wurde in Ennetbaden fruchtbarer Oberboden verwendet, der mit Lavagranulat und Pflanzenkohle angereichert wurde. Diese beiden Komponenten verbessern zusätzlich das Speichervolumen und helfen den Bäumen, dass sie in Trockenperioden noch länger mit Wasser versorgt werden.
Neu wurden eine Weiss-Esche sowie eine Schmalkronige Stadtulme in die Mulden gepflanzt. Die beiden Bäume vertragen kurzzeitige Über­flutungen und können einen Grossteil des angesammelten Wassers auf­neh­men. Durch die Verdunstung über die Blätter wirken sie kühlend in den Sommermonaten. So tragen Schwammstadt-Grünflächen nicht nur zur Klimaresilienz bei, sondern werten ­Siedlungen ökologisch auf und schaffen attraktive Aufenthaltsräume.
Neben den Becken wurde der ­Ein- und Ausfahrt zur Einstellhalle, mit dem Ziel, CO2 einzusparen, Beachtung geschenkt. So wurde ein Schwarzbelag aus rund 60 ­Prozent recyceltem Material, vor allem Asphalt, eingebaut. Dabei wird gebrochener Asphalt neu aufbereitet und Bitumen beigemischt, wodurch die Haltbarkeit erhöht wird.