Pflegekräfte von morgen

Das Alterszentrum St. Bernhard gewährte einer Schulklasse am internationalen Tag der Pflege Einblick in die Berufswelt der Langzeitpflege.
Haris Ljimani erklärt den Umgang mit der Schutzkleidung. (Bild: pg)

Wettingen – Am 12. Mai 1820 erblickte Florence Nightingale, die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege, das Licht der Welt. Ihr zu Ehren wird am 12. Mai alljährlich der Tag der Pflege begangen, der gleichzeitig dazu dienen soll, die Arbeit, die Leidenschaft und den Einsatz der Pflegekräfte anzuerkennen. Der Tag soll auch das Bewusstsein schärfen, dass Pflegekräfte das Rückgrat des Gesundheitssystems bilden und sowohl die Politik als auch die Gesellschaft dazu bringen, die Herausforderungen der Pflegeberufe ernst zu nehmen. Wie in vielen Berufsfeldern ist auch und gerade in der Pflege der Fachkräftemangel omnipräsent. Ursachen sind nebst steigenden Anforderungen an Qualität, Umfang und Sicherheit der Pflegedienstleistungen auch die Zunahme des Pflegebedarfs aufgrund der demografischen Alterung. 

Aktiv um Nachwuchs werben
Das Alterszentrum St. Bernhard in Wettingen nahm den Tag der Pflege zum Anlass, die Jugendlichen der Realklasse R2b in Begleitung der Lehrperson Annette Hacker zu empfangen, um ihnen einen Vormittag lang einen authentischen Einblick in die zahlreichen Berufsbilder der Institution zu ermöglichen. Karsten Sasse, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Pflege, stellte zu Beginn die neun Mitarbeitenden, die im Nachgang die zu lösenden Aufgaben an den einzelnen Posten vermittelten, vor. Er nahm die Gelegenheit wahr, die 1935 als Verein gegründete Institution vorzustellen, die vor vier Jahren den modernen Neubau im Quartier Langäcker beziehen durfte.

«Das ‹St. Bernhard› beschäftigt 240 Mitarbeitende aus 25 Nationen in 25 Berufen. Um den 145 Bewohnenden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, sind davon zwischen 120 und 150 Personen in der Pflege tätig», so Karsten Sasse. Er bekräftigt, dass der Anlass auch Teil des Engagements des Alterszentrums für die Nachwuchsförderung ist. Der Betrieb bildet aktuell zwölf Lernende aus. Nebst sechs Fachleute-Gesundheit-Lernenden in der Pflege sind dies ein Assistent Gesundheit und Soziales, je ein/e Fachfrau/Fachmann Betriebsunterhalt, Hotellerie-Hauswirtschaft, Kauffrau/Kaufmann sowie zwei angehende Köche. Damit gehört das «St. Bernhard» zu den engagiertesten Ausbildungsbetrieben der Region und leistet einen aktiven Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Interessante Postenarbeit
Nach der Vorstellung teilte sich die Klasse in fünf Gruppen auf, um an den fünf vorbereiteten Posten die Berufsbilder Pflege, Hauswirtschaft, Küche und Administration besser kennenzulernen. Dabei konnten die Teilnehmenden erfahren, dass die Gastronomie in der Pflegeinstitution mehr als nur Verpflegung beinhaltet. Sie ist für die Bewohnenden ein Bestandteil der Lebensqualität, der Strukturierung des Alltags und der sozialen Teilhabe.

Auch die Hauswirtschaft umfasst essenzielle Tätigkeiten wie Reinigung, Wäschepflege und Betreuung. Dabei wurde den Schülerinnen und Schülern durch den Lernenden Haris Ljimani auch die Anwendung und der Umgang mit der Schutzbekleidung nähergebracht. Die Hinweise auf die verantwortungsvolle Vorbereitung der Medikamentenboxen fehlten ebenso wenig wie das anspruchsvolle Decken der Tische und der Essensservice. Beeindruckt zeigten sich die Jugendlichen, die selbst vor der Berufswahl stehen, vom Küchenbereich des Alterszentrums, wo 25 Mitarbeitende im Schichtbetrieb täglich zwischen 200 und 300 Mahlzeiten vorbereiten, die gleichzeitig auch den Bedarf der Spitex Wettingen-Neuenhof abdecken. Hier war auch ihr Geruchssinn gefragt, galt es doch aus acht verschiedenen, durch den stellvertretenden Leiter Küche, Nicolas Vogel vorbereiteten, abgedeckten Schälchen den Inhalt herauszuriechen. Im Gespräch zwischen der 82-jährigen Luise Jetzer und Geschäftsleiter Peter Wyss betonte die Seniorin, dass sie durch die jungen Nachwuchskräfte gut betreut werde und ihr auch die heutige Sprache der Jugend keine Mühe bereite.