Brugg – «Das Wasserschloss ist heute ein Ort, an dem viel gleichzeitig stattfindet: Wohnen, Gewerbe, Pflanzen, Tiere, Strassen, Schulen, Militär, Kultur und Freizeit», heisst es auf der Website wasserschloss-plus.ch. Diskutiert wurde während des Podiums deshalb, wie der neue Stadtraum beim Bahnhof Brugg-Windisch dereinst aussehen soll.
Die Testplanung dazu ist bereits abgeschlossen. Sie sollte aufzeigen, wie ein lebendiges Quartier gebaut werden müsste. «Die Zentrumsentlastung bildet dabei einen zentralen Bestandteil des Gesamtverkehrskonzepts Raum Brugg Windisch. Sie zielt darauf ab, den Durchgangsverkehr aus dem Stadtraum zu entfernen und die zentralen Strassenachsen zu entlasten», heisst es im Bericht zur Testplanung weiter.
30 Prozent mehr Menschen
Dominik Kramer, Leiter der Sektion Verkehrsplanung des Kantons, sagte am Impulsforum in der Cantina der Stiftung Faro: «Der Ostaargau wird bis 2040 rund 30 Prozent mehr Menschen haben, die hier wohnen. Zudem werden 20 Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Das führt zu mehr Mobilitätsbedürfnissen.» Deshalb erachtet auch er die Zentrumsentlastung als wichtig, damit der Verkehr im Siedlungsgebiet verringert werden kann. Laut Dominik Kramer soll das kantonale Velonetz künftig so ausgebaut werden, dass man theoretisch dank einer Velovorzugsroute von Zürich bis Brugg radeln könnte.
Verena Rohrer, Leiterin der Standortförderung beim Kanton, erachtet es wiederum als wichtig, dass im neuen Stadtraum Brugg-Windisch neben Wohneinheiten genügend Platz für Unternehmen und gewerbliche Betriebe geschaffen wird. «Bis in zehn Jahren geht es nicht mehr nur um lärmige, stinkige Produktionen. Wir müssen mehr an Unternehmen denken, die in der Robotik tätig sind und einen neuen Standort suchen. Dafür eignet sich die Region Brugg-Windisch.» Gibt es schon eine ähnliche Überbauung für Gewerberäumlichkeiten, wo man sich etwas abschauen kann? «Ein mögliches Vorbild könnte in Lenzburg das Lenzia sein», sagte Verena Rohrer.
Dorthin hat der Sportartikelhersteller Mammut aus Seon seinen Hauptsitz verlegt. Der grösste Fehler, der jetzt bei der Planung passieren könnte, ist laut Verena Rohrer, sich «zu stark auf etwas Konkretes zu fixieren und den Anteil an Arbeiten zu tief anzusetzen».
Gewerbliche Nutzung
Die Brugger Stadtpräsidentin Barbara Horlacher ergänzte, dass mindestens 51 Prozent gewerbliche Nutzung vorgesehen seien. «Das ist eine Rahmenbedingung, die der kantonale Richtplan vorgibt», so Barbara Horlacher. Thorsten Busch, CEO von Brugg Real Estate, zeigte sich dabei skeptisch: «Als Grundeigentümer möchten wir einen belebten und funktionierenden Lebensraum schaffen. Für uns ist das ein Generationenprojekt. Die geforderten 51 Prozent sind eine grosse Herausforderung. Das geht nicht ohne intensive Standortförderung.»
Mit dem Bau soll 2035 begonnen werden. Die Stadtpräsidentin gab ausserdem zu bedenken, dass die Langfristigkeit der Planung herausfordernd sei: «Denn was wir heute planen, soll in 30 bis 40 Jahren noch funktionieren.» Um das zu bewältigen, benötige es die Flexibilität von allen Beteiligten. Dario Abbatiello vom Verein Wasserschloss Plus sagte: «Es braucht einen ausgewogenen Mix aus Wohnen, Arbeiten und Begegnungszonen – unter Berücksichtigung guter Rahmenbedingungen für das Gewerbe, beispielsweise ausreichend Parkplätze.» Die Windischer Gemeindepräsidentin Luzia Capanni erwähnte ihrerseits, dass der Druck aus dem Limmattal auf den Wohnungsmarkt bereits da sei. «Es ist aber davon auszugehen, dass verzögert auch der Druck auf Gewerbeflächen folgt.»
Mit dem regionalen Sachplan soll die Planung zuerst einmal weiter in die Tiefe gehen.