Deutliches Ja zu einem eigenen Werkhof

Im zweiten Anlauf genehmigte die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit von 150 000 Franken für die Planung eines Bauamt-Neubaus.
Südöstlich der Firma Tratson, auf einem Teil des Sport- und Spielplatzes Hübel, soll ein neuer Werkhof für das Bauamt der Gemeinde entstehen. (Bild: bkr)

Birmenstorf – Dass das aktuelle Werkgebäude des Bauamts aus dem Jahr 1972 den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt, darin waren sich die 124 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Birmenstorfer Gemeindeversammlung letzte Woche einig. Nur, wie sieht die Lösung aus? Im November 2024 schlug der Gemeinderat die Planung eines Neubaus auf einem Teil des Sport- und Spielplatzes Hübel vor. Diese Idee quittierte die damalige Versammlung mit einer Rückweisung des Geschäfts. Verbunden war diese mit dem Auftrag, die strategische Ausrichtung des Bauamts vertieft zu prüfen und vor allem die Kosten für eine mögliche Auslagerung der Werkhofdienstleistungen in eine Nachbargemeinde zu klären.
«Wir haben inzwischen umfassende Abklärungen vorgenommen. Einerseits die Kosten des heutigen Werkhofbetriebs analysiert und andererseits konkrete Angebote von umliegenden Gemeinden eingeholt», sagte Gemeinderat Martin Hofer. Für Offerten angefragt wurden Baden, Gebenstorf und Fislisbach. Fislisbach habe kein Interesse gezeigt, und eine Kooperation mit Gebenstorf wäre wesentlich teurer als der Betrieb eines eigenen Werkhofs. Das Angebot aus Baden sei auf den ersten Blick interessant, enthalte aber mehrere Pferdefüsse. So will Baden den bisherigen Werkhof als Garage weiternutzen – wie auch die vorhandenen Fahrzeuge. «Für deren Unterhalt und Ersatz müssten wir aufkommen», stellte Hofer fest. «Zudem gilt die Badener Offerte vorerst nur für zwei Jahre, während deren zu Aufwand und Kosten Erfahrungen gesammelt werden sollen.»

3,8 Millionen Franken
Vizeammann Urs Rothlin skizzierte, was mit dem erneut beantragen Projektierungskredit von 150 000 Franken geplant werden soll, und konnte auf Basis eines Vorprojekts den erwarteten Investitionsaufwand mit 3,8 Millionen Franken beziffern. «Dieser hätte einen Abschreibungsbedarf von 110 000 Franken pro Jahr zur Folge», rechnete Rothlin vor. Amortisation und Betrieb eines eigenen Bauamts mit neuem Werkhof schlagen sich in total 840 000 Franken nieder – die ­Badener Lösung kostet 790 000 Franken. «Die Mehrkosten betragen 0,55 Steuerprozent, mit denen wir Unsicherheiten aus dem Weg räumen können und weiterhin über ein autonomes Bauamt verfügen», fasste Rothlin die Vorteile zusammen.
Aus der Versammlung wurden einige kritische Stimmen laut. So hatte ein Votant erwartet, dass der Gemeindeversammlung zwei beschlussreife Varianten vorgelegt würden. Rothlin entgegnete, man habe sehr detailliert gearbeitet und insbesondere festgestellt, dass die Zusammenarbeit mit Baden verschiedene Probleme, wie Materiallager oder Streusalzsilo, die beim heutigen Werkhof keinen Platz hätten, nicht löse. Was geschieht bei einem Nein zum Kredit? Die Antwort gab Frau Gemeindeammann Marianne Stänz: «Dann werden wir die ­Badener Lösung forcieren und einen entsprechenden Vertrag vorlegen.» Schliesslich wurde der Planungskredit mit 88 gegen 27 Stimmen genehmigt.
301 Franken Schulden pro Kopf
Um 737 000 Franken besser als budgetiert – mit einem Ertragsüberschuss von 425 000 Franken statt eines Defizits von 312 000 Franken – schloss die Rechnung 2025 der Einwohnergemeinde ab. «Wichtigster Grund für das erfreuliche Ergebnis sind Steuereinnahmen, die den Voranschlag um 470 000 Franken übertroffen haben», sagte Gemeinderat Ukë Balaj. Wie andere Gemeinden sehe sich auch Birmenstorf auf der Ausgabenseite mit laufend steigenden Kosten im Gesundheits- und Sozialbereich konfrontiert. Erfreulich: Die Nettoschuld pro Einwohnerin und Einwohner ist weiter gesunken – von 578 auf 301 Franken.
Ohne Gegenstimmen genehmigte die Versammlung den Kauf von 188 Aktien der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) zu je 1000 Franken. Bisher bezog Birmenstorf als Vertragsgemeinde Transportleistungen der RVBW. Nun gehört sie zu den Mitbesitzerinnen und darf die Geschicke des Transportunternehmens mitbestimmen.