Ein Blick in die Vergangenheit

Das Stadtmuseum und Tourismus Region Brugg haben einen virtuellen Stadtrundgang entwickelt. Er macht halt an fünf Stationen.
Eintauchen ins einstige Brugg. Das Vindonissa-Museum um das Jahr 1912. (Bild: zVg)

Die Markierungen am Boden sind neu – so neu, dass sie von der Stadtreinigung, die offenbar von nichts wusste, teilweise als Littering eingestuft und kurzerhand wieder entfernt wurden. Unterdessen dürften alle im Bilde sein: Die Markierungen sind QR-­Codes, die auf ein neues Projekt von Tourismus Region Brugg und des Stadtmuseums hinweisen. Oder besser gesagt, sie sind ein Teil davon. Wer einen solchen QR-Code am Boden scannt, bekommt umgehend Einblick in die Vergangenheit. Auf historischen Fotos wird ­gezeigt, wie es am jeweiligen Ort vor etwa 100 Jahren ausgesehen hat.
Ergänzt sind die Fotos durch Informationen. «Im Moment handelt es sich um rudimentäre Texte», sagt Pascale Marder, die Leiterin des Stadtmuseums. Man erfahre, wann das historische Bild entstanden ist und wie es verzeichnet wurde. «Natürlich wäre es schön, mehr Kontext zu den Bildern zu haben und mehr Standorte einzubinden», findet Marder. «Das Projekt ist entsprechend so ­angelegt, dass die Informationen beliebig erweitert werden können. Auch eine Audioquelle oder ein kurzes Video sind möglich.» Die Recherche für zusätzliche Texte und Bilder, Vertonungen oder Verfilmungen benötige jedoch Ressourcen, die dem Team zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung stehen, so Marder.

Geld von der IBB ­Energie
Der virtuelle Stadtrundgang durch das alte Brugg ist ein Pilotprojekt, für das die Initiantinnen, Pascale Marder und Barbara Iten von Tourismus Region Brugg, im Rahmen eines Wett­bewerbs der IBB Energie einen Gönnerbeitrag von 2000 Franken erhielten. «Es war mir schon lange ein ­Anliegen, dass in der Stadt Brugg ein kostenloser, zeitlich flexibler Stadtrundgang angeboten würde», erzählt Marder. «Also kam es mir sehr gelegen, als Barbara Iten auf mich zukam und fragte, ob wir ein gemeinsames Projekt zu dieser Idee beim Wett­bewerb IBBooster einreichen wollten.»
Diese 2000 Franken waren schliesslich die Gesamtsumme, die dem Team für die Umsetzung des Projekts zur Verfügung stand, erzählt Marder. «Weil die finanziellen Mittel limitiert waren, mussten wir uns einschränken. So entschieden wir uns, für die erste Umsetzung nur fünf Punkte in der Altstadt abzudecken – im Wissen darum, dass es in Brugg noch mehr Orte zu entdecken gibt.» Die fünf Standorte sind beim Stadtmuseum, Erdbeeribrunnen, Zimmermannhaus, Vindonissa-Museum und bei der Stadtbibliothek.

Wer den QR-Code scannt, sieht historische Bilder des Standorts. (Bild: zVg)

Ein Bezug zu den Standorten
Der virtuelle QR-Code-Stadtrundgang sei für Einheimische inte­ressant, sagt Marder zum Zielpublikum – «weil sie einen persönlichen Bezug zu den jeweiligen Standorten haben, sich vielleicht noch an frühere Zeiten erinnern und nun auf den Fotos sehen, wie es vor ihrer Zeit an dieser Stelle ausgesehen hat.»
Man könne zwar sagen: «Die Altstadt hat sich baulich an sich kaum verändert», so Marder. Und doch lohne sich der Blick aufs Detail. «Wie waren die Kinder angezogen, die damals in den Strassen spielten? Waren das früher zwei Häuser, wo wir heute ein einziges Haus sehen? Welche Gerätschaften standen früher in den Gassen, die wir heute so nicht mehr verwenden?» Diese Fragen seien auch für Auswärtige spannend und könnten ein Grund sein, weshalb man sich zum Beispiel einmal vom Neumarkt in die Altstadt begibt, um auf leicht zugängliche Weise alte Stadtansichten mit heute zu vergleichen.

Sticker halten zwei Jahre
Auf welche Zeitspanne das Pilotprojekt angelegt ist und was danach passiert, ist offen. «Uns wurde gesagt, dass die Sticker bis zu zwei Jahren ohne Qualitätsverlust auf dem Boden kleben bleiben», sagt Marder. Ansonsten hänge der weitere Verlauf davon ab, was die Stadt wolle. «Der Stadtrat wurde über das Projekt informiert und hat die Anbringung der Boden­sticker bewilligt.» Er sehe das Pilotprojekt als niederschwellige Möglichkeit, um die Altstadt zu beleben.
«Sollte sich nach der Pilotphase zeigen, dass das Angebot positiv aufgenommen wird, können Vorschläge zum Ausbau gemacht werden», sagt Marder. «Aber es kann natürlich sein, dass das Angebot kaum genutzt wird und man zum Schluss kommt, dass es ein netter Versuch war, aber auf wenig Gegenliebe stiess. Dann kann man das Projekt guten Gewissens wieder einstellen.»