Vom «heiligen Grün» zum Hightech-Belag

Anlässlich der mehrtägigen Einweihungsfeier des neuen Kunstrasenplatzes der Sportanlage Esp trat am Freitag ein sichtlich gerührter Markus Dort ans Mikrofon. (Bild: sim)

Baden | Fislisbach – «56 Kunstrasenrollen, jede rund eine Tonne schwer, sind inzwischen verlegt», sagt Markus Dort, Ehrenpräsident des FC Fislisbach, sichtlich zufrieden. Seit Mitte Juni verfügt der Verein endlich über einen eigenen Kunstrasenplatz. Am Freitag, 19. Juni, wurde der neue Belag mit einem Festakt und zwei Spielen offiziell eingeweiht.
Der FC Fislisbach nutzt in der Sportanlage Esp zwei Spielfelder: den Hauptplatz, der nun zum Kunstrasenplatz umgebaut wurde, sowie einen Nebenplatz. Dessen Pflege liegt seit Jahren in den Händen der Gemeinde, genauer des Bauamts. Im wöchent­lichen Rhythmus kümmern sich die Mitarbeitenden um das natürliche Grün: Die Rasenflächen werden in ­exakten Linien gemäht und alle übrigen Unterhaltsarbeiten wie Aerifizieren, Vertikutieren, Düngen und Wässern ausgeführt. Die Mitarbeitenden des Bauamts kennen jede Unebenheit des Platzes, spüren die Bodenqualität und wissen genau, wo der Rasen zu nass oder zu hart ist. Sie sind verantwortlich für die grüne Bühne, auf der Woche für Woche Sport gelebt wird und Emotionen hochkochen.

Von links: Fredy Steffen von der Gloor AG, Markus Dort, Ehrenpräsident FC Fislisbach, und Markus Kämpf. (Bild: isp)

Vom Greenkeeper zum ­technischen Kontrolleur
Mit dem neuen Kunstrasen verändert sich diese Arbeit grundlegend. Für den Unterhalt des Kunstrasens trägt der FC Fislisbach die Verantwortung. Dieser gestaltet sich aber ganz anders als bei einem Naturrasenplatz: Mähen, Düngen, Aerifizieren, Nachsanden oder Nachsäen sind nicht mehr nötig und entfallen. Selbst die Linien müssen nicht mehr nachgezogen werden, denn sie sind fest in den Kunst­belag eingearbeitet. Der Platz präsentiert sich jederzeit gleich, auch nach mehreren Spielen hintereinander.
Anfang Juni wurde die für den Unterhalt notwendige neue Reinigungsmaschine geliefert: die Agile max. 108 des italienischen Herstellers MP HT. «Ein unverfüllter Vollkunst­rasen bringt enorme Planungssicherheit, selbst bei Regen. Spiele müssen kaum abgesagt werden, und der Trainingsbetrieb wird besonders im Winter einfacher. Ausserdem lassen sich die Pflegekosten langfristig besser kalkulieren», erklärt Fredy Steffen von der Gloor AG, die das Gerät lieferte.
Die Reinigung des Kunstrasen­platzes übernehmen seitens des FC Fislisbach vorerst Markus Kämpf und Markus Dort. Langfristig wird eine interne Lösung angestrebt. Man hofft, einen geeigneten Platzwart zu finden.
Ein Reinigungsdurchgang über das gesamte Feld dauert ungefähr drei Stunden. Entscheidend ist die konsequente Führung eines Pflege- und Reinigungsprotokolls. Der Hersteller des Belags, Field Turf, liefert dafür eine umfangreiche Dokumentation. «Wir reinigen den Platz im 2-Wochen-Intervall, später wohl alle vier Wochen», sagt Markus Kämpf.
Der neue Belag verfügt über eine integrierte Be- und Entwässerung. An heissen Sommertagen kann sich der Kunstrasen stark aufheizen. Eine weitere Veränderung sind schraubbare Stollenschuhe, die auf dem Kunst­rasen verboten sind. Nockenschuhe hingegen sind erlaubt. «Ich bin überzeugt, dass die Schuhhersteller bald reagieren und Modelle explizit für Kunstrasen kennzeichnen werden», meint Markus Kämpf schmunzelnd. Da morgens oft noch Tau auf dem ­Belag liegt, empfiehlt Fachmann Fredy Steffen, dass Reinigungsarbeiten nicht vor 9 Uhr beginnen. Und selbst für kleine Ärgernisse wie Kaugummi gibt es Tricks: Mit Eisspray ­behandelt, lässt er sich problemlos entfernen.

Neue Routinen auf dem Platz
Der Beruf des Platzwarts verschwindet nicht, aber er wandelt sich. Aus dem sorgenden «Platzwart-Gärtner» wird zunehmend ein technischer Kontrolleur. Statt mit Schlauch und Hacke arbeitet er künftig mit moderner ­Reinigungstechnik und Temperaturmessern, um die Hitzeentwicklung des Belags im Blick zu behalten.
Mit dem neuen Kunstrasen schlägt der FC Fislisbach ein modernes Kapitel auf, das den Verein sportlich wie organisatorisch stärkt. Damit ist der Platz ein Bekenntnis zur Zukunft des Fussballs in Fislisbach und für den Club der Beginn einer neuen Ära, in der Tradition und moderne Technik Hand in Hand gehen.