Vom Café zum Museum

Die gesamte Geschichte von Ehrendingen abbilden – nur eines der Ziele, welche sich das virtuelle Dorfmuseum für die Zukunft gesetzt hat.
Die zweite Fotoausstellung des Dorfmuseums Ehrendingen zeigt Schätze aus der Dorfgeschichte. (Bild: Pfarreiarchiv)

Seit dem 22. April hat Ehrendingen ein neues Museum. Kostenlos für alle, gut zu erreichen und mit einem sehr persönlichen Bezug zur Gemeinde, denn das virtuelle Dorfmuseum befindet sich im Internet. Angefangen hat alles im Jahr 2021, heute blickt man stolz auf vier digitale Ausstellungen. Der Ehrendinger Martin Reigl gehört als Vorsitzender zur Arbeitsgruppe, die das Projekt auf den Weg gebracht hat und betreut.
«Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, den Leuten hat es offensichtlich gut gefallen. Es war ein schöner Start», erzählt Reigl. Die Ausstellungen setzen vor allem auf die umfangreichen Archive der Gemeinde und der Kirche sowie von Privatleuten, welche vom Arbeitsgruppenmitglied Pius Pasi bereits vorher in aufwendiger Arbeit digitalisiert worden sind. So taucht man mit ein paar Klicks ein in das Ehrendingen der 1920er in Luftaufnahmen, in das Restaurant Höhntal in Ober-Ehrendingen im Jahr 1915 oder die Kirschernte am «Stein» in den Neunzigerjahren. Auch für Nicht-Ehrendinger ein Erlebnis, weil man in der heutigen digitalen Welt manchmal die satten Farben von analogen Kameras vermisst.

Mit dem Postauto zur Schule
Von der ursprünglichen Idee im Rahmen des Zukunfts-Kafi im Jahr 2021 bis zur ersten Sitzung der sechsköpfigen Arbeitsgruppe, in der heute Samuel Kamm den Gemeinderat vertritt, zogen zwei Jahre ins Land. Danach fing die Arbeit erst richtig an, wie Martin Reigl erzählt: «Es gab viele Sachen zu diskutieren. Wie ist es mit den Bildrechten, dem Persönlichkeitsschutz, was darf man veröffentlichen?» Auch bei der Wahl der Ausstellungsthemen hat man sich Zeit gelassen. Letztendlich ist es für Reigl nur eines seiner Hobbys, welches sich eben auch mit dem Alltag vereinbaren lassen muss.
Bei den Luftaufnahmen, Dorfbildern, aus der Landwirtschaft und dem Gewerbe soll es aber nicht bleiben. «Die Idee ist schon, dass wir regelmässig neue Ausstellungen liefern – es soll ein lebendiges Museum sein», erklärt Reigl. So hat man die nächsten drei Ausstellungen bereits festgelegt und plant auch für 2027 voraus. Eine der Ideen dreht sich um historische Schulklassenfotos, die allerdings aufgrund von rechtlichen Fragen noch warten muss. Denn auch hier müssen die Persönlichkeitsrechte von noch lebenden Personen gewahrt werden.
Konkreter wird es beim Thema «Transport von Menschen und Waren». Von der alten Postkutsche bis zum heutigen Postauto soll der Verkehrsbetrieb in Ehrendingen gezeigt werden. Und auch die alte Zementfabrik spielt dabei eine Rolle. In den nächsten Wochen soll die Ausstellung als erste nach dem Museumsstart online gehen. «Das Museum soll am Ende die gesamte Geschichte von Ehrendingen abdecken», hält Reigl fest.

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Ober-Ehrendingen um 1953. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich | Werner Friedli)

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Aha-Momente
Zukünftig kann auch das Format der Ausstellungen variieren. Nicht zu jedem Thema gibt es ausreichend oder passende Fotografien, welche man mit Quellverweisen und der alten Dorfzeitung unterlegen kann.
Die Zielgruppe eines virtuellen Museums unterscheide sich etwas von der eines regulären Museums, sagt Reigl. Es ist aber vor allem der leichtere Zutritt und die kürzere Verweildauer, die eine neue Klientel anlocken können. «Wenn man mal anfängt, dann kann man nicht mehr aufhören und klickt sich durch», berichtet Reigl von einer positiven Reaktion eines Museumsbesuchers.
Langfristig träumt man sogar von einem richtigen Museum. Die digitale Welt – die nach den Erfahrungen des jungen Jahrtausends doch nicht ewig hält – als Übergangslösung, eine fast romantische Idee. «Für mich ist es kein zeitlich begrenztes Projekt», hält Reigl fest, der auch die Unterstützung und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde schätzt. «Es macht einfach Spass!»
Konkret besteht die Unterstützung aus Sitzungsgeldern und den Serverkosten der Museums-Website. Zusätzlich gab Gemeinderatsmitglied Samuel Kamm noch ein paar technische Tipps beim Aufbau der Seite, die ebenfalls von der Arbeitsgruppe entworfen worden war. Auch hier gibt es noch ein paar offene Wünsche und Verbesserungspotenzial, verrät Reigl.
«Nicht zu trocken, nicht zu oberflächlich: Ein gutes Museum soll neue Einblicke gewähren und Freude machen», sagt Martin Reigl. «Die Neugierde sollte geweckt werden.» Beim virtuellen Dorfmuseum scheint dies nach vier Monaten geglückt zu sein.

museum-ehrendingen.ch