Die Rusalka fliegt wieder

Die Antonov An-2 des Clubs Avianna wurde in Ungarn runderneuert. Vergangene Woche startete der Doppel­decker wieder vom Birrfeld.
Die Rusalka wird auf dem Birrfeld empfangen. (Bild: zVg)

Das russische Flugzeug trotze auf ­seinem Aussenplatz auf dem Birrfeld jahrelang Wind und Wetter. Es blieb flugtüchtig, doch irgendwann gingen die Strapazen an die Substanz, und so entschied sich der Club Avianna, der die Maschine besitzt, die Antonov An-2 generalüberholen zu lassen. Der Motor sollte saniert werden, die Flügel neu bespannt, eine Lackierung sollte dem roten Vogel zu neuem Glanz verhelfen, der Passagierraum mit neuem Teppich versehen werden.
Nun ist es so weit. Nachdem das Flugzeug in Ungarn saniert worden war, erreichte es Ende Juli seinen angestammten Platz auf dem Birrfeld. Und am Mittwoch vor einer Woche wurde es eingeweiht. Clubmitglieder stiessen auf die Rusalka an, wie sie ihre Antonov nennen, und starteten zu einem Sonnenfinsternisflug. Zuvor hatten Werkspiloten und anschliessend die eigenen Avianna-Piloten in Ungarn erste Testflüge mit der generalüberholten Maschine absolviert.

Die Antonov erstrahlt in neuem Glanz. (Bilder: zVg)

«Nichts Vergleichbares»
Die Rusalka ist also zurück. Doch warum haben die Mitglieder des Clubs Avianna einst ausgerechnet eine russische Antonov erworben? «Es gibt nichts Vergleichbares», sagt Clubmitglied Jean Voegelin. «Sie kann überall landen und starten.»
Die Antonov An-2 ist der grösste einmotorige Doppeldecker der Welt. Sie wurde in den 1940er-Jahren von einem gewissen Oleg Konstantinovitch Antonov entwickelt, die ersten Exemplare wurden in Kiew in der damaligen Sowjetunion hergestellt. Der Erstflug fand 1947 statt. Die An-2 gilt seither als eines der sichersten Flugzeuge. «Die gesamte Konstruktion ist durchdacht und sehr ausgereift», schreibt der Club Avianna auf seiner Website. «Noch heute zollen Flugzeugkonstrukteure auf der ganzen Welt dieser Maschine ihren Respekt.»
Der Club Avianna ist vor 19 Jahren aus der Begeisterung für dieses Flugzeug entstanden. Einige Aviatikfans, unter ihnen nicht nur Piloten, beschlossen damals, eine Antonov An-2 zu kaufen und zu diesem Zweck einen Club zu gründen.

In Litauen fündig geworden
Sie fanden die Rusalka mit Jahrgang 1978 schliesslich in Litauen, wo das Flugzeug fünf Monate von mehreren Spezialisten instand gesetzt wurde. Am 30. September 2007 konnten die Gründungsmitglieder die vollständig restaurierte, nach ihren Vorstellungen neu bemalte und komplett hergerichtete An-2 in die Schweiz überfliegen.
Seither kümmert sich der Verein, der unterdessen mehrere Hundert Mitglieder zählt, unentgeltlich um das Flugzeug. «Die Beschaffung war das eine, aber was wirklich aufwendig ist, sind der Betrieb und der Unterhalt», sagt Jean Voegelin. Bis zu einer halben Million Franken oder mehr koste eine An-2 heute. «Damals, vor fast 20 Jahren, konnten wir unsere Maschine noch einiges günstiger kaufen.» Geflogen werde die Rusalka nur von Piloten, die darauf ein sogenanntes Typerating absolviert hätten, erklärt Voegelin. «Dieses müssen sie jedes Jahr mit einem Experten erneuern.»

Mitglieder des Clubs Avianna stossen auf die Rusalka an (von links): Hans Oertli, Peter Hunziker, Jean Voegelin, Paolo Corti

Wer Clubmitglied werden will, kann das für einen Jahresbeitrag von 20 Franken tun. Die Mitgliedschaft berechtigt, an Clubflügen teilzunehmen. Wenn ein Mitglied die Flugdestination selbst bestimmen will – die ­Rusalka fliegt zum Beispiel nach Venedig –, kann es das Flugzeug privat für sich und seine Gäste chartern. Kostenpunkt: 1800 Franken pro Flugstunde. Bis zu zwölf Passagiere fasst das Flugzeug. Und auch Flugstunden kann man nehmen, dies für 180 Franken pro Person.