«Ich wollte Musik, die Mut macht»

Seraina Telli aus Untersiggenthal mischt die Musikszene auf. Die Songs sind oft melodisch, manchmal ruhig, dann wieder kraftvoll.
Seraina Telli ist mit ihrem neusten Werk auf Platz 1 der Charts gelandet. (Bild: Felix Groteloh)

Untersiggenthal – Einen Interviewtermin mit Seraina Telli zu finden, ist nicht einfach. Die 35-jährige Sängerin, Songwriterin und Multi-Instrumentalistin ist stark ausgelastet. «Es läuft im Moment sehr rund», bestätigt sie. Ihre Tage seien gut gefüllt. Kürzlich war sie mit der akustischen Weihnachtstour «X-Mas Nights» in der Schweiz und in Deutschland unterwegs. Die Tour fing die besondere Stimmung der Weihnachtszeit auf eine ruhige und intime Weise ein. Gleichzeitig liefen intensive Proben für die «Gymotion 2026». Die grosse Show mit Turnkunst, Akrobatik und Live-Musik findet im Hallenstadion in Zürich statt.

Und dann da ist noch ihr neustes Album «Green», welches im Oktober 2025 erschienen ist. Innert kurzer Zeit erreichte es Platz 1 der Schweizer Album-Charts. «Green ist mein ehrlichstes Album», erklärt Telli. «Ich wollte Musik machen, die Mut macht. Musik, die zeigt, wie wichtig es ist, immer wieder aufzustehen.»

Das Album markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein in ihrer Karriere. Es ist kein lautes Statement, sondern ein bewusstes. Seraina Telli zeigt damit klar: «Starke Musik muss nicht laut sein, sondern vor allem echt und glaubwürdig.» Farben spielen im Leben der Künstlerin dabei eine grosse Rolle. Ihre bunten Haare, auffälligen Accessoires, die pinken «Ohrläppchendehner» und farbigen Outfits gehören längst zu ihrem Markenzeichen. Grün symbolisiert Natur, Leben, Wachstum, Hoffnung und Ruhe. Diese Bedeutungen spiegeln sich auch in ihrer Musik wider. Die Songs wirken oft stärkend und aufbauend. Telli erzählt zudem, dass sie Musik oft auch visuell wahrnimmt und Töne mit Farben verbindet. Dieser kreative Zugang prägt ihren Stil und macht ihre Musik unverwechselbar.

Musikalisch kann Seraina Telli bereits auf eine eindrückliche Laufbahn zurückblicken. Im Oktober 2022 landete sie mit ihrem Debütalbum «Simple Talk» auf Platz 2 der Schweizer Album-Charts. Mit dem zweiten Album «Addicted to Color» setzte sie noch einen drauf. Zudem wurde sie als «Best Female Act» für die Swiss Music Awards nominiert. Live überzeugte sie unter anderem als Vorband von Bryan Adams vor rund 9000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Weitere Auftritte folgten am Montreux Jazz Festival, am Open Air Lumnezia oder im Hallenstadion Zürich bei «This is Rock».

Bodenständigkeit trotz Erfolg
Aufgewachsen ist Seraina Telli in Untersiggenthal, in einer Familie mit fünf Geschwistern. «Es war immer viel los und ziemlich Betrieb bei uns zuhause», witzelt Telli. Trotzdem war sie als Kind eher ruhig, eine Einzelgängerin, sensibel und verträumt. Auf der Bühne jedoch blühte sie auf. Schon früh zeigte sich ihre Unabhängigkeit und ihr Wunsch, ihren eigenen Weg zu gehen. Singen gab ihr Sicherheit und Selbstvertrauen. Nach dem Musikstudium in Freiburg, Deutschland, wurde sie zunächst als Sängerin der Metal-Band Burning Witches bekannt. Dort sammelte sie wertvolle Bühnenerfahrung, spielte auf grossen Festivals und tourte durch Europa.

Der Wunsch nach künstlerischer Freiheit wurde jedoch immer stärker. 2019 entschied sie sich bewusst für den Schritt in die Solo-Karriere. Ein Entscheid, der sich auszahlen sollte. Trotz wachsender Bekanntheit ist die Musikerin aber bodenständig geblieben. Der Bezug zu Untersiggenthal ist ihr weiterhin wichtig. Hier tankt sie Energie, hier entstehen neue Ideen und neue Songs.

Seraina arbeitet eng mit ihrem Management zusammen. «Es geht alles über meinen Tisch, was rausgegeben wird, und deshalb bin ich sehr ausgelastet. Vieles mache ich auch tatsächlich noch selber. Rockstar Entertainment stellt für mich jedoch eine grosse Hilfe und Unterstützung im Aufbau meiner Karriere dar», sagt die Sängerin. «Man unterschätzt, wie viel Arbeit hinter der Bühne anfällt.» Nebst Proben und Konzerten gehören auch Organisation, Promotion, Merchandise und Administration zum Alltag. Das Musikbusiness habe sich stark verändert. Es gebe ein grosses Überangebot an Musik. Umso wichtiger sei es, sich klar zu positionieren und sich selbst treu zu bleiben. «Ein Nein zu anderen ist oft ein Ja zu sich selbst.»

Für das angebrochene Jahr sind mehrere Konzerte in der Schweiz sowie eine grössere Europa-Tournee geplant. Seraina Telli bleibt somit in Bewegung – authentisch, eigenständig und mit viel Farbe im Herzen.