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Das Bundesamt für Strassen (Astra) bewilligt den Pilotversuch der Kantone Zürich und Aargau sowie der SBB für autonomes Fahren im Furttal.
Dank digitaler Karte und Sensorik sollen die ersten Autos im Furttal bald autonom Menschen zwischen designierten Haltepunkten transportieren. (Bild: Swiss Transit Lab)

Würenlos – Ende 2024 bewilligte der Zürcher Regierungsrat 3,8 Millionen Franken als Anschubfinanzierung für ein potenziell zukunftsweisendes Verkehrsprojekt. Gemeinsam mit den SBB beauftragte der Kanton Zürich das Swiss Transit Lab, das Versuchsprojekt «Iamo – intelligente automatisierte Mobilität» auszuarbeiten und durchzuführen. Ziel des Vorhabens war und ist es, automatisierte Fahrzeuge für Reisende auf die Strasse zu bringen, um herauszufinden, wie selbstfahrende Fahrzeuge künftig den öffent­lichen Verkehr (ÖV) nutzbringend ­weiterentwickeln können.

Rund ein halbes Jahr später, Ende Juni, beschloss der Kanton Aargau, sich ebenfalls an dem Versuch zu beteiligen. Die Projektpartner hatten sich nämlich für das Furttal als Pilotregion entschieden. Dieses erstreckt sich im Westen über die Kantonsgrenze hinaus bis nach Würenlos. Der Aargauer Regierungsrat bewilligte deshalb einen Kredit in Höhe von 1,9 Millionen Franken, der dem Kanton den Einstieg ins Projekt ab 2026 ermöglicht. Die SBB ihrerseits finanzieren das Projekt über die maximale Projektdauer von fünf Jahren mit jeweils einer Million Franken jährlich.

Astra bewilligt Pilot
Das Furttal erschien den Beteiligten aufgrund seiner Siedlungsstruktur, seiner Grösse und wegen des bestehenden ÖV-Netzes mit einer zen­tralen S-Bahn-Linie ideal für das Vorhaben geeignet. Ziel des Projekts ist es, durch automatisierte Mobilitätsangebote den ÖV kostengünstiger und flexibler zu machen. Insbesondere in ländlichen Gebieten und Agglomerationen sehen die Beteiligten grosses Potenzial im automatisierten Fahren, bei dem die Technologie in den vergangenen Jahren entscheidende Fortschritte gemacht hat. Nach Abschluss der derzeit laufenden Testphase, bei der die Fahrzeuge noch ohne Fahrgäste unterwegs sind, sollen Einwohnerinnen und Einwohner der Furttaler Gemeinden dank autonomer Fahrzeuge beispielsweise leichter zur nächsten Bahnhaltestelle gelangen können.

Der Pilotbetrieb für Fahrgäste startet voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 in den zentral gelegenen Gemeinden des Furttals. Auf dem Weg dahin nahm das Projekt kürzlich eine entscheidende Hürde. Wie das Astra mitteilte, wurde einem entsprechenden Gesuch um Sonderbewilligung für autonomes Fahren stattgegeben. Hat man im Testbetrieb erste Erfahrungen gesammelt, soll das Testgebiet schrittweise auf die Zürcher Gemeinden Buchs, Dällikon, Regensdorf sowie die Aargauer Gemeinden Würenlos und Killwangen erweitert werden.

Selbstständig und elektrisch
Bei Betriebsbeginn sollen vorerst vier Personenwagen von Nissan (Ariya elektro), ausgestattet mit der Technologie zum automatisierten Fahren von We Ride, zur Verfügung stehen. Das Unternehmen mit Sitz in China und den USA gehört zu den weltweit führenden beim Einsatz automatisierter Fahrzeuge. Später soll die Versuchsflotte mit Kleinbussen ergänzt werden, die, genau wie ihre kleineren Pendants, über eine App bestellt werden können. Die Fahrzeuge sollen nach Stufe 4 fahren. Das ist ein autonomer Modus, bei dem die Führung des Fahrzeugs dauerhaft vom System übernommen wird. Lediglich wenn die Fahraufgaben vom System nicht mehr bewältigt werden können, kann der Fahrer aufgefordert werden, die Führung zu übernehmen. Die autonomen Autos werden die Fahrgäste an einem definierten Haltepunkt abholen und sie zu einem anderen Haltepunkt in der Testregion bringen. Das Angebot wird zu Beginn lediglich einige Stunden pro Tag verfügbar sein.

Damit sich die Fahrzeuge im Pilotgebiet zurechtfinden, wurden ausgewählte Strassen wiederholt manuell abgefahren. Dabei erfassen Fahrzeugsensoren die Umgebung und erstellen eine digitale Karte der Region. Neben Echtzeitaufnahmen soll diese künftig als Grundlage für die sichere Navigation im selbstfahrenden Modus dienen.