Baden – Internationaler Frauentag, Frauenkampftag oder Weltfrauentag: So unterschiedlich die Bezeichnungen sind, am 8. März wird jedes Jahr der Internationale Tag der Frau gefeiert. Dieser Tag erinnert an über 100 Jahre Kampf für Frauenrechte und Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung, für gleichen Lohn und Schutz vor Gewalt. Auch im Kanton Aargau wird der 8. März begangen. In diesem Jahr fällt er auf einen Sonntag.
Frauen gestalten Zukunft
Dass Frauen heute selbstverständlich Platz in der Gesellschaft haben, war nicht immer so. In den letzten Jahren haben sie enorm aufgeholt. In allen Lebensbereichen, mit Selbstbewusstsein, Kompetenz und Leidenschaft. Heute gestalten sie Zukunft, treffen Entscheidungen und prägen das Miteinander als Normalität. Frauen treffen sich in Verbänden, politischen Gruppen und sozialen Organisationen. Im Aargau gibt es viele Dachverbände, Netzwerke und Hilfsstellen: Frauenzentrale Aargau, Aargauischer Katholischer Frauenbund, Verein Frauen Aargau, Frauenbund Aargau oder Aargauischer Gemeinnütziger Frauenverein. Besonders hervorzuheben ist Femmes Sapiens aus Brugg/Windisch: Der 2022 gegründete Verein macht Frauengeschichten sichtbar – von Alltagsheldinnen bis zu Ikonen. Er bietet Kurse, Veranstaltungen und Workshops an und vernetzt Frauen durch Ausstellungen und Publikationen, um eine neue Erinnerungskultur zu schaffen.
Von Brot und Rosen
Ein Verein, der sich für die Gleichstellung aller Geschlechter einsetzt, ist das Feministische Streikkollektiv Aargau. Das am 13. November 2022 in Baden gegründete Kollektiv organisiert Streiks und Aktionen, formuliert Forderungen (zum Beispiel zu Löhnen, Care-Arbeit, Antidiskriminierung) und sensibilisiert für Lohngleichheit, sexuelle Belästigung und Kinderbetreuung. Das Kollektiv ist offen für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nonbinäre, trans und agender Personen.
Eine Aktivistin des Kollektivs ist Mia Jenni (31): Die Feministin und Antifaschistin ist auch SP-Grossrätin und SP-Einwohnerrätin und brachte unter anderem Interpellationen zur revidierten Sexualstrafrechtsreform und zur Umsetzung der Istanbul-Konvention ein. Der Tag der Frau bedeutet für Jenni: «Der 8. März, der Internationale Frauentag oder Feministische Kampftag, wird weltweit oft mit Blumen gefeiert. Ursprünglich ging es dabei aber nicht um Dankbarkeit, sondern um politische Forderungen wie das Frauenstimmrecht. Bis heute ist der 8. März ein Tag feministischer Anliegen – und es gibt Stimmen, die Rechte statt Blumen fordern. Ich finde, es braucht beides. Nicht zufällig lautet eine bekannte feministische Parole ‹Brot und Rosen›.»
Gleichstellung betreffe nicht nur Frauen, sondern ebenso LGBT-Menschen, Menschen mit Behinderungen und Personen mit Migrationsgeschichte. «In der Schweiz sind gleiche Rechte noch immer nicht überall Realität. Und Rechte allein genügen nicht – es braucht auch ‹Rosen›: die Anerkennung aller Lebensrealitäten. Das heisst, dass wenn am 8. März 2026 die Individualbesteuerung angenommen ist, die Gleichstellung nicht erreicht ist. Sie stärkt zwar verheiratete Frauen, löst aber Probleme wie Altersarmut oder die Krise in der Sorgearbeit nicht. Dafür benötigt es bezahlbare Kinderbetreuung, die zweite Etappe der Pflegeinitiative und die kantonale Fachstelle für Gleichstellung, die seit 2018 fehlt. Genau dafür setzen wir uns als Aargauer Feministinnen und Feministen ein und feiern am Samstag, 7. März, im ‹Royal Baden› mit einem feministischen Konzert und anschliessender Party. Denn Feminismus feiern ist ebenfalls Teil unseres Aktivismus», so Jenni.
«Das Ziel ist, solche Tage nicht mehr zu brauchen»
Am 8. März gibt es im Aargau zahlreiche Aktionen wie Vorträge, Diskussionen und Workshops, die Frauen stärken und auf ihre Rechte aufmerksam machen. Hinweise finden sich in der Tagespresse. Gleichzeitig wird auf Gewalt gegen Frauen hingewiesen, vor allem den Femizid: den Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Trotz diesen dunklen Seiten haben Frauen weltweit neue Räume erobert. Der Tag der Frau erinnert an diese Entwicklung und mahnt, Gleichberechtigung weiter zu fördern. Die luxemburgische ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding sagte treffend: «Solange wir einen Frauentag feiern müssen, haben wir keine Gleichberechtigung. Das Ziel ist, solche Tage nicht mehr zu brauchen.»