Fislisbach – Der Natur- und Vogelschutzverein Fislisbach lockert seine Generalversammlung stets mit einem fachlichen Input auf. Die diesjährige Versammlung von letzter Woche war keine Ausnahme. Der Hallwilersee-Ranger Peter Wyss war zu Gast und erzählte über eine Stunde lang aus seinem umfangreichen Berufsalltag.
Der Hallwilersee ist kantonales Schutzgebiet und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig ist er besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel für alle, die Abkühlung suchen. Wer dort unterwegs ist, begegnet vielleicht Peter Wyss: Mit grüner Jacke, einem Fernglas um den Hals und einem freundlichen Lächeln ist er unterwegs, um die Natur zu schützen und um den Menschen zu zeigen, wie wertvoll sie ist. Seine Arbeit ist leise, oft unsichtbar und doch zentral für das Gleichgewicht dieses empfindlichen Ökosystems. Kein Wunder, wird am 31. Juli der Welt-Ranger-Tag gefeiert. Allein im letzten Jahr beschäftigten Peter Wyss über 900 Verstösse, das bei etwa 66 000 Besuchenden pro Jahr, wie zum Beispiel das Nichteinhalten der Hundeleinenpflicht oder die Missachtung von Fahrverboten. Dabei führte er mehr als 1400 Gespräche und traf auf über 5000 Hunde.
Achtsam unterwegs
Der Tag des diplomierten Rangers beginnt frühmorgens in der Station bei Seengen. Sein Team umfasst sechs Mitarbeitende, darunter drei Rangerinnen. Der Arbeitsplatz ist schlicht, die Aufgaben sind vielfältig. Mit Fernglas, Notizbuch und Müllsack macht sich Peter Wyss auf den Weg ans südliche Seeufer. Zwischen Schilfgürteln und Holzstegen zeigt sich die Natur von ihrer stillen, aber lebendigen Seite. «Gerade im Frühling und Sommer ist Brutzeit. Viele wissen nicht, wie empfindlich dieses Ökosystem ist», erklärt Peter Wyss. Unterwegs spricht er eine Familie mit frei laufendem Hund an, erklärt und versucht zu sensibilisieren. «Wir wollen nicht verbieten, sondern Verständnis schaffen. Wir sind keine Polizisten.» Oft würden die Menschen dankbar reagieren.
Neben Aufklärung bedeutet Rangerarbeit aber auch Beobachten: Reiherenten zählen, Nester kontrollieren, Daten erfassen. Und Aufräumen. Illegale Feuerstellen, leere Flaschen und sonstige Spuren menschlicher Unachtsamkeit wollen beseitigt werden. «Manchmal frustriert es mich», gesteht Peter Wyss. «Aber dann sehe ich einen Eisvogel oder ein Kind, das sich über eine Libelle freut. Das gibt mir Kraft.»
Prävention durch Aufklärung
Gegen 40 Veranstaltungen wie Führungen und Exkursionen organisiert Peter Wyss jährlich. Zudem übernimmt er Monitoringaufgaben wie Vogelzählungen und Bestandsaufnahmen. Häufig gibt er seinen Erfahrungsschatz an Schulklassen weiter. Bei diesen Gelegenheiten erzählt der 61-Jährige vom Leben der Wasservögel, von der Bedeutung des Schilfgürtels, von der Funktion des Sees als Lebensraum für Fische, Insekten und Amphibien. Daneben berichtet er über die einheimische Wasserschildkröte, zeigt eine Feder und erzählt von bis zu 600 Kormoranen, die hier im Winter eine kurze Rast einlegen.
Die Kinder hören aufmerksam zu. Für viele ist es das erste Mal, dass sie einen Ranger sehen. «Ich hoffe, sie nehmen etwas mit. Vielleicht sogar ein neues Bewusstsein für die Natur.» Es geht Peter Wyss darum, Begeisterung zu wecken, Menschen in ihrer Wahrnehmung zu unterstützen, sie bei ihrer Naturerfahrung zu begleiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, andere an ihrem Erleben teilhaben zu lassen. Seit März 2021 realisiert Peter Wyss das Junior + Young-Ranger-Programm am Hallwilersee, um den Nachwuchs zu fördern.
Weiter ist Peter Wyss Ansprechperson für Besuchende am Hallwilersee, informiert über die geltenden Regeln, erledigt Unterhaltsarbeiten und führt Rundgänge mit der Polizei durch. Auch ist er bestens informiert über die Landschaft sowie die Tier- und Pflanzenvielfalt.
Gegen Abend kehrt er zur Station zurück, dokumentiert seine Beobachtungen und trägt Zahlen in Datenbanken ein. Dann hängt er seine Jacke auf und blickt noch einmal auf den See
hinaus, für dessen Schutz er unermüdlich unterwegs ist.