Spreitenbach – Vor rund zwei Jahrhunderten ereignete sich eine Revolution, die leiser war als jedes Kanonendonnern und doch tiefgreifender als viele politische Umwälzungen: die Geburt der Fotografie. Anlässlich der Vernissage in der Gemeindegalerie Spreitenbach im Gemeindehaus standen für einmal nicht die Kunstschaffenden, sondern die Arbeitsgruppe Ortsmuseum im Scheinwerferlicht. So war es nicht erstaunlich, dass sich letzten Freitagabend viele Spreitenbacherinnen und Spreitenbacher aus dem Haus wagten, um sich selbst vom Ergebnis dieser Bemühungen zu überzeugen. «Im Mai 2025 erhielten Silvia Mötteli, Rolf Härdi und Werner Hauenstein den Auftrag, die etwa 2000 Objekte und ebenso viele Fotos zu sichten, zu inventarisieren und zu digitalisieren», so Gemeinderat und Ressortvorsteher Gesellschaft, Adrian Mayr. Er bedankte sich beim engagierten Trio für die immense Arbeit, galt es doch, neben der Beschriftung der Fotos deren Urheberrechte zu klären. Möglich wurde die Realisierung durch einen Unterstützungsbeitrag in Höhe von 80 000 Franken von der Ortsbürgergemeinde Spreitenbach.
Ist Fotografie Kunst?
Lang galt Louis Daguerre als Erfinder der Fotografie. Doch eigentlich schuf Joseph Nicéphore Niépce 1826 das erste Lichtbild der Welt. Rolf Härdi von der Arbeitsgruppe Ortsmuseum stellte in seinen Ausführungen die Frage, ob Fotografie Kunst sei. Vor 150 Jahren galt die Fotografie als Gotteslästerung, und die Maler der Zeit hielten damals daran fest, dass Kunst nur von göttlich inspirierten Menschen und nicht von Apparaten geschaffen werden könne, die an Nistkästen erinnerten. «Der Grund, warum Menschen auf alten Fotos nicht lächeln, ist, weil sie oft minutenlang stillhalten mussten», so Rolf Härdi.
Er hielt in seinen Ausführungen fest, dass im Zuge der Wiederaufnahme der Aktivitäten des Ortsmuseums ein Rahmenkonzept mit der Vision entwickelt worden sei, ein virtuelles Museum zu realisieren. Dadurch, und das wird beim Gang durch die Ausstellung klar, soll erneut die lokale Geschichte allen Generationen zugänglich gemacht werden. Klar wird dabei aber auch, dass beim Entstauben der Objekte und beim Reinigen, Retuschieren und Rahmen der Fotos immense Arbeit geleistet wurde. Erfreut waren die Gäste zudem über die Ausführungen von Werner Hauenstein, der in einem Outfit aus längst vergangenen Zeiten erschienen war und bereitwillig Erklärungen zu den Objekten gab.
Augenblicke hinter Glas
Rolf Härdi rief dazu auf, die Ausstellung in aller Ruhe zu geniessen und die Bilder, die einst mit Leidenschaft und Geduld auf Glas gebrannt worden seien, zu erleben und auf sich wirken zu lassen. Zu bestaunen gibt es in der Ausstellung zahlreiche Objekte zum Thema Fotografie, von der Reisekamera aus Holz und Leder bis zu den technischen Wunderwerken der 1950er-Jahre.
Die Ausstellung beleuchtet das Festhalten des Augenblicks und die technische Evolution des Sehens. Wer Smartphone und Kopfhörer bei sich trägt, kann beim Besuch der Ausstellung auf den Audioguide zugreifen. Die Exponate können während der regulären Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung frei besichtigt werden.