Heilung durch Berührung

Mit sanften Händen und viel Aufmerksamkeit unterstützt Hansruedi Rohner Menschen auf dem Weg zu mehr innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.
Hansruedi Rohner vor einem Patientengeschenk – einem selbst gemalten Bild. (Bild: isp)

Hansruedi Rohner hätte früher nie gedacht, dass er einmal besondere Fähigkeiten besitzen würde. Als Kind war er still, neugierig und hilfsbereit. Er wuchs auf einem Bauernhof in Bad Zurzach auf, bewegte sich viel an der frischen Luft und interessierte sich von Anfang an sehr für Menschen. ­Bereits als Junge half er älteren Dorfbewohnenden, erledigte Einkäufe und hatte ein offenes Ohr. Ängste und ­Unsicherheiten begleiteten ihn zwar, doch darüber sprach er kaum. Ruhe und Ausgleich fand er schon früh in der Meditation, die ihm half, innere Spannungen zu lösen und sich selbst zu stabilisieren.
Nach der Schulzeit begann Rohner eine Lehre als Maschinenschlosser bei der damaligen BBC. Gleichzeitig spielte Sport eine zentrale Rolle in seinem Leben. Handball war seine Leidenschaft, und trotz einer angeborenen Überbeweglichkeit schaffte er den Sprung in die erste Liga. Doch sein Körper meldete sich immer wieder: Rückenschmerzen und ständige Kopfschmerzen begleiteten ihn seit seiner Kindheit. Erst viele Jahre später fanden Ärztinnen und Ärzte heraus, dass Rohner wahrscheinlich im Alter von etwa elf Jahren vom Heu­boden gestürzt war – ein Unfall, an den er sich selbst nicht mehr erinnern konnte.

Krise und Glaube
Die ärztlichen Empfehlungen waren einschneidend: kein Sport mehr, Abbruch der Lehre. Für den jungen Mann brach eine Welt zusammen. Rückblickend erkennt Rohner, dass er in dieser Phase in eine Depression rutschte. Träume von einem Leben als Seemann oder als Schlagersänger ­lösten sich auf. Um dennoch einen Halt zu finden, begann er, täglich im Schwimmbad seine Bahnen zu ziehen. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit Psychologie, meditierte regelmässig, besuchte theologische Kurse und absolvierte Fernstudien. Der Glaube wurde zu einer tragenden Kraft. ­Rohner betete viel und schloss sich dem Institut der Schönstätter Marienschwestern an. Bis heute ist das für ihn ein Rückzugsort, an dem er Ruhe, Orientierung und neue Energie schöpft.
Ein entscheidender Wendepunkt kam im Alter von 40 Jahren. Auf einer Reise zu einem Naturheiler machte Rohner halt in einer kleinen Kapelle: Er versank tief im Gebet und übergab sich innerlich ganz. In derselben Nacht erlebte er einen starken inneren Wandel. Er fühlte sich befreit, ruhig und voller Kraft, ein innerer Druck fiel von ihm ab. Dieses Erlebnis veränderte sein Leben nachhaltig: Es schenkte ihm neues Vertrauen in sich selbst und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Körperlich blieb er ­weiterhin eingeschränkt, doch innerlich fühlte er sich gefestigt und bereit, anderen Menschen zu helfen.

Geistiges Heilen
Heute widmet sich der 79-Jährige dem geistigen Heilen. Seine Arbeit ist still, achtsam und von grossem Respekt geprägt. Im Mittelpunkt stehen seine Hände. Ohne den Körper zu berühren, arbeitet er mit einer Form von Energie, die Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Er sieht körperliche Beschwerden fast immer in Verbindung mit seelischen Belastungen und glaubt daran, dass Heilung auf mehreren Ebenen stattfinden muss. Für ihn ist diese Arbeit keine Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern eine ergänzende Unterstützung.
Viele Menschen kommen zu ihm mit innerer Unruhe, Ängsten, Erschöpfung oder nach schwierigen Lebenssituationen. Andere suchen einfach einen Moment der Ruhe. Vor und nach jeder Behandlung in Fislisbach betet Rohner. Er untersteht der Schweigepflicht und ist Mitglied der Rosenkranzgruppe Fislisbach. Während der Sitzungen herrscht Stille. Rohner arbeitet konzentriert, aufmerksam und feinfühlig. Er spürt, wo Energie blockiert ist und wo der Körper Unterstützung benötigt. Gespräche vor und nach der Behandlung sind ihm wichtig.
Er hört zu, stellt einfache Fragen und begegnet den Menschen respektvoll und auf Augenhöhe. Gelegentlich unternimmt er mit Klienten Spaziergänge, vor allem im Wald. Dort, in der Natur, lassen sich Körper, Geist und Seele am besten wieder in Einklang bringen. Auch Anfragen aus dem Ausland erreichen ihn. Rohner bietet zudem Fernbehandlungen an, telefonisch. Die Klienten werden gebeten, einen handschriftlichen Brief an ihn zu senden, die Beschwerden zu notieren und ein Foto beizulegen.
Rohner versteht sich nicht als klassischer Heiler, sondern als Begleiter, der Menschen einen Raum schafft, in dem sie sich sammeln, loslassen und neue Kraft schöpfen können. Ein ruhiger, bodenständiger Mensch, der die Kraft der Stille kennt und diese Weisheit in seine Arbeit einbringt. Wer ihm begegnet, spürt die Ruhe und die sanfte Stärke, die er ausstrahlt, und verlässt seine Sitzungen oft mit einem neuen inneren Gleichgewicht.