Brugg – Nach eindrücklichen 26 Jahren an der Spitze des Stadtturnvereins (STV) Brugg hat Präsident Christoph Tschupp sein Amt abgegeben. «Ich bin noch ganz ergriffen», sagt er sichtlich gerührt. Der Verein hat ihm vor wenigen Wochen einen würdevollen Abschied bereitet und ihm als Dank für sein langjähriges Engagement ein liebevoll gestaltetes Fotoalbum mit Erinnerungen aus seiner Amtszeit überreicht. In einer feierlichen Laudatio wurden seine zahlreichen Verdienste gewürdigt, bevor er sich, mit dem ihm eigenen Sinn für Humor und einem kleinen Augenzwinkern, der kurzen Befragung stellte. Ein besonders emotionaler Moment war der musikalische Abschluss: Die Turnerinnen und Turner sangen das traditionelle Turnerlied mit einem eigens umgeschriebenen Text als Ehrenlied für den scheidenden Präsidenten. Damit setzte der Verein ein Zeichen der Wertschätzung. Wenige Tage später wurde Christoph Tschupp von der Stadt Brugg im Rahmen der jährlichen Sportehrung als «stiller Champion der Stadt Brugg» ausgezeichnet.
So richtig scheint sich der 59-Jährige mit all dem Lob nicht wohlzufühlen. Beim Interview wirkt der Apotheker bescheiden und zurückhaltend. Das Rampenlicht liegt ihm nicht. «Natürlich war ich lang Präsident», sagt Christoph Tschupp, «aber ein solches Amt gelingt nur, wenn das Team stimmt.» Der sportlich engagierte «Macher» betont, dass respektvolle Zusammenarbeit und ein freundschaftliches Miteinander entscheidende Grundlagen seien, um über so viele Jahre erfolgreich führen zu können.
Beim Muki-Turnen begonnen
Den ersten Kontakt mit dem STV Brugg hatte Christoph Tschupp beim Muki-Turnen, das er als kleiner Knirps mit seiner Mutter besuchte. Ihm habe das Gemeinschaftliche sofort sehr zugesagt, und obwohl er aus keiner sportlich überaus ambitionierten Familie stamme, habe ab diesem Moment die sportliche Aktivität einen wichtigen Stellenwert in seinem Lebenslauf gehabt. Er besucht das Chinderturnen, später die Jugi und turnt sich so ziemlich durch die ganze Angebotspalette des Vereins. Auch während seines Studiums, das ihn für mehrere Jahre beruflich nach Bern führt, bleibt Christoph Tschupp dem STV Brugg treu und pendelt regelmässig zwischen den beiden Orten.
Grössere Verletzungen seien ihm in all den Jahren glücklicherweise erspart geblieben, erzählt Christoph Tschupp. Spannend findet er rückblickend, wie sich das Turn- und Sportverhalten im Laufe der Zeit verändert habe. Früher, so erinnert er sich, habe ein Vorturner vor der gesamten Riege die Übungen geturnt, und alle hätten im gleichen Takt mitgeturnt. Heute laufe vieles lockerer und häufig in Begleitung von Musik. Die Sportkleidung habe sich ebenfalls deutlich gewandelt. Zum Glück seien die violett-mintgrünen Trainingsanzüge von damals durch atmungsaktive und stylishere Modelle abgelöst worden.
Soziale Beziehungen
Für Christoph Tschupp ist Sport weit mehr als Freizeitgestaltung. Er betrachtet ihn als Lebensschule. «Manchmal braucht es etwas Überwindung, um den inneren Schweinehund zu bezwingen und sich zur Turnstunde aufzuraffen. Hinterher ist man aber immer froh, dabei gewesen zu sein», meint der Brugger schmunzelnd.
Ein Meilenstein in seiner Turnerkarriere war 1994 die Einführung der Sportart Unihockey, an der er massgeblich mitwirkte. Seither nahm der STV Brugg regelmässig an regionalen Meisterschaften teil, und Christoph Tschupp selbst bestritt etwa 200 Spiele. Noch heute steht er auf dem Feld, «einfach im etwas altersgerechteren Tempo». Zu seinen weiteren Höhepunkten zählen zahlreiche Turnfestteilnahmen sowie die Organisation grosser Anlässe wie des Kreisturnfests 2006, des Kantonalturnfests 2011, der eidgenössischen Turnveteranentagung 2016 oder der Schweizer Meisterschaft Vereinsturnen Jugend 2023 in Brugg.
Auch bei Stadtfesten ist der STV Brugg stets aktiv – zum Beispiel mit einer eigenen Festbeiz. Von seinen Vereinskolleginnen und -kollegen wird Christoph Tschupp als stiller Motor des Vereinslebens geschätzt. Ganz im Sinne seines Lebensmottos: «Ich setze mich gern für die Gesellschaft ein und kann so etwas zurückgeben.»