Wortakrobat zwischen Bibel und Bühne

Stefan «Sent» Fischer berichtet über den Glauben in einer Sprache, die sogar jenseits von Kirchenbank und Psalmen verstanden wird.
Wortakrobat Stefan Fischer aus Ehrendingen erzählt den Glauben auf neue Weise. Bild: Pierre Lippuner

Ehrendingen – Die Badener Disputation war ein Meilenstein für den Dialog zwischen den Konfessionen. 500 Jahre später wird sie deshalb mit der derzeit laufenden Veranstaltungsreihe «Disput(N)ation 2026» gross gefeiert. Auch Stefan ­Fischer ist Teil dieses Events. Auf der Bühne nennt er sich «Sent», tritt als Spoken-Word-Künstler, Theologe und Wortakrobat auf und erzählt biblische Geschichten auf poetische, bildstarke Weise neu. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor, Selbstironie und klaren Bildern.
Seit Wochen bereitet sich der Kunstschaffende intensiv auf seinen 40-minütigen Auftritt am 30. Mai im reformierten Kirchgemeindehaus ­Baden vor. Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen sich auf eine poetische Mischung aus alten und neuen Anekdoten freuen, verknüpft mit Begriffen wie Friede, Versöhnung und Hoffnung. «Was gibt uns in der heutigen Zeit überhaupt noch Hoffnung, und woran orientiert man sich im ­Leben?», fragt der 40-Jährige nachdenklich. Mit solchen Fragen setzt sich Stefan Fischer auf der Bühne auseinander. Humorvoll, selbstironisch und zugleich tiefgründig. Mit Programmen wie «Wer’s glaubt, wird selig. Die Jesus-Story auf Poetisch» und «Apostelgedichte. Die Petrus-und-Paulus-Story auf Poetisch» hat er sich schweizweit einen Namen gemacht. Oft steht er allein auf der Bühne und nimmt das Publikum mit auf eine ­gedankliche Reise durch die Welt der Bibel. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit Bildern, die nachklingen.

Latein, Griechisch und ­Hebräisch
Stefan Fischer wurde in Aarau geboren und wuchs in einer freikirchlich geprägten Familie auf. Schon als Jugendlicher entwickelt er ein ausser­gewöhnliches Interesse an alten Sprachen und Kulturen. So widmet er sich mit grossem Eifer dem anspruchs­vollen Erlernen von Latein, Griechisch und Hebräisch.
Nach der Kantonsschule verbringt Stefan Fischer ein halbes Jahr in Brasilien, wo eine Schweizer Familie die Bibel in eine indigene Stammessprache übersetzt. «Ihre Motivation und der enorme Durchhaltewille haben mich tief beeindruckt», erinnert sich der dreifache Familienvater heute. Diese Erfahrung prägt ihn nachhaltig. Als er wieder in der Schweiz ist, entscheidet er sich für ein Theologie­studium an der Staatsunabhängigen Theo­logischen Hochschule Basel.

Eine wilde Zeit
Während seines Studiums lernt Stefan Fischer den kenianischen Rapper, Hip-Hopper und Gemeindegründer Gleam Joel (bürgerlich Joel Ogolla) kennen. Dieser wirkt in der Region Baden und gründete 2004 das Gleam-Center, das durch das Musical «Underground» schweizweit bekannt wurde.
«Mit Gleam Joel und seiner Crew während mehr als dreier Jahre unterwegs zu sein, war bahnbrechend für mich», sagt Stefan Fischer. Gleam Joel habe ihn bei seinen eigenen Rap­anfängen enorm unterstützt. «Mit ihm Kirche zu leben, war immer ein Abenteuer. Seine bedingungslose Liebe zu Menschen in schwierigen ­Lebenslagen hat mich tief geprägt.»
Als das Projekt 2009 auf unschöne Weise endet, bricht für Stefan Fischer eine Welt zusammen. «Ich sah mich verantwortlich, die Scherben unseres zerbrochenen Werks wieder zusammenzufügen», sagt er rückblickend. Diese Zeit markiert einen Wendepunkt in seiner Biografie. In den darauffolgenden zwölf Jahren wirkt er als Pastor der neu entstandenen Living-Church und arbeitet ab 2016 bei den beliebten Praise-Camps mit, die alle zwei Jahre Tausende von jungen Menschen in der Messe Basel versammeln.

Mit Poetry-Slam Glauben ­erlebbar machen
Heute arbeitet Stefan Fischer in einem Vollpensum beim Bibellesebund Schweiz und ist als Spoken-Word-Künstler mit verschiedenen Projekten unterwegs. «Ich liebe es, meinen Glauben in Poesie zu verpacken und ihn mit Wortakrobatik weiterzugeben», sagt er. Seine Familie, der ­Alltag und die Fragen seiner Kinder sind dabei stille Inspirationsquellen für viele seiner Texte. Von Ehrendingen aus reist Stefan Fischer mit seinen Bühnenprogrammen quer durch die Schweiz, um auf unkonventionelle Art Menschen zu erreichen.
Neben seinen Auftritten leitet er biblische Reisen, die für ihn ein zusammenhängendes Ganzes bilden, in dem Bedeutung und Erfahrung in­einandergreifen. Dass der vielseitige Künstler seit einiger Zeit Persisch lernt und an einem neuen Bühnenprogramm für das Frühjahr 2027 arbeitet, passt zu seinem Motto, das ihn durch sein Schaffen trägt: «Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.»

Samstag, 30. Mai, 15 Uhr
Reformiertes Kirchgemeindehaus, Baden