«Jedes Gegenüber ist anders»

Die Rinikerin Malu Strauss hat eine philosophische Gesprächsreihe ins Leben gerufen. Sie heisst Philo-Tango und hat im Odeon Premiere.
Malu Strauss lanciert philosophische Projekte. (Bbild: zVg)

Brugg – Im Odeon steht der erste Philo-Tango an. In ihrem neuen Gesprächsformat setzt die Initiantin auf Gespräche zu zweit.

Malu Strauss, bald geht in Brugg der erste Philo-Tango über die Bühne. Welcher Grundgedanke steckt hinter dem Format?
Bei all meinen philosophischen Projekten möchte ich Menschen miteinander ins Gespräch bringen und Lust wecken, vertieft über Alltägliches nachzudenken. Ich habe den Eindruck, dass wegen der globalen Krisen das Bedürfnis nach Austausch über Lebensfragen gewachsen ist. Aber in der öffentlichen Auseinandersetzung und in den sozialen Medien vertiefen sich die Gräben, und der Dialog wird respektloser. Mich beschäftigt und besorgt diese Tendenz zur Radikalisierung. Wir können das mitmachen, verstummen oder dem etwas entgegenhalten. Der Philo-Tango ist ein solcher Versuch: eine Einladung zum respektvollen Dialog. Sie richtet sich an alle Menschen, Vorwissen ist keines nötig.

Sie haben bereits das Café Philo moderiert, bei dem in einer grossen Runde diskutiert wurde. Wieso ­setzen Sie nun auf Gespräche zu zweit?
Ein Gespräch zu zweit ist intimer, freier und kann tiefer gehen. Es holt jene Menschen ab, die ungern in einem Plenum diskutieren oder dort in der Regel nicht zu Wort kommen. Und mir gefällt die Idee, dass wir uns für ein paar Minuten auf ein Gegenüber einlassen, das wir nicht kennen und das noch kein Bild von uns hat: Man lernt die eigenen Haltungen und Werte kennen, ohne einer Rolle gerecht werden zu müssen, die man im Alltag hat. Wir versuchen zu verstehen und werden im besten Fall dadurch inspiriert. Es ist für mich wie beim Tanzen – jedes Gegenüber ist anders, so auch jeder Tanz. Es wird sechs Mal gewechselt, wobei die Philo-Tango-Gespräche jeweils acht Minuten dauern.

Malu Strauss regt mit ihren philosophischen Projekten zum Denken an. (Bild: zVg)

Was tun Sie, damit die Zweier­gespräche nicht einschlafen?
Grundsätzlich möchte ich gar nichts tun. Manchmal ist es sogar gut, etwas Leere auszuhalten. Ich mische mich nicht ein in die Gespräche, aber sorge für reichlich Gesprächsstoff: Es gibt ein spannendes Oberthema, und alle bekommen eine eigene Vertiefungsfrage. Die gemeinsame Schlussrunde zeigt, ob es funktioniert hat und ­wohin die Gedankentänze geführt ­haben.

Die erste Veranstaltung ist dem Thema «Zeit – effiziente Zeitverschwendung» gewidmet. Warum gerade dieses Thema zur Premiere?
Viele Menschen fühlen sich gestresst. Zeit ist etwas, wovon wir immer zu wenig haben – und das, obwohl wir uns konstant beeilen. Tempo, Effizienz und Beschleunigung scheinen die Merkmale unserer Gegenwart zu sein. Wir brauchen Wege, damit umzugehen. Gleichzeitig geht es bei der Zeitfrage um Lebenssinn: Darum, was sinnvoll genutzte Lebenszeit überhaupt ist und was uns daran hindert, Zeit in unserem Sinn zu gestalten. Ich finde, das Thema ist für Menschen ­zugänglich, die sich sehr selten philosophische Gedanken machen, und es hat genug Tiefe für jene, die das oft tun.

Zwei Philo-Tangos sind bereits ­geplant. Und danach?
Zusammen mit dem Odeon-Team werde ich ein Fazit ziehen und dann schauen, ob und wie es weitergeht.

Dienstag, 5. Mai, 19 Uhr, Odeon, Brugg
odeon-brugg.ch