Brugg-Windisch – Arbeitsplätze sind wichtig. Sie fördern Wohlstand, persönliche Lebensqualität und gesellschaftliche Stabilität. Deshalb tun die Behörden von Brugg und Windisch das Richtige: Sie laden Geschäftsleute, Unternehmerinnen und Unternehmer der beiden Zentrumsgemeinden regelmässig zum gegenseitigen Kennenlernen und Meinungsaustausch ein. Am jüngsten Netzwerkanlass im Campussaal konnten Stadtpräsidentin Barbara Horlacher und Gemeindepräsidentin Luzia Capanni rund 170 Gäste begrüssen.
Im Mittelpunkt stand ein Referat über die Wirtschaftsräume Aargau und Brugg-Windisch von Verena Rohrer, frühere Geschäftsführerin von Brugg Regio und seit drei Jahren Leiterin der Standortförderung des Kantons Aargau. Als direkt dem Regierungsrat unterstellte Instanz unterstützt sie Unternehmen bei Gründungs- und Ansiedlungsprozessen, verschafft ihnen Zugang zu Förderungsmöglichkeiten und vernetzt sie mit Behörden und Institutionen. Als aktuelles Beispiel nannte die Wirtschaftsförderin den geplanten, allerdings umstrittenen Schweizer Hauptsitz des Technologiekonzerns Hitachi Energie mit 3300 Arbeitsplätzen auf dem Wettinger Feld.
Aargauer Standortqualitäten
Verena Rohrer verglich den Aargau zwischen Zürich, Basel und Bern mit einem Burger: «Das Beste steckt in der Mitte.» Doch das werde oft übersehen. Der Aargau biete Unternehmen ausgezeichnete Rahmenbedingungen: zentrale Lage mit hervorragender Verkehrsanbindung, innovatives Umfeld mit renommierten Forschungs- und Bildungsinstitutionen, liberale Wirtschaftspolitik, solide Finanzen, hohe Verfügbarkeit von Fachkräften, preiswerte Betriebsareale.
Mit einer Wertschöpfung von 47,5 Milliarden Franken rangiert der Aargau schweizweit auf dem fünften Platz. Trotzdem ist die aargauische Wirtschaftskraft mässig. Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner wächst stark, dagegen ist das Jobwachstum mit 0,2 neuen Stellen pro Neubewohner vergleichsweise niedrig (im Kanton Zug sind es 1,9 neue Stellen pro neuem Einwohner). Im Aargau stieg das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Person in den letzten zehn Jahren nur um 3,5 Prozent, in der Schweiz um 10 Prozent.
Das will der Regierungsrat korrigieren. Die kantonale Wirtschaftspolitik verfolgt laut Verena Rohrer qualitative Wachstumsziele. Eine ganzheitliche Wirtschaftsförderung soll die Unternehmensdichte mit wertschöpfungsstarken neuen Arbeitsplätzen verstärken. Um auch an ausländische Zielmärkte zu gelangen – was er allein nicht schaffen würde –, trat der Aargau im Januar der internationalen Standortmarketing-Organisation des Wirtschaftsraums Zürich, Greater Zurich Area, nach einem abgebrochenen früheren Versuch zum zweiten Mal bei.
Kapazitäten im Raum Brugg
Der Wirtschaftsraum Region Brugg befindet sich in einer ähnlichen Situation wie der Kanton. Er liegt an bester Verkehrslage zwischen den Poolen Aarau und Baden. Mit dem Paul-Scherer-Institut, der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Hightech-Zentrum verfügt er über renommierte Forschungs- und Bildungsinstitutionen und über erhebliche Flächen für weitere Arbeitsplätze. Zum Beispiel besitze das Birrfeld mehr Arbeitszonenreserven als das Sisslerfeld, der häufig genannte dominante aargauische Entwicklungsstandort, berichtete Verena Rohrer.
Aber wie der Kanton ist der Bezirk Brugg bezüglich der Wirtschaftskraft Mittelmass. Er gilt eher als strukturschwach, 13 von 20 Gemeinden beziehen Finanzausgleich. Gemessen am nominalen BIP (dem Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres produziert werden), liegt der Bezirk Brugg auf Platz 6 unter den 11 Bezirken. Etwa 3300 Betriebe bieten 29 000 Arbeitsplätze an. In den vergangenen Jahren war der Trend mehrmals rückläufig. Ins Gewicht fiel vor allem der Abbau im ehemaligen ABB- und heutigen GE-Fabrikkomplex Birrfeld: Dort sollen von den einst 2500 Arbeitsplätzen ungefähr 500 übrig geblieben sein.
Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab. Auf dem ehemaligen Reichhold-Areal in Hausen-Lupfig entsteht ein neues Industriezentrum mit 1400 Arbeitsplätzen. Zudem beschäftigen sich die beiden Zentrumsgemeinden im Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch und im Gebiet Chessler-Rütenen-Hunzikerareal mit der Aufwertung von Arbeitsplatzzonen.
Ein Angebot
Für die neuen lokalen Arbeitszonenpläne hatte die Leiterin der kantonalen Standortförderung, die von früher her mit den Brugger Verhältnissen noch gut vertraut ist, ein offenes Ohr. Deswegen machte sie ausdrücklich darauf aufmerksam, dass der Kanton Gemeindegruppen mit bedeutendem wirtschaftlichem Entwicklungspotenzial bei der Standortförderung unterstützt. Dafür stellt er im Zeitraum 2028 bis 2032 jährlich 500 000 Franken zur Verfügung. Verena Rohrer liess aber ebenfalls durchblicken, dass man das Angebot nicht nur in den beiden Zentrumsgemeinden, sondern koordiniert im ganzen Wirtschaftsraum Region Brugg angehen sollte. Dem Vernehmen nach will sich die Regionalplanungsgruppe Brugg des Themas annehmen.
So werden hoffentlich eines Tages neben den Geschäftsleuten von Brugg und Windisch die Unternehmerinnen und Unternehmer aus den Gebieten Hausen-Birrfeld, Villigen-Riniken-Bözberg und Schinznach-Schenkenbergertal zu regelmässigen Treffen eingeladen.