Spitzensport auf engstem Raum

Am Campus Brugg-Windisch zeigten kommende Teilnehmer der Berufsweltmeisterschaft, wie sie sich auf das Event im September vorbereiten.
Das Trainingsgelände im Lichthof. (Bild: sma)

Brugg-Windisch – Ende April fand auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch ein Vorbereitungstraining für die Berufsweltmeisterschaft World Skills statt. Zwei Tage lang präsentierte sich der Schweizer Nachwuchs aus den Disziplinen Elektroniker, Automatiker und Industrie 4.0 – gut sichtbar für alle im Lichthof in der Klosterzelgstrasse.

Zur Präsentation von Wettbewerb, Strukturen und Erfahrungen waren Olivier Habegger, Leiter Berufsmeisterschaft Swissmem, sowie ehemalige Teilnehmende vor Ort und standen nicht nur der interessierten Lehrlingsgruppe vom Paul-Scherrer-Institut (PSI) Rede und Antwort.

«Das ist Spitzensport»
Besonders präsent war der Vergleich zum Sport. Mit den Bildern der Winterspiele in Milano Cortina im Kopf wurde in einem Video die Eröffnungsfeier der letzten World Skills gezeigt, die 2024 in Lyon stattfanden. Die Schweizer Delegation umfasste hier 70 Personen. Unterwegs als Botschafter für die Schweiz, aber natürlich vor allem für die heimische Industrie.

In diesem Jahr findet der Wettbewerb in Schanghai, China, statt. Auf dem Weg dorthin müssen Lernende der jeweiligen Handwerke einen mehrstufigen Prozess durchlaufen. Die erste Selektion wird schweizweit in fünf Regionen durchgeführt. Die besten Teilnehmenden qualifizieren sich dann für die nationalen Swiss Skills in Bern (nächste Ausgabe im September 2027). Auf einer Fläche von 15 Fussballfeldern wetteifern dort über 1100 Jungtalente in mehr als 90 verschiedenen Berufen um den Titel Schweizer Meisterin beziehungsweise Schweizer Meister.

Einer der amtierenden Titelträger vor Ort, der sich zurzeit auf die World Skills vorbereitet, ist der Elektroniker Andrin Kästli aus Schneisingen. Eindrücke und Auskünfte gaben im Lichthof des Campus Melvin Deubelbeiss aus Würenlingen, der 2024 Silber an den World Skills gewann, und Mario Liechti aus Windisch – ebenfalls ein Silbergewinner aus dem Jahr 2022. Pro Disziplin darf nur ein Landesvertreter teilnehmen – ein Unterschied zu Olympia, wo sogar ein Franjo von Allmen einspringen kann, wenn es beim Favoriten nicht klappt.

Umso entscheidender ist deshalb die richtige Vorbereitung auf die prestigeträchtige Weltmeisterschaft. Die Nachwuchstalente in der Ausbildung werden quasi Berufsathleten und trainieren wöchentlich. Dabei werden sie von den Experten und einer Sport­psychologin unterstützt, wie Olivier Habegger vor Ort erzählt. Dazu zählen auch die öffentlichen Vorbereitungstests wie am Campus der FHNW in Brugg-Windisch, damit man vom 22. bis zum 27. September in China vorn dabei ist. «In unseren vier Disziplinen wollen wir zwei Medaillen und zwei Diplome holen», erklärt Olivier Habegger als Ziele.

Um den vollen Fokus auf die Herausforderungen zu legen, setzen einige Teilnehmende auf Kopfhörer, andere lassen sich trotz mehreren Zwischenrufen des Verantwortlichen nicht von ihrer Tätigkeit ablenken. Die Trainings sollen die Nachwuchstalente zudem auf mögliche Probleme und Missgeschicke vorbereiten – frei nach dem Motto: Irgendetwas passiert immer.

Europameister
Die grosse Konkurrenz für die Schweiz liegt bei den technischen ­Kategorien in Asien. China, Südkorea und vor allem Japan gilt es zu schlagen, wenn man eine Goldmedaille mit nach Hause bringen möchte. Im europäischen Vergleich würde man dank dem Schweizer Berufsbildungssystem einen Vorteil gegenüber den Nachbarländern haben. Bei den Elektronikern überschneiden sich der Bildungsplan in der Lehre und die Herausforderungen der World Skills sogar.

«Was wir in der Schweiz vor allem versuchen, ist, die Kopfarbeit und die Entwicklungsarbeit bei den Herausforderungen zu berücksichtigen», erklärt Olivier Habegger. Wenn es nur um Drill und Fertigung gehen würde, wäre die Herausforderung gegenüber den asiatischen Ländern noch grösser.

Im Juni steht zusätzlich eine Chinareise für das Schweizer Team bevor. Mit einem dreitägigen Kulturprogramm möchte man das Land besser kennenlernen und sich an Klima, Essen und Umgang gewöhnen. Beim Training möchte man sich ausserdem den Werkzeugen anpassen, die China als Gastgeber zur Verfügung stellt – darunter die chinesische Tastatur.

Dass die Schweiz demnächst selbst einmal die World Skills ausrichtet, wäre aus Platzgründen bei insgesamt 1000 Teilnehmenden eine Herausforderung. So benötige allein der Automatiker eine Fläche von 5 mal 3 Metern, und das für 35 Nationen, wie Olivier Habegger vorrechnet. Konkrete Überlegungen gab es für die World Skills 2021. Dafür richtet man in Genf 2029 die Kontinentalmeisterschaft Euro Skills aus.