Neue Generation am Schachbrett

Mit erst 22 Jahren steht ­Maximilian Johner an der Spitze von Chess 4 Kids. Für ihn ist Schach weit mehr als nur ein Spiel.
Maximilian Johner am Standort Baden. (Bild: zVg)

Wenn Maximilian Johner über Schach spricht, hört man seine Begeisterung nach wenigen Worten. Das Spiel begleitet ihn, seit er denken kann. Schach ist für ihn deshalb weit mehr als ein Spiel. «Schach ist in meiner Familie nicht einfach ein Hobby, sondern ein Teil unserer Geschichte», erzählt der CEO von Chess 4 Kids.

Der Name Johner ist in der Schweizer Schachszene ein Begriff: Schon sein Urgrossvater Hans Johner und ebenso Paul Johner waren grosse Namen. «Mein Grossvater Fritz Johner hat diese Leidenschaft in unserer ­Familie weitergetragen. Mein Vater hat mir das Spiel dann selbst beigebracht, und ich habe mit ungefähr drei Jahren angefangen, die ersten ­Figuren zu bewegen.» Von Anfang an war Schach für ihn nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern etwas, das mit Familie, Herkunft und Identität verbunden ist.

Schach als Lebensschule
Heute erlebt Maximilian Johner Schach als Spiegel des Lebens. «Man denkt ein paar Züge voraus, und dann kommt plötzlich etwas ganz anderes. Genau so ist es ja im echten Leben: Man muss ruhig bleiben, neu denken und weitermachen», sagt er. Für ihn steht das Spiel für Klarheit, Haltung und innere Ordnung. Werte, die ihn weit über das Schachbrett hinaus begleiten.

Dass ihn Schach geprägt hat, steht für ihn ausser Frage. «Ich war in der Schule nicht der klassische Musterschüler und hatte bereits früh mit ADHS zu tun», erzählt Maximilian Johner offen. «Gerade Schach hat mir geholfen, fokussiert zu lernen, geduldiger zu werden und mich mit einer Sache wirklich auseinanderzusetzen.» Dadurch habe er gelernt, dass Fehler nicht das Ende seien, sondern der Anfang von echtem Lernen – eine Haltung, die er heute Kindern weitergeben möchte.

Angebote für die nächste ­Generation
Sein Unternehmen Chess 4 Kids steht für diesen Gedanken: Schach als Zugang zu Denken, Konzentration und Kreativität. «Ich finde Schach so faszinierend, weil es unglaublich viel Tiefe hat und trotzdem für jedes Kind zugänglich sein kann», sagt Maximilian Johner. «Es gibt keinen Glücksfaktor. Man kann nichts dem Zufall zuschieben, sondern muss selbst denken, entscheiden und Verantwortung übernehmen.» Die Kurse von Chess 4 Kids werden in Baden, Baar, Küsnacht, Oerlikon, Horgen und Leimbach angeboten – ein bewusst breites Netz. «Mir war immer wichtig, dass Schach nicht etwas Elitäres ist, sondern für Familien erreichbar bleibt», betont er. Auch digitale Angebote gehören dazu: «Schach funktioniert ­online erstaunlich gut. Trotzdem achten wir darauf, dass der Unterricht persönlich, motivierend und kind­gerecht ist.»

Schon die Kleinsten dürfen mitmachen: Das Minimasters-Konzept richtet sich an Kinder ab zwei Jahren, die spielerisch an das Denken und das Brett herangeführt werden. Mit dem Maximasters-Prinzip folgt später die Förderstufe für ältere Kinder. Die beliebten Camps stehen ab vier Jahren offen. «Bei uns kann man sehr gern gratis schnuppern kommen», sagt ­Maximilian Johner einladend, «so können Kinder und Eltern in Ruhe schauen, ob es wirklich passt.» Oft merke man bereits in dieser ersten Stunde, ob ein Kind Freude daran habe.

Ein Stück Familiengeschichte
Neben seiner Rolle als Geschäftsführer studiert Maximilian Johner Betriebswirtschaft an der ZHAW mit Vertiefung Behavioral Design. «Es ist intensiv, aber es geht», sagt er. Seine Mutter Bea Johner kommt aus der Betriebswirtschaft, der Vater Philipp Johner aus der Psychologie. «Ich habe das Gefühl, dass ich mich genau zwischen diesen beiden Welten bewege.» Gerade diese Balance prägt ihn, und zwar als Student, Unternehmer und Mensch. 

Chess 4 Kids ist auch ein Stück ­Familiengeschichte. «Meine Mutter hat die Firma damals ursprünglich für mich gegründet, weil es ein solches Angebot für Kinder noch nicht gab», erinnert sich der 22-Jährige. Dass er das Unternehmen heute als Geschäftsführer weiterführen darf, ist für ihn etwas sehr Emotionales. «Es ist also nicht einfach nur eine Firma, sondern eine echte Love-Story, die ich heute weiterschreiben darf.»

Dass der Schachsport derzeit eine Renaissance feiert, überrascht ihn nicht. «In unserer schnellen und digitalen Welt bietet Schach etwas Echtes und Tiefes.» Es fordere Konzentration, strategisches Denken und innere Ruhe. Sogar auf Social Media sei das Spiel längst angekommen – modern, cool und inspirierend. «Plötzlich sehen junge Menschen, dass Schach überhaupt nicht verstaubt ist, sondern spannend und sogar sehr stylish sein kann.»