Schneisingen – Andrin Kästli aus Schneisingen ist der amtierende Swiss-Skills-Gewinner in der Disziplin Elektroniker. Der 21-Jährige bereitet sich zurzeit parallel zu Studium und Job auf die World Skills in Schanghai vor. Dort findet im September die Berufsweltmeisterschaft statt. Bei einem Vorbereitungstraining auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch sprach der Schweizer Meister über die Herausforderung.
Andrin Kästli, wie kam es zu Ihrer ersten Teilnahme an der Berufsmeisterschaft Swiss Skills?
Mario Liechti und Melvin Deubelbeiss waren fünf und zwei Jahre über mir in der Lehre am Paul-Scherrer-Institut (PSI). Kaum habe ich mit meiner Lehre begonnen, haben beide an den Swiss Skills teilgenommen. Es war während der Coronapandemie, deshalb konnten wir sie leider nicht vor Ort unterstützen. Aber den Videostream haben wir alle gemeinsam im Betrieb verfolgt.
Mario Liechti gewann 2020, und Melvin Deubelbeiss wurde Dritter. Drei Jahr später, 2023, war ich zusammen mit Melvin Deubelbeiss an den Swiss Skills. 2025 war dann meine zweite Teilnahme, und mein Unterstift hat mich begleitet. Diesen Aspekt der Ausbildung finde ich sehr cool.
War das Motivation für Sie, dass man etwas der nächsten Generation weitergibt?
Auf jeden Fall. Das PSI unterstützt mich jetzt ebenfalls sehr gut bei den Vorbereitungen für die World Skills. Und es macht mega Spass, wenn man zusammen etwas erreicht.
Was nehmen Sie von einer Teilnahme an der Berufsmeisterschaft mit?
Es ist natürlich etwas völlig anderes als der Arbeitsalltag. Mir hat das Wettkampffeeling gefallen, sich mit anderen zu messen. Hinzu kommt der Austausch mit den besten Nachwuchselektronikern in einer sehr coolen Atmosphäre.
Der Vergleich mit dem Sport wird bei der Berufsmeisterschaft häufig verwendet. Möchten Sie selbst die Goldmedaille holen?
Sicher möchte man am Ende möglichst weit oben auf der Rangliste stehen. Die Elektroniker waren in den letzten Jahren mit sechs Podestplätzen sehr erfolgreich. Deshalb ist ein gewisser Druck da, aber das Ziel ist auf jeden Fall das Podest.
Im Juni steht die Vorbereitungsreise nach China an. Sind Sie aufgeregt?
Auf jeden Fall. Ich war noch nie so weit weg von zu Hause, und es ist eine völlig andere Kultur. Sicher ist es hilfreich, dass wir China schon vor dem Wettbewerb kennenlernen dürfen.
Sie studieren derzeit in einem 50-Prozent-Pensum an der FHNW.
Im Sommer 2024 habe ich die vierjährige Lehre abgeschlossen. Danach begann ich zunächst ein Vollzeitstudium. Nach drei Semester habe ich mich für den Wechsel auf das berufsbegleitende Modell entschieden. Das PSI hatte angeboten, mich auf dem Weg zu den World Skills zu unterstützen. Der Vorbereitungsaufwand ist sehr gross, und ich hätte wahrscheinlich sowieso das Studium reduzieren müssen. So kann ich einen Teil der Arbeitszeit als Vorbereitung nutzen und habe meine gesamte Ausrüstung vor Ort – das ist super.
Im Vortrag wurde erwähnt, dass man mit einem Vorbereitungstag pro Woche startet, und am Ende ist es Vollzeit.
Bei den Swiss Skills 2023 war die Vorbereitungsphase nicht so intensiv, aber auch dafür bekamen wir einen Teil der Zeit zur Verfügung gestellt. Als ich mich für die Swiss Skills 2025 angemeldet habe, war ich Vollzeitstudent.
Von Juli bis September sind zum Glück Semesterferien, so kann man den Sommer sehr gut für die Vorbereitung auf die World Skills nutzen.
Gab es etwas, was Sie bei Ihren Teilnahmen überrascht hat?
Was mich sehr überrascht hat, war, wie gross das Ganze ist. Schon die Swiss Skills bieten ein riesiges Gelände.
Beim Training setzt man hier auf Kopfhörer gegen Ablenkung und auf Sportpsychologen für den Fokus. Fiel Ihnen dieses Konzentrationstraining leicht?
Es braucht äusserst viel Konzentration bei den Herausforderungen. Bei handwerklichen Aufgaben wie dem Löten bekommt man vielleicht noch etwas mehr mit, was um einen herum passiert. Manchmal gelingt das komplette Ausblenden besser, manchmal weniger gut, aber genau dafür machen wir ja das Mentaltraining.
Gibt es einen Teil der Herausforderungen, der Ihnen am besten gefällt?
Die Teilaufgaben sind sehr unterschiedlich. Es gibt die Hardwareentwicklung, bei der es mehr um das Rechnen geht, das Layoutdesign am Computer, das Löten und die Software. Am meisten reizt mich das Hardwaredesign, die Entwicklung von Schaltungen.
Wenn die World Skills vorbei sind, sieht man Sie dann demnächst als Teil des Betreuerteams?
Ich kann mir gut vorstellen, in die Fussstapfen von Mario Liechti und Melvin Deubelbeiss zu treten und meine Nachfolger und Nachfolgerinnen zu trainieren.
World Skills, 22. bis 27. September 2026, Schanghai, China