Disconächte im Salamander

Mit viel Aufwand verwandelten in den Siebzigerjahren ­Jugendliche in Ehrendingen einen Keller in eine kulturelle Anlaufstelle.
Vogthaus vor der Renovation. Aufnahme 1985. (Bild: Stadtarchiv Baden)

Ehrendingen – Aufgezeichnet: «Schon 1967 gab es einen ersten ‹Stiften›-Abend mit Beatmusik. Dieser fand im Gasthof Hirschen statt. Als Band wurden die Delphins engagiert, sie spielten im Stil der Beatles. Organisiert war dieser Abend von Lehrlingen der Bucher-Guyer, von ihnen war ein Teil in der Ehrendinger Jungmannschaft aktiv. Jungmannschaft war die Organisation für die etwas älteren ­Jugendlichen, die der Jungwacht bereits entwachsen waren.

Anfang der 1970er-Jahre veranstalteten dann Jugendliche aus den Reihen der Jungwacht eine Disco im Keller des Vogthauses. Das Vogthaus, ein ehrwürdiges Gebäude aus dem Jahr 1563, ursprünglich als Sitz des (Unter-)Vogts genutzt, später in privatem Besitz, war 1968 von den beiden Kirchen, der katholischen und der reformierten, zwecks Arrondierung des Areals im Hinblick auf den Bau eines ökumenischen Zentrums erworben worden.

Die engagierte Gruppe von Jugend­lichen erhielt die Bewilligung, im ­Keller eine Disco einzurichten. Geholfen hat dabei sicher der in Jugend­belangen aufgeschlossene und allseits beliebte Pfarrer Huwyler. Mit viel Elan machten sich die Jungen an die Arbeit: Martin Schmid vom Stein, Toni Müller vom Höhtal, Hansjörg Schärz, Markus Schraner, Sandro Landucci, alle aus Ehrendingen, und auch ein Endinger war dabei.

Der Keller wurde ausgeräumt, und die Wände wurden in verschiedenen Farben gestrichen. Am Boden wurden die Backsteine entfernt und Glasplatten gelegt, sodass eine Unterbodenbeleuchtung mit farbigen Lampen installiert werden konnte. Den Wänden entlang gab es gepolsterte Sitzbänke, und gleich unter der steilen Treppe kam die Musikanlage zu stehen: entstanden im Eigenbau, mit zwei Plattenspielern und einem richtigen Mischpult mit Schiebereglern. Die Disco hatte krass laute Lautsprecherboxen mit Tieftönern. 

Silvesterparty 1974, links auf dem Bild die Ehrendingerin Cony Frei-Tonas. (Bild: zVg)

Am 11. November 1972 konnte die Eröffnungsdisco stattfinden, der Eintritt kostete 1 Franken. Die Eröffnung stand im Zusammenhang mit einem dreitägigen Fest, das die Idee eines ökumenischen Zentrums ebenfalls ­vorantreiben sollte, das erst 1984 realisiert wurde.

Die Jugendlichen steuerten all ihre privaten Schallplatten zur Disco bei: Status Quo, Suzy Quattro, Deep ­Purple, Uriah Heep, Black Sabbath und generell viel Hardrock. Zu später Stunde kamen dann Stücke von Titanic, Leonard Cohen und manchmal Hitparadenschnulzen zum ‹Schwofen› hinzu, also zum langsamen Tanzen. Denn bei den langen Disconächten war durchaus die eine oder andere Blauring-Leiterin dabei … Die Schallplatten mussten beim lebhaften Betrieb einiges über sich ergehen lassen, und überhaupt gab es diverse technische Probleme im feuchten ­Keller: Boxen gingen kaputt und so weiter. Da ein striktes Alkohol- und Drogenverbot herrschte, gab es aber nie Probleme mit der Polizei oder durchdrehenden Teenagern.

Neben der Disco wurden Fondueabende und Spaghettiessen organisiert.

Ab 1975 mussten die ersten Jugendlichen der Betriebsgruppe den Militärdienst absolvieren. Daraufhin liess der Betrieb schnell nach, und irgendwann, 1976 oder 1977, hörte er ganz auf. Die Kirchgemeinde vertrat den Standpunkt, die Gründung sei durch die Jungwacht erfolgt, also indirekt durch die Kirche, und behielt den Gewinn ein. Die Jugendlichen gingen also trotz ihres grossen Zeitaufwands finanziell leer aus. Geblieben sind ihnen aber die schönen Erinnerungen und Freundschaften.

Und warum Disco Salamander? Weil beim Umbau im feuchten Keller ein Salamander über den Boden huschte.»