Lebenswelten wieder erwecken

Das Geschichtsprojekt «Twistory» will neue Zugänge zur Lokalgeschichte eröffnen – in der Region Baden und darüber hinaus.
Die Schweissermaske und ihre Geschichte sind neuerdings im Historischen Museum Baden ausgestellt. (Bild: sim)

Baden – Das Projekt «Twistory» der Kantonsschule Baden verbindet Geschichtsunterricht mit wissenschaftlicher Forschung und wurde 2021 von der Historikerin und Geschichtslehrerin Ariane Knüsel gemeinsam mit dem Historischen Museum Baden und dem Stadtarchiv Baden ins Leben gerufen. Schülerinnen und Schüler wählen dabei historische Objekte oder Dokumente aus den umfangreichen Sammlungen der beiden Institutionen aus und erforschen deren geschichtlichen Hintergrund. Die Ergebnisse werden als Blogbeiträge auf der Website der Kantonsschule veröffentlicht und bilden eine stetig wachsende virtuelle Zeitleiste zur Geschichte Badens.

Das Projekt hat bereits über 70 Beiträge hervorgebracht und fördert nicht nur das historische Verständnis der Jugendlichen, sondern liefert teilweise auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Untersucht wurden unter anderem ein Fahrrad aus dem Jahr 1864, eine Pfaff-Nähmaschine oder Dokumente zur Choleragefahr und zur Evakuation der Badener Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs. Als schweizweit erstes Projekt dieser Art stösst «Twistory» auch ausserhalb Badens auf zunehmendes Interesse. Deshalb bestehen inzwischen Bestrebungen, ähnliche Projekte in anderen Kantonen aufzubauen und langfristig eine nationale Plattform mit Beiträgen aus der ganzen Schweiz zu schaffen. «An der Schule in Zofingen hat bereits ein eigenes «Twistory»-Projekt stattgefunden und auch je eine Kantonsschule in Aarau und in Olten haben Interesse bekundet», erklärt Ariane Knüsel.

Eintauchen in die Geschichte
Anfang Mai war es wieder so weit: Im Historischen Museum Baden präsentierten die Schülerinnen und Schüler der Kanti Baden ihre Erkenntnisse über Museumsobjekte und Archivdokumente. Dabei waren sich die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler weitgehend einig, dass das historische Projekt eine willkommene Abwechslung im Schulalltag darstellt. Rund ein halbes Jahr lang beschäftigten sie sich in Gruppen mit ihren Objekten oder Dokumenten, deren Geschichte sie nachzuvollziehen suchten. «Ausserdem lernt man dabei auch mehr über die Stadt Baden, die Region und die Menschen, die einst hier lebten. Das ist sehr interessant», bekräftigt ein Schüler. Gemeinsam mit seiner Gruppe untersuchte er eine Gasmaske aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die in Baden gefunden wurde und einiger Wahrscheinlichkeit einer wohlhabenden Zivilperson gehörte.

Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit einer alten Schweissermaske, die in den 1970er-Jahren von einem BBC-Angestellten verwendet wurde. Wie sich herausstellte, gehörte die Maske dem Vater einer Lehrerin, die einst einen der drei Schüler aus der Gruppe unterrichtete. Dank der persönlichen Gespräche mit seinen Nachfahren konnten sie viel über das Leben und Arbeiten in der damaligen Stadt Baden in Erfahrung bringen. Die Einbettung der Schweissermaske in ihren historischen Kontext gelang derart gut, dass die Maske samt zugehöriger Texte nun im Historischen Museum Baden zu sehen sind. 

Die Blogbeiträge zu den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler aus diesem Jahr werden laufend unter kanti-baden.ch/twistory veröffentlicht. Dort können auch die Geschichten der Objekte und Dokumente nachgelesen werden, die in den letzten vier Jahren untersucht wurden.