Gemeinde muss Potenziale besser nutzen

Rote Zahlen rufen zum Handeln auf. Investitionen in das Bildungsangebot und regionale Wirtschaftsförderung kosten Geld, sind aber nötig.
Der Gemeinderat möchte das von der reformierten Kirchgemeinde erworbene Pfarrhaus fit machen und für einen Ausbau der Tagesstrukturen der Schule Altenburg nutzen. (Bild: bkr)

Wettingen – Einmal mehr muss sich der Wettinger Einwohnerrat mit roten Zahlen befassen. Am 28. Mai steht die Debatte über die Rechnung 2025 auf dem Programm, die mit einem Rekorddefizit von 6,4 Millionen Franken schliesst. Dieses Defizit zwingt Gemeinde- und Einwohnerrat, umgehend zu handeln – im Voranschlag für das laufende Jahr nach Einsparpotenzial zu suchen, damit nicht eine weitere Rechnung aus dem Ruder läuft. Wünschbares vom Nötigen zu trennen, ist aus Sicht des Gemeinderats unumgänglich. Nur, wo ist die Grenze zu ziehen?

Wirtschaftsförderung ­koordinieren
Die Region Aargau Ost gehört zu den zehn wirtschaftsstärksten der Schweiz. «Das vorhandene wirtschaftliche Potenzial kann derzeit jedoch nicht vollständig ausgeschöpft werden», stellt Gemeindeammann Markus Haas fest. Der Grund? Mangelnde regionale Koordination. «Die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung liegt allein bei der Stadt Baden», sagt Haas. «Angesichts der zunehmenden Standortkonkurrenz ist», so Haas weiter, «eine breitere Trägerschaft nötig.»

Das sieht man nicht nur in Wettingen so, sondern auch beim Planungsverband Baden Regio. Dieser hat das Thema in einer Arbeitsgruppe beleuchtet und ist zu dem Schluss gekommen, eine künftige Wirtschaftsförderung in einem Verein mit Geschäftsstelle zu organisieren. Das, weil nicht alle Baden-Regio-Mitgliedsgemeinden vitale Interessen an der Standortförderung haben. Einen ­Beitritt zum Verein haben bis jetzt ­Baden, Bergdietikon, Birmenstorf, Ennetbaden, Spreitenbach und Würenlingen zugesichert.

Und Wettingen? «Die Gemeinde profitiert von einer koordinierten regionalen Wirtschaftsförderung. Dem Verein nicht beizutreten, wäre ein falsches Signal», sagt Haas. Stimmt der Einwohnerrat zu, dann entstehen für Wettingen Kosten von 2 Franken pro Kopf der Bevölkerung – in der Summe rund 44 000 Franken im Jahr. Ein­gebettet ist das Vorhaben in ein kantonales Programm zur Wirtschaftsförderung in sogenannten Potenzialräumen, weshalb zusätzlich Beiträge des Kantons erwartet werden dürfen.

Baulicher Dornröschenschlaf
Neue Wohnquartiere – vor allem in den Gebieten Klosterbrühl und Bahnhof – führen zu steigenden Kinder- und damit Schülerzahlen. Die Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger erwarten als Steuerzahlerinnen und -zahler eine zeitgemässe Schulinfrastruktur, zu der Tagestrukturen zählen. Beschlossene Sache ist, im bisherigen reformierten Kirchgemeindehaus an der Etzelstrasse dringend benötigten Schulraum zu schaffen. Der Haken an der Sache: Hier, direkt beim Schulhaus Altenburg, sind bereits Tagesstrukturen untergebracht, die während der Umbauphase wegfallen.

«Dass von der reformierten Kirchgemeinde auch das Pfarrhaus an der Erlenstrasse übernommen werden konnte, erweist sich als Glücksfall», sagt Martin Egloff, im Gemeinderat für das Ressort Hochbau zuständig. «Die zwei im Kirchgemeindehaus untergebrachten Tagesstrukturgruppen können ins Pfarrhaus umziehen, womit kein Provisorium benötigt wird.» Christian Wassmer, Vizeammann und Ressortvorsteher Bildung: «Im Pfarrhaus werden definitive Räumlichkeiten geschaffen, womit nach Abschluss der Arbeiten am Kirchgemeindehaus zusätzliche Quadratmeter für Tagesstrukturen zur Verfügung stehen.»

Voraussetzung dafür ist, dass das Pfarrhaus instand gestellt und baulich der neuen Aufgabe angepasst wird. «Das wollen wir mit möglichst wenigen Eingriffen erreichen», sagt Egloff. Allerdings wurde seit 1951 am Gebäude kaum mehr etwas umfassend erneuert. Eine Sanierung ist nötig, was Kosten von 1,148 Millionen Franken mit sich bringt.