Via Altpapier zum Zirkusartisten

Spannende, lehrreiche und muskelbildende Tage im ­Zirkuszelt: Das erlebten 140 Schulkinder dank der Zirkuswoche des Zirkus Aria.
Trapez gleich Turnen in luftiger Höhe – gut gesichert von den Artistinnen und Artisten des Zirkus Aria. (Bild: mg)

Villnachern – Judith Christen, Schulleiterin der Schule Villnachern, erklärt, dass die Kinder seit Jahren für die Altpapiersammlung im Dorf zuständig seien. «Das gibt etwas in die Schülerkasse. Dieser Betrag wurde viele Jahre lang nicht aufgebraucht.» Von dem Geld sollte nun aber etwas organisiert werden, wovon alle Kinder profitieren. Vor ungefähr einem Jahr beschlossen die Schülerinnen und Schüler, dass sie mit dem angesparten «Altpapiergeld» eine Zirkuswoche machen wollten.
Tanja Burren vom Organisationskomitee Zirkus in der Schule Villna­chern suchte online nach einem Zirkus, der solche Wochen für Kinder und Jugendliche anbietet, und wurde beim Aargauer Zirkus Aria fündig. «Wir verglichen verschiedene Zirkusse und ihre Angebote und fanden den Zirkus Aria am passendsten», sagt sie.
Fünfköpfiges Komitee
Die Planung im fünfköpfigen Zirkuskomitee begann. «Wir merkten, dass es ein grösserer Aufwand ist als gedacht», so Judith Christen. Das Team des Zirkus Aria plante, vor der Zirkuswoche einige Vorstellungen in Villnachern zu geben, und so mussten Parkmöglichkeiten für die Wohnwagen der Zirkusmitglieder, Strom, Wasser und sonstige Technik für einige Tage organisiert werden. Das Zirkuszelt, das 500 Plätze hat, stand auf der Wiese vor dem Schulhaus, wo es Platz hat.
Pünktlich standen die 9 Artistinnen und Artisten sowie die 140 Kinder im Alter von 4½ bis 13 Jahren von Montag bis Freitag sprichwörtlich auf der Matte. Ob in der Turnhalle, im ­Zirkuszelt oder in den Klassenzimmern und draussen: Es wurde unermüdlich geübt. «Die Kinder konnten aus den 15 Angeboten je drei ankreuzen, und für eines wurden sie dann ausgewählt», so Kathrin Holliger vom Organisationskomitee. Von Bodenakrobatik über Seiltanz bis zu Zauberei, Clown-, Fakir- oder Trapezgruppen gab es eine bunte Mischung, sodass jedes Kind etwas wählen konnte, was es ansprach.
Jüngere halfen Älteren
Beim Augenschein während der Proben zeigte sich, wie motiviert die Mädchen und Buben waren: Konzen­triert, aufgedreht und quirlig waren sie am Üben und ärgerten sich darüber, wenn ihr Kunststück nicht sofort klappte.
«Wir entdeckten die Kinder in dieser Zirkuswoche ganz neu», sagt Kathrin Holliger. «Jüngere Kinder ­waren teilweise nonstop dabei und konnten gar nicht aufhören. Sie spornten die Älteren an und beeindruckten uns so mit ihrer Sozialkompetenz.» Klappte etwas bei den Kleineren nicht, halfen die Grösseren. Das passierte ganz selbstverständlich, da die Gruppen mit je sechs bis zwölf Kindern altersdurchmischt waren.
Körperlich und geistig waren die fünf Tage anstrengend für die Kinder, aber auch unvergesslich. Und es machte sie stolz, weil sie etwas erreicht hatten. Das ist nicht zuletzt das Verdienst der Artistinnen und Artisten des Zirkus Aria, welche die Kinder jederzeit empathisch, humorvoll und sicherheitsbewusst trainierten, sowie der etwa 25 helfenden Personen: von den Lehr- und Assistenzpersonen über den Abwart bis zu den Eltern, die freiwillig mithalfen.
Die Vorstellung am Freitagabend war bis auf den letzten Platz besetzt. Während zweieinhalb Stunden begeisterten die Kinder die Zuschauerinnen und Zuschauer mit einem abwechslungsreichen Programm. «Es gab immer wieder tosenden Applaus und am Ende Standing Ovations», so Kathrin Holliger.
Clowns und Zauberer
Die Kinder, das Schulteam sowie die Artistinnen und Artisten seien während der Aufführung eine Einheit gewesen. «Musste zwischen den einzelnen Nummern etwas um- oder aufgebaut werden, sorgten die Clowns und die Zauberer für Unterhaltung.»
Die Vorstellung sei ein Erlebnis gewesen, an das sich alle Beteiligten noch lang mit Freude und Stolz erinnern würden, so Kathrin Holliger, die den Zirkus Aria nur weiterempfehlen kann.