«Es braucht einen langen Atem»

Vor zehn Jahren übernahm Fernando Scarabino die ­Leitung des Kinderchors ­Cantaarte. Nun feiert der Chor in der Turnhalle Au.
Kinderchor Cantaarte feiert Jubiläum. (Bild: zVg)

Brugg – Dieses Jahr ist für den Kinderchor Cantaarte nicht nur speziell, weil es das 10-Jahr-Jubiläum unter der Leitung von Fernando Scarabino ist, sondern weil der Chor an seinem Jahreskonzert unter dem Motto «Ready for Take Off» gemeinsam mit dem Jugendchor erstmals von einer Lehrerband begleitet wird.

Fernando Scarabino, Sie leiten den Kinderchor seit zehn Jahren. Wie kam es damals zu Ihrem Engagement?
Ich singe seit meiner Kindheit gern im Chor, und ich liebe die Arbeit mit Kindern. Es war lang mein Wunsch, selbst einen Kinderchor zu leiten. Umso glücklicher war der Zufall, als ich im letzten Jahr meines Musikstudiums von der frei werdenden Stelle an meiner ehemaligen Musikschule erfuhr. Dass es bereits zehn Jahre her sind, ist mir erst vor ein paar Wochen eingefallen.

Was hat Sie dazu bewogen, derart lang am Ball mit dem Chor zu ­bleiben?
Für viele Kinder ist das gemeinsame Singen ihre erste Erfahrung von Ensemblearbeit. Sie singen gern und kommen freiwillig, aber ob bewusst oder unbewusst: In erster Linie wollen sie Spass haben. Vor den Kindern darf ich auch den Clown spielen und trotzdem musikalisch das Maximum aus ihnen herausholen. Wir haben alle Spass, mir wird nie langweilig. Es hat immer neue und neugierige Kinder, und diejenigen, die bleiben, gewöhnen sich an meinen Arbeitsstil und machen super mit. Ein Kinderchor ist an sich sehr kurzlebig – die schnellen Zu- und Abgänge sind in diesem Sinn Fluch und Segen zugleich. Einige Kinder singen nur ein bis zwei Jahre mit, das ist völlig normal, aber manchmal leicht frustrierend, weil so viel Know-how wieder weggeht. Mein Ziel ist es, diesen Chor fest in der Region zu verankern und weiter zu vergrössern. Das braucht einen langen Atem und viel Geduld, denn vieles hängt trotzdem nicht nur von mir ab.

Kinder im jungen Alter in einen Chor zu holen, ist einfacher, als sie ­später zu halten.
Das stimmt. Ab zehn Jahren ist die Hemmschwelle, in einen Chor neu ­einzutreten, sehr gross. Das läuft praktisch nur über Kontakte und Freundschaften. Die grösste Knacknuss ist es deshalb, die Kinder bis ins Teenageralter im Chor zu behalten. Einige Schülerinnen und Schüler gehen dann in die Bezirksschule, wo
es bereits einen sehr guten Chor hat, das ist für viele natürlich bequemer. Aus diesem Grund habe ich vor fünf Jahren so ­etwas wie eine Marke aus dem Chor gemacht: Die Kinder und ­Jugendlichen sollen sich mit dem Chor identifizieren, gern ihre T-Shirts, Hoodies oder Mützen mit dem Canta­arte-Logo in der Freizeit tragen und neugierige Kinder anwerben. Dafür steht auch das selbst entworfene Logo: Singen erwärmt das Herz und macht Freude.

Bekommt der Chor heute viele ­Konzertanfragen?
Ich glaube, wir sind gut aufgestellt und werden für Konzerte angefragt. So dürfen wir dieses Jahr zum dritten Mal am Adventsmarkt der Faro-Stiftung auftreten, es gibt ein offenes ­Singen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch. Und wir durften zweimal bereits im Kindermuseum Baden auftreten. Wer weiss, was noch kommt. Die grösste Veränderung für dieses Jahr ist aber das bevorstehende Jahreskonzert in der Turnhalle Au in Lauffohr. In den letzten Jahren war die Aula Langmatt an unserem Jahreskonzert immer randvoll. Und eine mittlere Raumgrösse dazwischen gibt es hier nicht, deshalb wage ich den Schritt in die viel grössere Turnhalle. Ich hoffe, wir füllen sie mindestens bis zur Hälfte.

Der Kinderchor Cantaarte mit seinem Leiter Fernando Scarabino am Klavier. (Bild: zVg)

Das Motto des Jubiläumskonzerts lautet «Ready for Take Off». Was hat es damit auf sich?
​Dank der Familie meiner Frau wurde ich vor langer Zeit in die Welt der Luftfahrt einbezogen – mein Schwiegervater war ein leidenschaftlicher Kabinenchef der damaligen Swissair. Zudem interessiere ich mich seit der Kindheit brennend für Astronomie und Raumfahrt. Der berühmte Pilotenspruch vor dem Start war deshalb naheliegend. Abheben, Fliegen, Schweben, Abenteuer, Abschied: In vielen Liedern stecken so viele Geschichten und Gefühle. Es ist verrückt, wie viele Songs zu diesem Thema passen, ich könnte gleich nächstes Jahr einen zweiten Teil organisieren.

Sie werden am Jahreskonzert ­erstmals von einer Lehrerband ­begleitet.
Ich hatte aus organisatorischen Gründen stets darauf verzichtet, zusätzliche Musikerinnen und Musiker für die Konzerte anzufragen. Es ist grundsätzlich einfacher, wenn ich die Chöre selbst am Klavier begleite und niemandem erklären muss, wie ich dieses und jenes gern hätte. Die meisten Songs begleite ich auf dem Klavier, manchmal nehme ich die Gitarre zur Hand. Dann begann ich aber, hochwertige Karaoke-Playbacks zu kaufen oder selbst zu erstellen und mit meinem Klavierspiel zu kombinieren. Spätestens letztes Jahr, als wir auf diese Weise «99 Luftballons» sangen, war klar, dass es eine Liveband dafür braucht. Zwei der Musiker sind Instrumentallehrpersonen, einer ist der Vater einer Schülerin im Chor. Es hat sicher geholfen, dass sie das Programm auch cool finden und viele der Songs schon gespielt haben. So bleibt der zusätzliche Aufwand für sie überschaubar. Für mich hingegen, der alles koordiniert und organisiert: Ich weiss jetzt, wieso ich es noch nie so gemacht hatte (lacht). Aber es freuen sich alle auf das Konzert, das wird super!

Neben Kinderliedern enthält das Programm Popklassiker wie «Major Tom» von Peter Schilling, «Here ­Comes the Sun» von den Beatles oder «Fly Away» von Lenny Kravitz. Wer hat die Lieder ausgesucht und das Programm zusammengestellt?
Jedes Konzertprogramm ist eigentlich sehr persönlich, es sind oft Lieder, die ich mit meiner Frau und meinen Töchtern gemeinsam höre und entdecke – meistens im Auto. Ich achte aber sowieso das ganze Jahr ­darauf, ob ein Lied für den Chor geeignet wäre. Alles in allem probiere ich, ein gutes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Genres, Epochen und Sprachen zu finden – besonders Mundartlieder will ich in jedem Programm haben, sehr viele Kinder im Chor sprechen zu Hause kein Schweizerdeutsch.

Samstag, 13. Juni, 11 Uhr
Turnhalle Au, Lauffohr