Ein Leben wie eine Blumenwiese

Am Impulsforum von Wasserschloss Plus wurde darüber diskutiert, wie der Stadtraum beim Bahnhof Brugg-Windisch langfristig funktionieren soll.
Mit einem grossen Porträtbild war Franz Blum den Trauergästen in der Klosterkirche Königsfelden nochmals nah. (Bild: hpw)

Windisch – Das Leben des Natur- und Bergfreundes Franz Blum glich einer abwechslungsreichen Blumenwiese, vorzugsweise einer Alpweide mit Weitsicht. Er selbst sprach gern von seiner «Blüemli»-Familie. Sie bestand aus fünf Kindern, neun Enkeln und sechs Ugrosskindern. Schon er war mit fünf Geschwistern in Risch am Zugersee als 1934 geborener Sohn eines Schumachers und Kirchensigrists aufgewachsen. Die Angehörigen nahmen zusammen mit vielen Weggefährten an einer würdigen Trauerfeier in der Klosterkirche Königsfelden vom Verstorbenen Abschied.
Es gab, wenn überhaupt, lang keine solche persönliche Abdankung mehr in der 700-jährigen erhabenen Gedenkstätte. Doch der Ort entsprach ganz Franz Blums Wesen und Wirken, denn Königsfelden spielte in seinem Leben eine zentrale Rolle. Er war jahrzehntelang, von der Lehre bis zur Pensionierung, Pfleger, Abteilungsleiter und Ausbildner in der Psychiatrischen Klinik gewesen. Unter anderem gehörte er in den 1980er-Jahren zu den Pionieren einer neuartigen Betreuung für psychisch Kranke in 16 Wohngruppen. Mit klarer Meinung setzte er sich als VPOD-Gewerkschafter auch für das Pflegepersonal ein.

Feuerwehrmann und Hauswart
Franz Blum hatte viele Talente – und nutzte sie. Er war Feuerwehrmann, Windischer Zivilschutz-Ortschef und später Mitglied des Regionalen Führungsstabes Baden-Brugg-Zurzach. Zudem versah er viele Jahre den Hauswartdienst in der Überbauung Pes­talozzistrasse.
In der SAC-Sektion Brugg war er eine Zeit lang Jugend­obmann, Lagerleiter, Tourenchef sowie für die Gelmerhütte im Grimselgebiet und deren Umbau vor 40 Jahren verantwortlich. Es war geplant, dass er zum Abschluss des gegen­wärtigen Hüttenumbaus, Ende Juni, mit dem Helikopter nochmals auf die Gelmerhütte geflogen würde.
Vorher wären acht Tage Ferien in Italien vorgesehen gewesen. Franz Blum war körperlich und geistig noch bewundernswert rüstig. An seinem 92. Geburtstag im März überraschte er die Gäste mit einem musikalischen Ständchen. Die Familie hatte ihm zur Pensionierung einen Gutschein für Bassgeigen-Unterricht geschenkt. ­Dadurch wurde das Musizieren zu ­seinem neuen, späten Hobby, und er brachte es darin auf einen bemerkenswerten Level, der ihm sogar die Mitwirkung in einer Jazzformation ermöglichte.

Die letzte Ruhe
Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zeichneten den neugierigen und belesenen, besonnenen, humorvollen und hilfsbereiten Senior aus. Seine Unternehmungslust war ansteckend. Er genoss auch Ferien mit den Grosskindern im Wohnwagen. Die Nachkommen bezeugten ihm ihre Verbundenheit über den Tod hinaus, indem sie an der Trauerfeier Blumen zu einem vielfältigen Bouquet in eine Vase steckten. Und weitere symbolische Zeichen begleiteten die Abdankung. 
Franz Blums Porträtbild und Bassgeige standen neben einem grossen Blumenherz. Giancarlo Induni verabschiedete seinen musikalischen Weggefährten mit feinen Klarinettenklängen. Die Enkelin Alessa Pedrone widmete dem Grossvater ein persönliches Lied, und die älteste Tochter Jolanda Kern-Blum erinnerte an die Wesenszüge ihres Vaters. Dessen vielfältiges Wirken zeichnete der ebenfalls mit der «Blüemli»-Familie verbundene André Keller nach, und in ihrem Namen sagte er: «Wir lassen dich ungern ziehen, aber wir gönnen dir die ewige Ruhe auf deinem letzten Gipfel.»