Hinein in die «Schulschwänzerkurve»

Letzten Sonntag verwandelte sich das Schenkenbergertal in eine Rennarena für selbst gebaute und gemietete Seifenkisten.
Am vergangenen Sonntag war es wieder so weit: Zahlreiche Kinder trafen sich in Schinznach-Dorf zum traditionellen Seifenkistenrennen. (Bild: isp)

Schinznach-Dorf – Der Renntag begann um 10 Uhr mit dem obligatorischen Probetraining. Alle Teilnehmenden mussten sich rechtzeitig am Start einfinden, damit die Abläufe reibungslos funktionierten. Die Nervosität war spürbar, doch die Vorfreude überwog.
Nach dem Probetraining folgte das erste Rennen, bei dem die jungen Fahrerinnen und Fahrer die anspruchsvolle Strecke meisterten. Die Route führte über die erste Gerade in die berüchtigte «Schulschwänzerkurve», weiter durch die «Lehrerschikane» und über die lange Gerade, auf der viele versuchten, wertvolle Sekunden gutzumachen. In der «Newtonschikane» wurde das Tempo gedrosselt, bevor es mit viel Mut in die gefährliche «Gravitationskurve» ging und schliesslich direkt ins Ziel. «Ich bin etwas aufgeregt, aber ich weiss, dass sich das legt, sobald ich losfahre», erzählte Gwendolin (13) aus Villnachern kurz vor ihrem Start.

Auf der Strecke waren Konzentration und Geschicklichkeit gefragt. (Bilder: isp)

Marke Eigenbau
Während der einstündigen Mittagspause stärkten sich Besuchende und Teilnehmende mit Getränken und Snacks. Die Stimmung war fröhlich, die Gespräche drehten sich um Bestzeiten, mutige Manöver und kreative Kisten. Am Nachmittag standen dann die Rennläufe zwei und drei auf dem Programm. Die Regeln galten für alle ­Kategorien: ob Marke Eigenbau oder eine Mietkiste. Die Kinder, von der ersten bis zur neunten Klasse, zeigten beeindruckenden Ehrgeiz und gleichzeitig viel Fairness.
Um 16.15 Uhr begann die Siegerehrung, bei der nicht nur die schnellsten Pilotinnen und Piloten ausgezeichnet wurden. Alle erhielten eine Medaille. Ein Moment, der viele stolze Gesichter hervorbrachte. Zusätzlich wurde die fantasievollste, originellste und schönste selbst gebaute Seifenkiste prämiert. Die Kreativität der Kinder und Familien war beeindruckend und sorgte für viel Bewunderung im Pu­blikum.

Ein Pionier blickt zurück
Auch Köbi Weber (77) war am Sonntag am Pistenrand anzutreffen. Mit wachem Blick und sichtbarer Begeisterung verfolgte er jeden einzelnen Lauf. Später erzählte er, dass er der Initiant des Rennens sei. «Als wir 1989 in Schinznach-Dorf das Jugendfest und gleichzeitig das 800-Jahr-­Jubiläum feierten, organisierte ich spontan das erste Seifenkistenrennen», erinnert er sich. «In den darauffolgenden Jahren führten wir es im Zweijahrestakt weiter. Es freut mich enorm, dass dieses Rennen heute noch existiert – selbst wenn es zwischendurch eine längere Pause gab.» Die Strecke sei, so Köbi Weber, fast unverändert geblieben.
Inzwischen stehen sogar seine Enkel am Start und fahren nach wie vor mit derselben Eigenbaukiste, die den verheissungsvollen Namen «Blööterlischeese» trägt. Mit einem verschmitzten Lächeln fügt Köbi Weber an: «Sie würde glatt als Oldtimer durchgehen.»

Köbi Weber zeigt die Medaille aus
dem Jahr 1989. Er ist der Initiant des Seifenkistenrennens. (Bild: isp)

Sicher unterwegs mit Vorgaben
Die Rennen folgten strengen Bau- und Teilnahmeregeln, die für Sicherheit und Fairness sorgten: von der Holz­bodenplatte über die Lenkung mit mindestens 2,5-Millimeter-Drahtseilen bis zur Fussbremse, die beide Hinterräder blockieren musste. Alles wurde vor dem Start sorgfältig geprüft. Auch Schutzkleidung wie Helm, lange Ärmel und idealerweise Handschuhe waren Pflicht. Fahrradhelme waren aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.
Organisiert wurde der Anlass von der Jubla Schenkenbergertal, unterstützt von engagierten Helferinnen und Helfern rund um den OK-Präsidenten Oliver Spillmann sowie Fabian Knopf, Kathrin Weber, Leonie Hacksteiner und Sabine Kirchhofer. Dank ihnen wurde der Renntag zu einem ­sicheren, fröhlichen und unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten. «Ich komme nächstes Jahr ganz sicher wieder», sagte Matthi (10) aus Schinznach-Dorf und sprach damit vielen aus dem Herzen.