Zukunft zum Anfassen 

Ein halber Tag voller Begegnungen, Einblicke und persönlicher Aha-Momente, der zeigte, wie eine Berufsorientierung sein kann.
Unterwegs im Gartencenter Lengnau. (Bild: isp)

Lengnau – Am Vormittag des 2. Juni waren etwa 120 Schülerinnen und Schüler unterwegs, um Werkstätten, Ateliers, ­Büros und Produktionshallen zu betreten, die ihnen sonst verschlossen geblieben wären. Die Initiative «Gewerbe trifft Schule» hat sich längst als fester Bestandteil der regionalen Berufsorientierung etabliert. Ihr Ziel ist klar: Jugendlichen echte Einblicke in die Vielfalt des lokalen Gewerbes zu gewähren und ihnen Wege aufzuzeigen, die über Broschüren und Websites hinausgehen.
Zwölf Betriebe hatten sich in diesem Jahr mit spürbarer Begeisterung beteiligt. Organisiert hat diesen Halbtagesevent der Gewerbeverein Surbtal in Zusammenarbeit mit der Kreisschule Surbtal. «Mir persönlich war es sehr wichtig, dass dieses Projekt weitergeführt wird. Unsere lokalen Betriebe leisten einen entscheidenden Beitrag zur Ausbildung der Fachkräfte von morgen. Umso wichtiger ist es, dass Jugendliche frühzeitig Einblicke in den Berufsalltag erhalten und dabei nicht nur Berufe, sondern auch die Menschen dahinter persönlich kennenlernen», berichtet Miguel ­Martins vom Vorstand des Gewerbevereins euphorisch.

Zu Besuch bei Schweri Landmaschinen. (Bild: isp)

Für beide Seiten aufschlussreich
Für die Unternehmen selbst war dieser halbe Tag mehr als eine Pflichtübung. Zahlreiche Inhaberinnen und Inhaber betonten, wie wertvoll der direkte Kontakt zu potenziellen Lernenden sei. «Wir reden oft über Fachkräftemangel, aber hier begegnen wir den Menschen, die unsere Zukunft sein könnten», so Kevin Wobmann von Schweri Landmaschinen. Kevin Wobmann erklärte als Erstes das Berufsbild Landmaschinenmechaniker mit all seinen Anforderungsprofilen, später durften die Jugendlichen einen Traktor von innen bestaunen und konnten mitverfolgen, wie ein Motor richtig funktioniert. Zum Schluss durften sie beim Schweissen selbst Hand anlegen.
Und die Jugendlichen haben die Chance genutzt, Fragen zu stellen, Maschinen auszuprobieren oder einfach zuzuhören. Viele von ihnen ­waren mit neuen Ideen und einem spürbar erweiterten Horizont zurückgekehrt. «Ich könnte mir gut vorstellen, den Beruf der Landmaschinenmechanikerin zu wählen, weil mich Traktoren interessieren», erzählt Schülerin Lilli (14) nach dem Besuch bei Schweri Landmaschinen in Lengnau.
Bei der Suche nach dem richtigen Berufsbild muss man jedoch nicht sofort seinen Traumjob entdecken. Auch das Wissen, was man vielleicht nicht machen möchte, kann sehr nützlich sein. Schülerin Jozefina war an diesem Vormittag im Gartencenter unterwegs. «Ich kenne das Geschäft gut, weil ich oft mit meiner Mutter, die Pflanzen über alles liebt, hier bin. Ich selbst teile diese Leidenschaft nicht so.» Eine Ausbildung im KV-Bereich würde die 14-Jährige eher in Betracht ziehen. 

Erlebnisse verarbeiten
«Dieser Halbtagesanlass ist der Startschuss Richtung Berufswahl», ergänzt Ursi Deppeler, Lehrperson. Erst in der zweiten Klasse wird konkreter auf den Berufsfindungsprozess eingegangen. Jetzt gehe es darum, einen Betrieb zu besichtigen, diesen zu erleben und nachzuspüren, was so ein Besuch auslöse. Wichtig sei, einen Einblick zu bekommen und die Arbeitsumgebung wahrzunehmen, so Ursi Deppeler. Am Ende dieses halben ­Tages war deutlich geworden, wie wertvoll solche Begegnungen sind. Schliesslich ist Berufsorientierung kein einmaliger Entscheid, sondern ein Prozess, der erst durch echte Erfahrungen lebendig wird.