Es war und ist ihnen ein Ehrending!

Die Kulturkommission Ehrendingen eröffnete im Gemeindehaus Ehrendingen vor vielen Gästen eine Ausstellung zur langjährigen Dorfzeitung.
Eine kleine Zeitreise im Gemeindehaus. (Bild: eh)

Ehrendingen – «… Der ‹Ehrendinger› – der Titel sagt’s: Wir wollen über unser Dorf berichten, über Wissenswertes, Interessantes und Unterhaltendes aus Kultur, Geschichte und Gegenwart Ehrendingens. Alte Geschichten aufspüren, den Alltag von früher, Entwicklungen in unserem Dorf erforschen, aber auch über Aktuelles berichten, interessante Personen vorstellen – das alles beinhaltet der ‹Ehrendinger› …» (Ausgabe 1, Juni 1998)
Diese nur wenigen Zeilen aus dem Editorial von Claudio Eckmann, einem der Hauptinitianten der Zeitung, bringen es auf den Punkt. Er, mittlerweile 74-jährig, ein bedachter, vifer Geist, aber kein Ur-Ehrendinger, wie er gleich abwinkt. Einfach stark verwurzelt, relativiert er. Alteingesessen waren hingegen Arnold Bächli, Irène Brogli, Jolanda Hasler und Paul Kläusler, er war damals der Neuankömmling in der Redaktion dieses Journals, dessen sämtliche Nummern in der Ausstellung als Wandbilder oder als aufliegende Hefte anzuschauen sind. 
«Am liebsten schreibt Claudio wild fabulierte – wahre und weniger wahre – Geschichten über Ehrendingen und seine Leute. Weil er seinerzeit die Idee zum ‹Ehrendinger› hatte, wird er nun jedesmal zum Schreiben des ­Editorials verknurrt.» Das zitiert der Ehrendinger Gemeindevorsteher für Soziales, Gesundheit und Gesellschaft, Samuel Kamm, bei seiner Eröffnungsrede aus einem ­Redaktionstext des «Ehrendingers». Das gut gelaunte Publikum quittierte es am vergangenen Freitag mit einem Lächeln, der Angesprochene nahm es mit wissendem Kopfnicken entgegen.

Weites Feld von Geschichten rund ums Dorf
Zu finden sind in den Ausgaben zum Beispiel ein Artikel über den brennenden Ölweiher, ein Bericht vom Skilift an der Lägern, ein Porträt über den damals im Volksmund Gipsgruebeheiland genannten Naturschützer und Aussenseiter Urban Frei. Aber auch die Geschichte der Dorflehrerin Julia Jakob, die 1921 als Seminarabgängerin an die Schule Ehrendingen kam, 40 Jahre lang blieb und über diese Zeit ein Buch mit dem Titel «Mein kleines Dorf» schrieb, erst unter einem Pseudonym. Einzelne Texte, gelesen von Karin Knapp-Sutter, können an der Ausstellung mittels QR-Code am Smartphone angehört werden. 

Viel mehr als ein Gemeindeblatt
Die fünf Ehrendinger wollten kein rein informatives Dorf- oder Gemeindeblatt schreiben. Diese Zeitung war für sie eine Herzensangelegenheit, sie wollten packende Geschichten aufgreifen und diese weitergeben. «Ich habe dabei schon am Karren gezogen. Viele dachten, ihnen gingen bald einmal die Themen für das zweimal im Jahr erscheinende Gratisblatt aus, doch das Gegenteil war der Fall: Wir waren nie ausgeschossen, die Redaktionssitzungen wollten öfter fast nicht mehr aufhören, denn am Schluss tauchten immer noch zusätzliche Ideen auf», erläutert Claudio Eckmann auf eine Frage. Für die letzten beiden Ausgaben aber war er dann nach Rücktritten der vier anderen aus Altersgründen plötzlich allein verantwortlich, was «trotz kürzerer Sitzungen dann ehrlich gesagt nicht mehr so lustig war», wie er lakonisch anfügt. Mit der 28. und letzten Ausgabe im Mai 2012 war somit auch der «Ehrendinger» selbst Geschichte. 
Ein Blues (siehe Kasten) ist der seit Ende des Jahres 2025 neu zusammengesetzten Kulturkommission inklusive Gemeinderatsvorsteher bei ihrer ersten gemeinsam konzipierten Ausstellung in keiner Weise anzumerken. Zu hoffen ist, dass das lang so bleibt: Das gilt für Claudio Eckmann, der nach 20 Jahren per Ende des Jahres in seinen Kommissionsruhestand tritt, genauso wie für die verbleibenden Kommissionsmitglieder bei ihren weiteren Projekten. Vielleicht mag sich ja ein kulturinte­ressierter Ehrendinger diesen initiativen Leuten anschliessen? Oder wie Claudio Eckmann es einmal formuliert hat: «So schick di drii – halt au än Ehredinger z sii!»