Vom Stadtraum bis zur Fernwärme

Der Einwohnerrat debattierte fast vier Stunden lang über 14 Traktanden. Dabei stand unter anderem der Stadtraum Bahnhof im Fokus.
Der Einwohnerrat an seiner Marathonsitzung von vergangener Woche. (Bild: eh)

Windisch – Die Einwohnerratspräsidentin Elsbeth Hofmänner begrüsste alle Anwesenden im Einwohnerratssaal. Bei 37 anwesenden Einwohnerräten lag das absolute Mehr bei 19 Stimmen. Und anfangs verlief alles speditiv: Heike Bauer Brösamle von der Grünliberalen Partei wurde mit 36 Stimmen in die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission gewählt. Der Geschäftsbericht 2025, von Gemeindepräsidentin Luzia Capanni als wertvolles Nachschlageinstrument gelobt, wurde vom Rat einstimmig bewilligt.
Erst vor der Genehmigung des Rechnungsabschlusses der Einwohnergemeinde meldeten sich einige Räte. Philipp Umbricht, Gemeinderat Finanzen, zeigte sich über das Ergebnis erfreut. Die Rechnung 2025 schliesst mit einem Gewinn von 658 858 Franken ab. Budgetiert war ein Verlust von 1,343 Millionen Franken. Es sei ein ausgesprochen positives Ergebnis. Das entlaste das Gemeindebudget, ein Ausruhen sei dennoch nicht angesagt.
Er eruierte drei Säulen des Erfolgs: die Mehrerträge durch Steuern, ­etwas Glück (Rückzahlungen, weniger Sozialhilfezahlungen als angenommen) und die Ausgabedisziplin. Mit Blick auf die aktuelle Lage stellte er fest: Die Gemeinde sei einnahmenseitig auf Kurs, ausgabenseitig gebe es aber bereits grössere Abweichungen im gebundenen Pflegebereich. Hier stelle der Kanton Rechnungen, zu denen die Gemeinde nichts zu sagen und die sie nur zu bezahlen habe. Die Jahresrechnung wurde schliesslich einstimmig genehmigt.

Entwicklungsgebiet Stadtraum
Der Stadtraum Bahnhof Brugg-Windisch soll dereinst ein lebendiges, durchmischtes Quartier werden. Der 2019 gestartete Gesamtplanungs­prozess umfasst fünf Phasen. In Phase drei sollen nun die bisherigen Ergebnisse in einem regionalen Sachplan verdichtet und behördenverbindlich festgelegt werden. Mit dem vorliegenden Kreditantrag wird der Mittelbedarf für Phase drei sowie für die vorbereitenden Arbeiten für Phase vier beantragt. Zu diesem für die Gemeinde Windisch eminent wichtigen Thema gab es entsprechend viele Voten. Der allgemeine Tenor war: Ja, aber.
Die Grünen finden die hohe Verdichtung richtig. Aber auch Freiräume seien wichtig. Der Sachplan solle Freiräume, soziale und öffentliche Angebote festlegen. In Bahnhofsnähe sei zudem vom Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr her zu denken und zu planen. Die SP stellt zwei Zusatzanträge, die den Gemeinderat bei den kommenden Verhandlungen zum regionalen Sachplan verpflichten: Er soll sich erstens für eine vernünftige Dichte, abgestufte Höhen, verbindliche Freiräume und möglichst geringe Verkehrsbelastung und zweitens für die Sicherung von Leistungen für Aufgaben der öffentlichen Hand einsetzen. Die EVP sieht im Entwicklungsraum für die Gemeinde Windisch eine existenzielle Wichtigkeit. Aber man müsse weg von der Maximierung hin zur Optimierung. Die Skyline im Modell sei zu massiv. Die SVP stellt zu wenige Parkplätze und Verkehrsanschlüsse fest. Daraus folgert sie eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten. Und auch die FDP erkennt im Areal eine grosse strategische Bedeutung für Windisch. Ein Ja sei aber kein Blankoscheck, es sei ein Ja für den nächsten Schritt. Es werde Mehrverkehr geben, hier benötige es Realismus. Deswegen werden belastbare Annahmen für den motorisierten Individualverkehr gefordert. Es soll zwar ein ökologisch wertvolles, aber ebenso wirtschaftlich realistisch geplantes Quartier werden.
Der Antrag des Gemeinderats, einen Anteil des Verpflichtungskredits für Windisch über 391 500 Franken anzunehmen, wurde schliesslich mit 35 zu 2 Stimmen genehmigt. Die beiden Zusatzanträge der SP wurden mit 22 zu 15 Stimmen ebenfalls gutgeheissen.

Heizung sorgt für Zündstoff
Auch die Genehmigung des Verpflichtungskredits für die Erneuerung des Daches, der Beleuchtung und der Wärmeerzeugung im Werkhof Dägerli sorgte für einige Diskussionen. Reto Candinas, Gemeinderat Planung und Hochbau, stellte das Projekt vor und erklärte, dass die Ölheizung am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sei. Sie soll durch eine Wärmepumpenheizung in einem Anlagen-Contracting-Modell ersetzt werden: Beim Contracting plant, finanziert, erstellt und betreibt ein externer Partner, hier die IBB, die Wärmeerzeugungsanlage, womit die Gemeinde kurzfristig weniger Kapital investieren müsste. Das wäre sinnvoll, falls in etwa zwölf ­Jahren durch die IBB vielleicht eine Fernwärmeleitung gebaut würde, an die der Werkhof dann angeschlossen werden könnte.
Dem Einwohnerrat war diese Idee zu unsicher. Die bessere Dämmung des Daches und die Ersatzbeleuchtung in Höhe von 960 000 Franken wurden zwar einstimmig gutgeheissen, die Erneuerung der Heizung im Umfang von 110 000 Franken mit jährlich wiederkehrenden Contracting-Kosten von 32 500 Franken hingegen klar abgelehnt. Angenommen wurde dafür ein Änderungsantrag der EVP, der für die Erneuerung der Wärmeerzeugung einen Verpflichtungskredit von 300 000 Franken und jährlich wiederkehrende Betriebskosten von 12 000 Franken vorsieht.
Weniger zu diskutieren gab des Weiteren die Regionale Integrationsfachstelle Brugg. Der Gemeinderat zog eine klar positive Gesamtbilanz zur Pilotphase, die in diesem Jahr ­endet. Die vorliegenden Ergebnisse zeigten, dass sich die Fachstelle in der Region erfolgreich etabliert habe und einen nachweisbaren Mehrwert für die beteiligten Gemeinden schaffe. Beide Anträge – die Beteiligung im Regelbetrieb ab 2027 und der Verpflichtungskredit für jährlich wiederkehrende Kosten im Betrag von 26 000 Franken – wurden grossmehrheitlich angenommen.
Um beinahe 23 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Viele Räte stiegen danach die acht Stockwerke des Gemeindehauses gern zu Fuss hinunter und verabschiedeten sich bis zur nächsten Sitzung am 21. Oktober in alle Richtungen, heim ins nächtliche Windisch.