Thalheim – Wer an einem warmen Frühsommertag den Lochhübel oberhalb von Thalheim betritt, spürt sofort, dass dieser Ort mehr ist als ein gewöhnlicher Aussichtspunkt. Die Wiesen öffnen sich weit, der Wind streicht über die Hänge, und irgendwo zwischen Brombeersträuchern, alten Obstbäumen und dem Hof Lochhübel taucht eine Gestalt aus Holz auf. Dann noch eine. Und noch eine. Skulpturen, die mit der Landschaft sprechen.
Ab dem 21. Juni wird dieser Hügel zum Schauplatz einer besonderen Freiluftausstellung: «Objekte in der Landschaft» heisst sie. Rund 30 Holzfiguren hat der Autodidakt Thomas Hochstrasser geschaffen. Figuren, die nicht einfach ausgestellt, sondern in die Landschaft integriert werden. Sie stehen, lehnen, blicken, warten. Und sie verändern den Ort, ohne ihn zu stören.
Roh und poetisch zugleich
«Mir ging es nie darum, die Natur zu übertönen», sagt Hochstrasser im Gespräch. «Ich wollte Figuren schaffen, die mit der Landschaft sprechen, nicht gegen sie.» Seine Werke sind roh und poetisch zugleich: geschnitzt aus Akazien- oder Eichenstämmen, die er im eigenen Wald ausgewählt oder von Nachbarbauern bekommen hat. Die bearbeiteten Stämme weisen oft sichtbare Spuren des Werkzeugs auf, manchmal fast archaisch, manchmal überraschend fein. «Holz lebt, selbst wenn es bearbeitet ist», sagt er. Und: «Was nützen mir die Figuren in der Scheune? Sie gehören nach draussen. Hier reagieren sie auf Sonne, Wind und Regen. Hier werden sie gesehen.»
Ein Weg, der mehr zeigt
Der Figurenweg, der bis zum 22. November frei zugänglich ist, führt über Wiesen und leichte Hänge, vorbei am Brombeerihus und am Hof Lochhübel. Wer ihm folgt, erlebt nicht nur Kunst, sondern auch eine Landschaft, die in ihrer Schlichtheit und Weite berührt. «Wir wollen bewusst darauf hinweisen, wie wertvoll, abwechslungsreich und schön diese Umgebung ist», erklärt Hochstrasser. «Viele Menschen fahren daran vorbei, ohne zu wissen, was für ein Schatz hier liegt.» Die Figuren stehen nicht in Reih und Glied, sondern tauchen auf wie zufällige Begegnungen. Manche wirken wie stille Beobachter, andere wie Reisende, die kurz innehalten. Einige stehen exponiert auf einer Kuppe, andere verstecken sich halb im Gebüsch. Wer den Weg geht, bewegt sich nicht nur durch eine Ausstellung, sondern durch eine Erzählung, die sich mit jedem Schritt verändert.
An vier ausgewählten Sonntagen und nur bei trockener Witterung – am 21. Juni, 28. Juni, 9. August und 27. September – wird der Figurenweg zusätzlich zum Treffpunkt für alle, die Kultur gern mit Gemeinschaft verbinden. Ab 14 Uhr gibt es Getränke und musikalische Klänge. «Es soll ein Ort sein, an dem man gern verweilt», sagt Hochstrasser. «Nicht nur vorbeigeht, sondern bleibt, schaut, redet, diskutiert, hört.» Die Musik ist schlicht gehalten. Akustisch, handgemacht, passend zur Atmosphäre. «Wir bauen keine Bühne in die Landschaft», sagt er. «Die Landschaft selbst ist die Bühne.»
Ein Projekt aus Freundschaft
Gemeinsam mit seiner Frau Susanne Siebenhaar, die seit Jahren kulturelle Projekte in der Region unterstützt, hat Hochstrasser die Freiluftausstellung organisiert. Beide verbindet die Freude daran, Menschen zusammenzubringen, und die Überzeugung, dass Kunst im Freien eine besondere Wirkung entfaltet. «Wir laden alle ein», sagt Siebenhaar, «Familien, Spaziergänger, Interessierte, Nachbarn, Neugierige. Der Weg gehört allen.» «Und die Atmosphäre verändert sich mit den Jahreszeiten», erklärt der 63-jährige Architekt. «Im Sommer stehen die Objekte im satten Grün, im Herbst im goldenen Licht. Das Holz verwittert. Vielleicht fällt Schnee. Jede Woche sieht es anders aus.»
Wer den Figurenweg besucht, erlebt nicht nur Kunst, sondern eine Haltung: die Wertschätzung für Materialien, für Handwerk, für die Natur. «Holz ist ehrlich», sagt Hochstrasser. «Es zeigt, woher es kommt. Und es zeigt, wohin es geht.» Seine Figuren tragen diese Ehrlichkeit in sich. Die meisten davon sind in Menschenform, aber auch abstrakte Figuren oder Fabelwesen finden sich unter den Objekten. Sie stehen im Wind, sie werfen lange Schatten, sie werden nass, sie trocknen wieder. Sie sind Teil der Landschaft und zugleich Einladung, sie neu zu betrachten.
Wenn am 21. Juni die ersten Besuchenden den Weg betreten, beginnt ein Projekt, das weit über diesen Tag hinauswirkt. Es ist eine Einladung, die Natur nicht nur zu durchqueren, sondern sie bewusst zu erleben. «Ich hoffe, dass die Menschen hier oben etwas finden», sagt Hochstrasser. «Vielleicht Ruhe. Vielleicht Inspiration. Vielleicht einfach einen schönen Moment.» Der Lochhübel wird zu einem Ort, an dem Kunst und Umgebung sich gegenseitig verstärken. Man spürt die Kraft von Material und Raum in wundervoller Landschaft.