Abendkonzert auf hohem Niveau

Der vergangene Samstag stand in der Stadtkirche im Zeichen der klassischen Musik. Sechs Musiker spielten Werke von Ravel bis Juon.
Konzert in der reformierten Stadtkirche Brugg. (Archiv: pbe)

Brugg – Am Samstag versammelten sich sechs professionelle Spitzenmusiker im Chorraum der relativ kühlen Stadtkirche Brugg, um ein Programm aufzuführen, das teilweise aussergewöhnlich war – wenn man von der für Bläserquintett und Klavier von Johann Linkelmann arrangierten Version der sehr bekannten «Rhapsody in Blue» von George Gershwin absieht. Denn «Ma Mère l’Oye» von Maurice Ravel, eingerichtet für Bläser mit Klavier, hört man eher selten, ganz zu schweigen vom «Divertimento» für Klavier und Bläserquintett – einem Werk zwischen Spätromantik und Moderne – von Paul Juon, einem russisch-schweizerischen Komponisten und Musik­pädagogen.
Gleich zu Beginn der Darbietung wurde selbst dem kritischen Zuhörer klar, dass hier hochkarätige Musikerinnen und Musiker am Werk waren. So zum Beispiel Urs Gloor an der Klarinette, der unaufgeregt präzis die kniffligsten Passagen bewältigte, unter anderem das berühmte Glissando am Anfang von Gershwins Werk, das selbst Laien geläufig ist. Renato Bizzotto überzeugte mit rhythmisch ziseliertem und engagiertem Spiel auf der Oboe und dem melancholischen Englischhorn, ihrer grösseren Schwester. Julia Benz entwickelte auf dem Horn eine saubere Intonation und präsentierte eine Palette an unterschiedlicher Dynamik, was bekanntlich auf diesem heiklen Instrument nicht immer einfach ist. Sie überzeugte vollends. Dasselbe gilt für Susan Guthauser auf der Flöte und dem Piccolo, die selbst die sehr hohen überstrahlenden Töne ohne Trübungen hielt und so immer sehr präsent die Glanzlichter setzte. In den tiefen Lagen überzeugte Leonardo Bizzotto, der auf seinem Fagott, zusammen mit dem Klavier, die Bassfundamente für die gesamte sehr überzeugende Aufführung legte.
Dass der international bekannte und virtuose Pianist Johannes Friedemann einen wichtigen und markanten Part beisteuerte, wurde vor allem hörbar, wenn er die technisch anspruchsvollen und typischen Klavierkonzertpassagen in Gershwins Werk brillant und kraftvoll interpretierte. Subtil und gut ins Gesamtspiel eingebunden war sein Anteil an den Stücken von Ravel und Juon. Dieser Pianist ist auf dem Weg zu einer internationalen Karriere. Wer ihn als Bach-Interpret schon gehört hat, wird das bestätigen.
Sowohl die Bläsersolisten als auch der Pianist boten dem Publikum am Ende eine unterhaltsame, musikalisch überzeugende Soiree, was dieses mit ausdauerndem Applaus quittierte. Stichworte wären hier: kraftvoller Gesamtklang, wo notwendig, jederzeit gehaltene Intonation und dauerhaft gewährleistete Musikalität und Ausgewogenheit, vermischt mit einer ausgeprägten Virtuosität, hier vor allem des Pianisten. Gern wieder.