Wettingen – An der Finalzeremonie der Schweizer Physikolympiade Anfang März dieses Jahres an der Alten Kantonsschule Aarau erlebte Elihu Bao einen Moment, der seinen Weg prägen sollte: Überraschend erfuhr der Schüler der Kantonsschule Wettingen, dass er sich noch eine Bronzemedaille gesichert hatte und damit zugleich die Qualifikation für die Europäische Physikolympiade (Eupho).
Mitte Juni reiste der junge Schüler deshalb ins schwedische Göteborg, wo vom 12. bis 16. Juni die Eupho stattfand. Dort trat Elihu Bao als Teil der Schweizer Delegation gegen rund 200 Nachwuchstalente aus über 40 Nationen an. Der Wettbewerb verlangte in einer theoretischen und einer experimentellen Prüfung vertiefte Kenntnisse beispielsweise in Mechanik, Thermodynamik und Akustik. Elihu Bao konnte schon in früheren Jahren an Schulolympiaden Erfolge feiern, und auch dieses Jahr ist er viel unterwegs: Neben seinem Auftritt in Göteborg wird er die Schweiz an den Schulolympiaden in Wirtschaft und in Linguistik vertreten.
Aus Neugier wird Leidenschaft
Elihu Baos Interesse an der Physik entstand ursprünglich aus dem Wunsch, zu reisen und die Welt zu sehen. In den Sommerferien 2025 brachte er sich die Grundlagen selbst bei. Zunächst wegen einer geplanten Schwedenreise, dann aus echter Faszination. «Ohne diese Begeisterung hätte ich mich kaum im Selbststudium bis zum Eupho-Niveau motivieren können.» Besonders beeindruckt hat den 18-Jährigen die Allgegenwärtigkeit der Physik. «Jede Alltagsbeobachtung lässt sich fundamental erklären. Von Noise-Cancelling-Kopfhörern bis zu Mikrowellen. Die Physik eröffnet eine völlig neue, analytische Perspektive auf die Welt.»
Die Tage in Göteborg waren geprägt von zwei intensiven Prüfungen sowie von Exkursionen, Bootsfahrten und Begegnungen mit Jugendlichen aus aller Welt. «Auch wenn das schwedische Wetter nicht ganz nach meinem Geschmack war, konnte ich viel entdecken», berichtet Elihu Bao.
Die Theorieprüfung empfand er als sehr anspruchsvoll. «Die Aufgaben werden auf das absolute Minimum reduziert. Man muss selbst die relevanten Formeln ableiten.»
Unvergessen bleibt die Experimentalprüfung: Mit winzigen Lautsprechern sollten Kügelchen und Tröpfchen durch akustische Wellen schweben. «Es ist verblüffend, so ein theoretisches Phänomen in der echten Welt zu beobachten.»
Internationaler Austausch
Vorbereitet hat er sich zum grössten Teil selbstständig. Lektionen auf den sozialen Medien und ein freiwilliger Vorbereitungskurs an der Kantonsschule Wettingen halfen ihm dabei. «Die wichtigste Ressource war für mich aber künstliche Intelligenz (KI)», sagt er. «Ich habe mir von Modellen wie Gemini unzählige Aufgaben und Erklärungen generieren lassen. Wie ein interaktiver Coach.»
Vor allem schätzt Elihu Bao den sozialen Aspekt der Schulolympiaden. «Man weiss, dass das Gegenüber die gleiche Leidenschaft teilt», sagt er. In Schweden blieb ihm ein Moment in besonderer Erinnerung: Am Abend zwischen den Prüfungstagen schauten etwa 20 Teilnehmende aus verschiedenen Ländern gemeinsam das WM-Fussballspiel Schweiz – Katar. «Das war unglaublich verbindend.»
Alltag zwischen Schule, Freizeit und Wettbewerb
Unterschiede zwischen Ländern sieht er hauptsächlich in der Förderung. «In der Schweiz basiert vieles auf Freiwilligenarbeit. In anderen Ländern ist die Vorbereitungsarbeit hoch professionalisiert. In China trainieren Teilnehmende teilweise jahrelang für einen einzigen Wettbewerb und können Aufnahmeprüfungen überspringen.»
Und wie vereint Elihu Bao Schule, Vorbereitung und Freizeit? «Meine Freizeit und mein Freundeskreis sind meine Prioritäten», sagt der 18-Jährige. Er lernt meist dann, wenn er sonst nichts Produktives tun würde, und arbeitet in der Schule effizient, um sich Raum für eigene Projekte zu verschaffen. Unterstützung erhält er von seiner Familie und von der Schule.
Neben Physik nimmt Elihu Bao an Olympiaden in Wirtschaft und Linguistik teil. Gemeinsamkeiten sieht er viele: «Alle Olympiaden verlangen logisches Denken und selbstständiges Problemlösen.» Während Physik und Wirtschaft theoretisches Wissen mit komplexen Aufgaben verbänden, fasziniere ihn an der Linguistik die reine Mustererkennung. Wohin ihn sein Weg führe, sei noch offen. «Ich möchte die Welt sehen und nicht für immer an einem Ort bleiben.» Klar ist jedoch sein nächstes Ziel: ein Studium in den USA, um seinen Horizont zu erweitern. Sein Rat an Jugendliche: «Bringt es euch selbst bei! Mit Internet und KI hat man im Grunde immer einen persönlichen Tutor dabei.»