Leistung steigt im zweistelligen Bereich

Zur Sicherung der Stromversorgung investieren Axpo und AEW Energie mehr als 100­ Millionen Franken in das ­Aarekraftwerk Klingnau.
Arbeitsbereich unter dem künftigen Fuss- und Veloweg.(Biler: pg)

Region – Das von 1931 bis 1935 an der Aare zwischen Klingnau und Koblenz erstellte Laufwasserkraftwerk soll in den kommenden Jahren umfassend ­erneuert werden. Bis 2031 sollen in die Anlage, die im Schutzgebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturschutzdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist, rund 105 ­Millionen Franken investiert werden. André Kaufmann, Betriebsleiter des Aarekraftwerks in Klingnau, gewährte während einer Medienführung am 25. Juni einen vertieften Einblick in die geplanten Arbeiten.
Das Aarekraftwerk Klingnau ist ein Partnerwerk von Axpo (60 Prozent) und AEW Energie AG (40 Prozent). Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Turbinen und Generatoren soll die gesamte Anlage ertüchtigt werden, zumal mit der Neukonzessionierung des Kraftwerks im Jahr 2015 durch die Aarekraftwerke Klingnau AG die Verpflichtung eingegangen wurde, den Betrieb der Anlage bis 2075 sicherzustellen.

Der Betriebsleiter des Aarekraftwerks, André Kaufmann, erläutert das geplan-
te Vorgehen. (Bilder: pg)

Operation am offenen Herzen
In den vergangenen 90 Jahren hat das Aarekraftwerk pro Jahr durchschnittlich 210 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom produziert. Mit dem geplanten Ersatz der drei Generatoren und der Revision der drei Turbinen wird die hohe Verfügbarkeit des Kraftwerks weiter gestärkt. Zudem können die revidierten Turbinen mehr Wasser für die Stromproduktion verarbeiten, was eine durchschnittliche Erhöhung der Jahresproduktion um 11 Prozent auf 230 Millionen Kilowattstunden bringt. Das entspricht dem Strombedarf von über 55 000 Vierpersonenhaushalten.
Nach über 90 Jahren Schwerstarbeit hat die Technik trotz stetem Unterhalt ihre Grenzen erreicht. «Bei den Generatoren haben Stator- und Rotorwicklungen ihre technische ­Lebensdauer überschritten. Bei den Turbinen sind Bauteile nach der langen Betriebsdauer verschlissen. Das Projekt hält einige Herausforderungen bereit», erklärte André Kaufmann auf dem Rundgang.
«Die Maschinengruppen, also die Turbinen und Generatoren mit einem Gewicht von etwa 180 Tonnen, werden zum ersten Mal nach 90 Jahren Betrieb in die Maschinenhalle hochgezogen, abtransportiert und später wieder in die Halle transportiert und eingesetzt. Das erfordert den Ersatz der beiden Krane im Maschinensaal, die für diesen Arbeitsschritt gekoppelt werden müssen», so André Kaufmann weiter.

Monatelange Pause
Dabei dürften die engen Platzverhältnisse im einstelligen Zentimeterbereich zwischen Turbinen und Hallenwand eine der grösseren Herausforderungen sein, zumal die neuen Maschinen rund 190 Tonnen wiegen. Die Arbeiten werden gestaffelt vorgenommen, was einer Operation am offenen Herzen gleichkommt. Es wird immer nur an einer der drei Maschinengruppen gearbeitet. Die anderen beiden Kaplan-Turbinen, durch die bei Volllast in der Sekunde bis zu 270 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fliessen, bleiben in Betrieb und produzieren weiterhin Strom.
Jede Maschinengruppe wird während etwa 15 Monaten ausser Betrieb sein, da nach dem Wiedereinbau eine Testphase vorgesehen ist. Der Ausbau der ersten Turbine erfolgt im kommenden November. Das ganze Unterfangen wird ungefähr sechs Jahre in Anspruch nehmen, sodass das Kraftwerk 2032 wieder den Vollbetrieb aufnehmen kann. Investiert wird aber ebenso in die Leittechnik, die Spannungsregler, Turbinenregler und die Eigenbedarfsversorgung.

Der Blick in die Maschinenhalle offenbart die engen Platzverhältnisse

Verbindende Wanderroute
Die Rechenelemente und Querverbindungen sind stark abgenutzt. Um den Weiterbetrieb zu sichern, müssen die Rechen ersetzt und Armaturen mit einem Korrosionsschutz versehen werden. Revidiert werden ausserdem die Dammbalkenarmaturen sowie die Stauwehrschützen, mit denen der Wasserdurchlass reguliert werden kann. An diesen Bauteilen nagte der Zahn der Zeit, was das Sandstrahlen und Malerarbeiten nach sich zieht. Nachdem diese Arbeiten auf einem Bildschirm hatten verfolgt werden können, zeigte sich ein Berufstaucher in seiner Ausrüstung an der Wasseroberfläche.
Zurzeit verläuft der etwa vier Meter breite Aargauer Wanderweg über die oberwasserseitige Brücke zwischen dem Maschinenhaus und dem Rechen. Der Weg wird von der Bevölkerung auch als beliebte Verbindung mit dem Fahrrad zum Bahnhof Klingnau genutzt. «Das führt zu einem Sicherheitsrisiko mit der dort installierten Rechenreinigungsmaschine bei der Entfernung von Schwemmholz, zum Beispiel nach Starkregen, was oft den Einsatz von schwerem Gerät nach sich zieht, sowie beim Setzen der Oberwasserdammbalken bei Revisionsarbeiten an den Maschinengruppen», so André Kaufmann.
Gegenüber diesen Arbeiten fehlt seitens der Schaulustigen oft der nötige Respekt. Um die Sicherheit zu erhöhen und die aus dem Konzessionsprojekt noch offene Massnahme betreffend Biberaufstiegsrampe zu realisieren, wird der öffentliche Gehweg auf die Trafobrücke nördlich des Maschinenhauses verlegt. Durch einen Zaun soll das Werksgelände vom öffentlichen Raum abgegrenzt