Der Wettinger Marcel Büchi hat das Schreiben vor vielen Jahren für sich entdeckt. Während seiner Karriere als Informatiker verfasste der studierte Elektrotechniker nebenher vornehmlich Fachartikel. Schon damals keimte in ihm die Idee, eines Tages eine ganze Geschichtensammlung zu schreiben. Nach seiner Frühpensionierung vor bald einem Jahre fand er Zeit und Musse, sich dem Vorhaben zu widmen.
Für Geschichte, historische Romane, Comics und Filme sowie alles, was mit Abenteuer, Fantasy und Science-Fiction zu tun hat, interessiert sich der 1964 geborene Marcel Büchi seit seiner Jugend. Beim ersten «Star Wars»-Film, der 1977 in die Kinos kam, war es um ihn geschehen. Nach einem geeigneten Genre für seine Anthologie brauchte der langjährige und eingefleischte «Star Wars»-Fan deshalb nicht lang zu suchen. Als Marcel Büchi die ersten Geschichten für sein Buch zu Papier brachte, hatte er noch keine grossen Erwartungen an das Endresultat seiner Bemühungen. «Ich erhoffte mir ursprünglich, dass ich wenigstens auf 100 Seiten komme», sagt er.
Gewinnbringende Vorarbeit
Er sei selbst überrascht gewesen, wie gut ihm das Schreiben letztlich von der Hand gegangen sei. Innert weniger Monate entsprangen seiner Feder etliche Kurzgeschichten. Zusätzlich zu einigen älteren Texten, die er für das Buch überarbeitet und weiterentwickelt hat, kommt Marcel Büchi so auf 27 Geschichten, die auf den 288 Seiten seines Science-Fiction-Debüts erzählt werden.
Eine Geschichte entstammt beispielsweise Marcel Büchis zweibändiger Comicserie Nova. Sie spielt in einer postapokalyptischen Zeit in der Schweiz und in Europa im Jahr 2052. Darin sucht die 15-jährige Nova in einer Welt, die mit zunehmend extremen Folgen des Klimawandels zu kämpfen hat, nach ihrer Mutter und einer Zukunft für alle überlebenden Lebewesen. In dem Szenario hat sich die Erde durchschnittlich um 3,4 Grad Celsius erwärmt – mit katastrophalen Folgen für die meisten Lebewesen.
Einschneidender Arztbesuch
Doch bevor Marcel Büchi die Arbeit an seinem neuen Erzählband weiter vorantreiben konnte, ereilte ihn ein Schicksalsschlag. Geplagt von anhaltenden Gleichgewichtsproblemen, liess er sich im Herbst 2025 medizinisch untersuchen. «Es wurde festgestellt, dass ich noch 30 bis 40 Herzschläge in der Minute hatte», erklärt Marcel Büchi. Weil das ein viel zu tiefer Wert ist, wurde er direkt ins Spital überführt, wo ihm in einer Notoperation ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde. «Danach war ich ans Bett gefesselt», erinnert sich Marcel Büchi. «Ich habe dann während der Genesung begonnen, meine Situation in einer Geschichte zu verarbeiten, die nun ebenfalls Teil des Buches ist.»
Nach seiner Genesung setzte Marcel Büchi die Arbeit an seinem Buch fort und war Ende des Jahres so weit, sich einen Verlag zu suchen. «Das war nicht einfach», gesteht er. «In der Schweiz ist es nicht einfach, Science-Fiction – besonders in Kurzgeschichten – zu vermarkten.»
Fündig wurde Marcel Büchi schliesslich beim kleinen basel-landschaftlichen Verlag Riverfield, der sich unter anderen Sparten auch auf Fantasy-Literatur spezialisiert hat. Rückblickend sei es harte Arbeit gewesen, sein Buch bis zur Publikationsreife zu bringen, resümiert der Autor: «Ich würde es als Zangengeburt beschreiben, bin aber sehr glücklich damit, wie das Buch am Ende geworden ist.»
Düstere Aussichten
«Abgespaced: Geschichten aus der Zukunft» erschien Ende Juni im Riverfield-Verlag. Die Geschichten darin handeln von mysteriösen Begegnungen und technologischen Entwicklungen und befassen sich mit gesellschaftlichen Umbrüchen, moralischen Konflikten und den möglichen Zukunftsperspektiven der Menschheit. Dabei verbindet Marcel Büchi fiktionale Elemente mit autobiografischen und zeitgeschichtlichen Bezügen und entwirft eine Vielzahl unterschiedlicher Zukunftsszenarien, bei denen die menschliche Zivilisation oft nicht gut wegkommt. «Es ist aber nicht alles destruktiv», verspricht der Autor, «die Geschichten haben ab und zu ein Happy End.» Die Schauplätze reichen von Orten in der Region und auf der Erde über den Mond und die Milchstrasse bis nach Alpha Centauri und in die Weiten des Universums. Zeitlich bewegen sich die Geschichten von der nahen Zukunft ab dem Jahr 2028 bis zu Szenarien, die mehr als 181 Millionen Jahre in der Zukunft liegen.
Dabei erstrecken sich die Geschichten auch über zahlreiche Subgenres der Science-Fiction, vom Actionthriller über die Dystopie, den Erstkontakt und die Utopie bis zum Weltraumkrimi. Gemeinsam ist den Erzählungen die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich technologische, gesellschaftliche und ökologische Entwicklungen auf den Menschen und seine Zukunft auswirken könnten.
Handeln für eine bessere Zukunft
Ausgehend von seinen Beobachtungen und den gegenwärtigen technologischen und gesellschaftlichen Trends entwickelt Marcel Büchi zahlreiche mögliche Zukunftsszenarien. Oft ist der Mensch darin selbst die grösste Gefahr für das Fortbestehen der Menschheit, sei es durch Eigennutz, moralisches Versagen oder den unkontrollierten Einsatz technologischer Möglichkeiten.
Wie bereits erwähnt, malt das Buch jedoch keineswegs nur schwarz. Ein Teil der Geschichten widmet sich weniger der Zukunft als vielmehr philosophischen Fragen, während wieder andere Texte in erster Linie spannend und unterhaltend sein sollen. Insgesamt präsentiert «Abgespaced» keine einheitliche Zukunftsvision, sondern eine grosse Vielfalt möglicher Welten und Entwicklungen. Denn schliesslich ist die Zukunft nicht vorherbestimmt, sondern Ergebnis von vergangenen und heutigen Entscheidungen, Entwicklungen und Handlungen.