«Schreiben ist autobiografisch»

Der Ennetbadener Thomas Greber spielt gern mit ­Sprache und legt mit «Nebel am Hang» seinen ersten ­Roman vor.
«Nebel am Hang» ist der erste Roman des Ennetbadener Autors Thomas Greber. (Bild: sim)

Ennetbaden – Der Ennetbadener Lehrer und Autor Thomas Greber feiert diese Woche seinen 50. Geburtstag. Ein ausser­gewöhnliches Geschenk hat er sich gleich selbst gemacht. Vor Kurzem erschien sein drittes Buch und erster Roman «Nebel am Hang» im Ennet­badener Verlag Ars remata. Rund vier Jahre liege zwischen dem Beginn der Arbeit und dem Erscheinen des ­Buches. «Es war eine spannende und intensive Erfahrung», meint Thomas Greber rückblickend. «Ich bin sehr glücklich damit, wie das Buch am Ende herausgekommen ist.»
Thomas Greber wuchs in Wettingen auf, mit Blick auf den Lägernhang, dem er in seinem neuen Buch ­einiges Gewicht einräumt. Er besuchte die Schule in Wettingen und die Kantonsschule Baden, bevor er in Zürich Germanistik und Romanistik studierte. Es folgten längere Aufenthalte in Australien und Frankreich, bevor er nach Lenzburg zurückkehrte und eine Stelle als Lehrer antrat. Das Schreiben hat er vor bald zwei Jahrzehnten als Leidenschaft für sich entdeckt. Vornehmlich verfasste er Kurzgeschichten und Gedichte. Dabei geniesst er in erster Linie das Spiel mit der Sprache und den Abwechslungsreichtum, den ihm das Schreiben ­bietet.
Thomas Grebers Prosadebüt ­«Alphabet der Schweiz» (2018) bestand entsprechend aus 26 Kurzgeschichten zu je einem Ort in allen 26 Kantonen der Schweiz. 2022 doppelte er mit «Buchstaben im Winterschlaf» nach, das neben Geschichten auch Gedichte enthält.

Erkenntnisreiche Rückkehr
Ebenfalls vor vier Jahren zog Thomas Greber mit seiner Familie in die Region und lebt seither mit seiner Frau und seiner Tochter in Ennetbaden.
Nach jahrzehntelanger Abwesenheit und mit dem Blick eines Auswärtigen stellte Thomas Greber bei seiner Rückkehr fest, wie viel ihm diese Region tatsächlich bedeutet. «Ich bin im Schatten der Lägern aufgewachsen. Damals habe ich aber nicht geahnt, wie sehr mich das prägen würde. Der Umzug nach Ennetbaden war für mich wirklich ein Heimkommen, und es wurde mir erst dann bewusst, wie schön die Region ist – auch landschaftlich», sinniert Thomas ­Greber.
Seine neu entdeckte Verbundenheit widerspiegelt sich in «Nebel am Hang». Neben dem Lägernhang, der nicht nur im Titel des Buches vorkommt, dienen Orte in Baden und der Umgebung als Schauplätze für Thomas Grebers Erzählung über Freundschaft und Liebe. «Am realistischsten kann man über Dinge schreiben, die man selbst kennt», ist er überzeugt. An diesen Grundsatz hält er sich auch bei seiner neuesten Erzählung.
Einer der zwei Protagonisten des Buches, Daniel Winter, ist – genau wie Thomas Greber selbst – Lehrer, Familienvater und Autor, der gerade an seinem dritten Buch arbeitet. «Daniel Winter hat beim Schreiben die Lägern im Blick, genau wie ich», ergänzt er. «Allerdings ist Daniel Winter dennoch eine fiktive Person, wie jene, die mich gut kennen, wohl feststellen werden.» Das Spiel mit Realität und Fiktion ist für den Ennetbadener ein weiterer ­Aspekt, der das Schreiben reizvoll macht. «Jedes kreative Schreiben ist auf gewisse Weise autobiografisch», ist sich Thomas Greber bewusst.
Der zweite Protagonist in seinem Freundschaftsroman ist der fussballbegeisterte Carlos. Daniel Winters Schreibblockade und der unerfüllte Kinderwunsch von Carlos und seiner Partnerin Stefanie sind Ausgangspunkt der Erzählung, in deren Verlauf ein ungeheuerliches Vorkommnis das Leben der beiden Freunde auf den Kopf stellt.

Ennetbadener Kooperation
Dass «Nebel am Hang» diesen Frühling überhaupt erschien, ist Folge einer glücklichen Fügung. «Ich hatte anfangs grosse Schwierigkeiten, einen Verlag für mein Buch zu finden», erklärt Thomas Greber. «Nur durch ­Zufall stiess ich auf den Verlag Ars ­remata, der ebenfalls in Ennetbaden beheimatet ist.» Bei dem noch relativ jungen Verlag fand Thomas Greber eine Heimat für sein neuestes Werk. Die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team um den Verleger und ­Augenarzt ­Armin Junghardt sei von Beginn an kons­truktiv und fruchtbar gewesen.
Mit Erscheinen des Buches ist die Arbeit aber keineswegs getan. Dessen ist sich Thomas Greber bewusst: «Es werden unglaublich viele Bücher pu­bliziert. Wenn man mit einer Geschichte Erfolg haben will, muss man selbst aktiv werden.» Zum Glück schätzt Thomas Greber den persön­lichen Kontakt und Austausch mit seiner Leserschaft. Um diesen zu pflegen, ist er am 3. Mai für eine Lesung zu Gast im Ennetraum. Genauso wird er am 9. Mai im Rahmen des Frühlingsmarkts auf dem Postplatz in ­Ennetbaden am Stand des Verlags Ars remata anzutreffen sein.
Dass Thomas Greber sich weiterhin dem Schreiben widmet, steht für ihn ausser Frage. Wohin die literarische Reise gehen soll, weiss er hingegen noch nicht. «Es würde mich reizen, ein historisches Thema zu erarbeiten. Vielleicht ergibt sich aber auch etwas ganz anderes», meint er. «Auf jeden Fall möchte ich wieder Neues ausprobieren.»

Sonntag, 3. Mai, 10 Uhr
Ennetraum, Badstrasse 8, Ennetbaden