Würenlos – Die Traktandenliste für die Einwohnergemeindeversammlung in Würenlos letzte Woche war befrachtet. Die Versammlung hatte nicht nur über einen neuerlichen Kredit für die Überarbeitung der Revisionspläne der Allgemeinen Nutzungsplanung zu befinden, daneben standen mitunter die Erweiterung des Sportplatzes Tägerhard um einen Kunstrasenplatz sowie die Verlängerung des Perrons und die teilweise Überdachung des Bahnhofs Würenlos zur Debatte.
Schon zu Beginn wohnten 357 der 4448 stimmberechtigten Würenloserinnen und Würenloser der Versammlung bei. Im Verlauf des Abends stieg diese bereits stattliche Zahl auf 367 Teilnehmende.
Beinahe schuldenfrei
Am Anfang der Versammlung standen allerdings das Protokoll der Wintergemeindeversammlung und der Rechenschaftsbericht auf dem Programm, die beide mit grosser Mehrheit genehmigt wurden.
Anschliessend stellte Gemeinderat Lukas Wopmann die Rechnung 2025 vor. Diese schliesst mit einem Gewinn von gut 2 Millionen Franken. Budgetiert war ein Gewinn von etwa 1 Million Franken. Das gute Ergebnis ist vor allem auf unerwartet hohe Steuereinnahmen zurückzuführen, die mit rund 25,25 Millionen Franken etwa 1 Million Franken höher als erwartet ausfielen. Höhere Kosten für die Pflegefinanzierung und die Spitex-Leistungen sowie die über dem Budget liegenden Personalkosten wurden davon mehr als ausgeglichen. Genauso trugen unerwartet tiefe Ausgaben für die Sozialhilfe zu dem guten Ergebnis bei.
Dank diesem Finanzierungsüberschuss reduziert sich die Verschuldung in Würenlos erneut und beträgt neu 39 Franken pro Kopf. Vor fünf Jahren hatte diese noch bei über 1700 Franken pro Einwohnerin und Einwohner gelegen. Die Rechnung 2025 wurde ohne Gegenstimmen angenommen.
Sport mit Zukunft
Für mehr Emotionen sorgte die Debatte um die Erweiterung der Sportanlage Tägerhard. Der Bedarf der Würenloser Sportvereine – allen voran des Fussballclubs SV Würenlos – für einen zusätzlichen Fussballplatz war zwar grundsätzlich unbestritten. Weil der neue Kunstrasenplatz jedoch mit 3,84 Millionen Franken zu Buche schlagen soll, stellte sich der Gemeinderat gegen den Kreditantrag, und auch die Finanzkommission äusserte Bedenken. Der Gemeinderat sei der Meinung, dass andere Projekte gegenwärtig wichtiger seien, erklärte Finanzvorsteher Lukas Wopmann.
Die Mehrheit der Versammelten folgte dieser Argumentation allerdings nicht. Entgegen den Wünschen des Gemeinderats sprach sich die Versammlung in der Schlussabstimmung mit 263 Ja- gegen 70 Nein-Stimmen für den zusätzlichen Sportplatz aus. Die gegenwärtig gute Finanzlage der Gemeinde sowie die Lage der örtlichen Sportvereine trugen wohl massgeblich zu der Entscheidung bei. Weil die Kapazitäten der vorhandenen Sportanlagen in Würenlos den Bedarf seit Jahren nicht zu decken vermögen, müssen Sportvereine ihre Trainings regelmässig ausserhalb von Würenlos durchführen. Der neue Kunstrasenplatz dürfte insbesondere dem SV Würenlos zugutekommen, bei dem aufgrund der Kapazitätsengpässe gegenwärtig etwa 40 Kinder auf der Warteliste stehen, die im Dorf nicht ihrem Wunschhobby nachgehen können.
Um die Bedenken des Gemeinderats wegen der hohen Kosten für den Kunstrasenplatz zu entkräften, hatte der neue Präsident des SV Würenlos, Daniel Sieber, erfolgreich den Antrag gestellt, dass der Gemeinderat ein separates Gremium einsetzen solle, das sicherstelle, dass mögliche Kostenoptimierungen geprüft und in der Planung berücksichtigt würden. Läuft alles nach Plan, soll der neue Kunstrasenplatz im Sommer 2028 in Betrieb genommen werden können.
Perrondach gestrichen
Noch vor dem Kreditantrag für den neuen Fussballplatz behandelte die Gemeindeversammlung den künftigen Kiesabbau im Gebiet Tägerhard, wo die Gemeinde Wettingen ein Kieswerk betreibt. Gegenwärtig wird der Kies dafür im Gebiet Lugibach abgebaut, das aber bald erschöpft sein wird. Damit der Abbau nahtlos fortgesetzt werden kann, beschloss die Versammlung letzte Woche eine Teilzonenplanänderung, dank welcher der Kies künftig im benachbarten Abbaugebiet Bifig/Flüefeld gewonnen werden kann.
Des Weiteren hatte sich die Versammlung erneut mit einem älteren Geschäft zu befassen. Schon vor einem Jahr beschloss die Gemeindeversammlung die Verlängerung des Bahnsteigs am Bahnhof Würenlos und gleichzeitig eine Teilüberdachung des Perrons. Für Letztere waren rund 350 000 Franken vorgesehen. Weil die Realisierung des Daches in den von den SBB vorgeschlagenen Varianten mindestens das Zweifache davon kosten sollte, wurde es nun wieder aus dem Projekt gestrichen. Die Versammlung sprach sich mit grosser Mehrheit gegen den beantragten Zusatzkredit aus. Die eigentlich für das Dach vorgesehenen Mittel sollen nun dazu verwendet werden, die Fussgängerrampe mit einer Heizung auszustatten, welche die Sicherheit des Zugangs bei Schnee und Eis verbessern soll.