Der Dorfladen ist im Aufwind

Dem unterwindischer Dorf­laden geht es weit besser als noch im Herbst. Der zuständige Verein bereitet sich derweil für die Zeit nach 2032 vor.
Der «Treffpunkt» in Unterwindisch. (Bild: leh)

Windisch – Im vergangenen September war die Stimmung im Quartierladen «Treffpunkt» noch getrübt. Der Ladenbetreiber Koljo Tancev berichtete von fehlenden Umsätzen. Um rund 15 Prozent lagen sie ein Jahr nach der Eröffnung unter dem Soll, von der Zielsetzung von etwa 70 000 Franken Umsatz pro Monat und von Schwarzen Zahlen war Tancev ein ganzes Stück entfernt. Die Pensen der Mitarbeitenden hatte er bereits reduziert.

Acht Monate später scheint er das Ruder nun umgerissen zu haben. Ein gut gelaunter Tancev spricht gegenüber dem «General-Anzeiger» von deutlich gestiegenen Umsätzen. Bis zu 30 Prozent mehr als im Herbst sollen es an guten Tagen sein.

Bioprodukte und Regionales
Tancev sieht den Hauptgrund für die besseren Umsätze im Sortiment, das er optimiert habe. Er biete immer mehr Bio und Demeter sowie Regionales an. «Und das kommt bei der Kundschaft sehr gut an», so Tancev. Er verkaufe zum Beispiel Produkte vom Hof Wildenau im Freiamt, Süssmost vom Lindhof in Windisch, dazu Käse, Saucen und Fleisch von weiteren regionalen Anbietern oder Blumenarangements der Unterwindischer Journalistin und Floristin Penelope Kühnis.

Auch beim Wein habe der Ladenbetreiber sein Sortiment radikal umgestellt und viel mehr Produkte von lokalen Winzern ins Sortiment genommen, ergänzt Conrad Stoll vom zuständigen Verein Quartierladen
Unterwindisch. «Die Menschen im Quartier fühlen sich mit ihren Ansprüchen und Bedürfnissen deshalb ernst genommen und kommen gerne im Dorfladen einkaufen.»

Dass Herkunftsgerechtigkeit die Bindung zur Kundschaft stärkt, sieht auch Margrit Schaller vom Vereinsvorstand so: «Es besteht eine grosse Nachfrage nach Bioprodukten und Produkten aus der näheren Umgebung. Die Kundschaft schätzt das Angebot sehr», sagt sie.

«Mit Herzblut dabei»
Der Erfolg des Quartierladens hat laut Vereinsvorstand auch mit der Person des Ladenbetreibers zu tun. «Koljo Tancev hat unter Beweis gestellt, dass er mit Herzblut dabei ist», sagt Conrad Stoll. Entsprechend gross sei unterdessen das Commitment der Dorfbevölkerung. Man kenne Tancevs Gesicht, er sei eine regelrechte Identifikationsfigur im Quartier geworden – und auch die Kinder hätten eine Beziehung zu ihm aufgebaut. «Kürzlich kam eine Kindergärtnerin mit ihrer Klasse in den Laden, und die Kinder erzählten mir, sie würden selber Pizza machen», erzählt Tancev. «Ich sagte zum Spass, dass ich dann aber ein Stück haben wolle – und am Nachmittag brachten sie mir prompt eine Pizza im Laden vorbei.»

Ladenbetreiber Koljo Tancev (im Bild links) mit Conrad Stoll vom Vereinsvorstand. (Bild: leh)

Lehrling ab 2027
Nach dem Turnaround ist Tancev nun daran, das Team und den Service auszubauen. Er hat sich als Lehrlingsausbildner schulen lassen und plant, ab 2027 einen Lehrling im Team aufzunehmen. Eine neue Aushilfe für den Samstag hat er bereits eingestellt. Ausserdem will Tancev eine neue Website und einen Hauslieferdienst aufbauen.

Der Verein plant seinerseits für die Zeit nach 2032, wenn das Provisorium in der ehemaligen Tennishalle, in dem sich der «Treffpunkt» befindet, verschwindet und der Pachtvertrag ausläuf. An seiner nächsten Mitgliederversammlung im Juni will der Verein über die weitere Zukunft des Ladens diskutieren. «Und wir haben Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen, um unser Interesse an einem Weiterbestand im Quartier zu bekunden», sagt Stoll. «Wir werfen in die Waagschale, dass dieser Laden in Unterwindisch einem echten Bedürfnis entspricht und in der ganzen Entwicklungsplanung des Quartiers berücksichtigt werden sollte.»

Am 1. Juni habe der Vorstand ein erstes Gespräch mit der Gemeinde, so Stoll. «Wir stehen aber noch ganz am Anfang des Prozesses. Es geht nicht darum, bereits Nägel mit Köpfen zu machen, sondern unser Anliegen auf politischer Ebene zu deponieren – für die Zeit, in der die Parzelle eine neue Nutzung bekommen wird.» Ideal wäre laut Stoll, wenn der Laden in einer neuen Lokalität auf dem jetzigen Areal bleiben könnte.