Mehr Nachhaltigkeit, weniger Parkierchaos

Am 12. Mai fand im Salzhaus eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Parkierungsreglement in Brugg statt.
Präsentierten Interessierten das neue Parkierungsreglement: Barbara Horlacher (rechts) und Daniela Nay. (Bild: eh)

Brugg – Alle, die sich mit wachem Blick durch Brugg bewegen, kennen es: Der Parksuch- und Pendlerverkehr ist enorm, der dadurch entstehende Ausweicheffekt zwischen den Quartieren ein Ärgernis. Das bisherige Parkierungsreglement aus dem Jahr 1998 ist aufgrund des starken Wachstums von Brugg und wegen den veränderten Mobilitätsbedürfnissen nicht mehr zeitgemäss. Dem soll mit einer Totalrevision des Parkierungsreglementes begegnet werden. Dieses wurde von Frau Stadtammann Barbara Horlacher und der Vorsteherin der zuständigen Fachabteilung Planung und Bau, Daniela Nay, erläutert.

Gegenwärtig gibt es im Gemeindegebiet von Brugg und Villnachern rund 3100 öffentlich zugängliche Autoparkplätze der verschiedensten Kategorien. Diese sind gemäss einer Stichprobenerhebung in den einzelnen Brugger Quartieren sehr unterschiedlich ausgelastet. Aus zeitlich beschränkten Blauen Zonen im Grüt- und Bilanderquartier werde beispielsweise oft auf das Altenburg- und Bodenackerquartier mit unbeschränkter Parkdauer ausgewichen, was unnötigen Ausweichverkehr generiere, erklärte Horlacher.

Dazu komme, dass die Parkhäuser Eisi und Neumarkt mit knapp 1000 Parkplätzen durchschnittlich lediglich zu etwa fünfzig Prozent ausge­lastet seien. Das neue Parkierungs­reglement soll nun die Grundlage einer modernen, einheitlichen und nachhaltigen Parkraumbewirtschaftung bilden, welche den öffentlichen Parkraum effizient und bedarfsgerecht nutzen helfe. Geschehen soll dies hauptsächlich mittels einer neu geschaffenen Parkierungsverordnung.

Weniger oberirdisches Parkieren
Künftig soll es auf öffentlichem Grund nur noch zeitlich begrenzte und gebührenpflichtige Parkplätze geben: Kurzzeitparkplätze für eine Stunde Parkdauer, Langzeitparkplätze für 18 Stunden Parkdauer sowie sechs Blaue Zonen für das Parking während einer Stunde. In den Blauen Zonen ist auch das Dauerparkieren mit einer Parkkarte vorgesehen. Die Parkkarten sollen dereinst digital erhältlich sein. Eine Gebührenübersicht im Parkierungsreglement zeigt den Rahmen auf, in welchem der Stadtrat Gebühren in einer Parkierungsverordnung festlegen kann. Aus den Antworten zu den Fragen des Publikums, welche meist von Partikulärinteressen, einzelne auch von ökologischen Bedenken, ausgingen, wurde klar, dass ein weiteres Ziel des neuen Reglementes darin besteht, dass Parkierende häufiger die Parkhäuser nutzen und somit weniger Autos im Stadtraum stehen sollen.

Der Stadtrat möchte, so Horlacher, dass oberirdisches Parkieren künftig nicht länger als eine Stunde dauere und somit Langzeitparkierende die Parkhäuser nutzen würden.

Öffentliche Anhörung
Die öffentliche Anhörung des revidierten Parkierungsreglementes dauert noch bis zum 15. Juni. Über die Website www.mitwirken.brugg.ch, wo sämtliche Unterlagen zum Thema zu finden sind, ist es während dieser Zeit mittels Online-Mitwirkungsformular allen Interessierten möglich, Stellungnahmen und Meinungen einzubringen. Die Mitwirkung ist personalisiert, wird jedoch nicht veröffentlicht. Der Stadtrat wird anschliessend eine Anhörung durchführen, bei Bedarf Änderungen vornehmen und das Reglement definitiv beschliessen. Danach wird dieses im besten Fall im Oktober dem Brugger Einwohnerrat zur Verabschiedung vorgelegt, worauf es voraussichtlich Anfang 2027 in Kraft gesetzt würde.

Ein direkte Art der Mitwirkung wurde vor Ort von Barbara Horlacher selbst praktiziert: Sie hörte sich in Gesprächen die Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern geduldig an und sagte vereinzelt zu, Anliegen noch in nachfolgende Prozesse einbringen zu wollen. Zu hoffen ist, dass die offiziell erwähnte Nachhaltigkeit sich in naher Zukunft auch darin zeigen wird, dass für viele Fahrten, zum Beispiel im Sommer in die Badi Brugg, nicht mehr so häufig wie aktuell das Auto, sondern vermehrt auch der gut ausgebaute öffentliche Verkehr zum Zuge kommen wird. Ein Fragender stellte dafür die zusätzliche Realisierung eines Ortsbusses in den Raum. Das Parkierungsreglement ist ein notwendiger Anfang, weitere regionale und überregionale Massnahmen gegen das Verkehrschaos in und um Brugg müssen aber folgen.