Gemeinschaft ohne viel Aufwand

Der internationale Tag der Nachbarschaft lädt zu spontanen Festen mit Kaffee und ­Kuchen ein. Denn zusammen schmeckt es am besten.
Am 29. Mai ist der Tag der Nachbarschaft. (Bild: zVg | Nachbarschaftshilfe Zürich, Maurice K. Grünig)

Fislisbach – In einer Zeit, in der Hektik und Digitalisierung uns oft voneinander trennen, feiert der internationale Tag der Nachbarschaft die einfache, aber kostbare Kunst des Zusammenhalts. Immer am letzten Freitag im Mai, heuer also am 29. Mai, lädt dieser besondere Tag Nachbarn aller Altersstufen ein, Türen zu öffnen, zusammen Kaffee oder Tee zu trinken und spontane Gespräche zu führen.

Seinen Ursprung hat der internationale Tag der Nachbarschaft um die Jahrtausendwende in Paris. Initiiert vom französischen Soziologen Atanase Périfan als «Fête des voisins» (Fest der Nachbarn), um das soziale Miteinander in den Vierteln der französischen Metropole zu stärken, ist die Idee inzwischen weitverbreitet.

Vertrautheit als Rettungsanker
«Es braucht kein pompöses Programm und keine hohen Kosten. Eine Wurst vom Grill oder ein selbst gebackener Kuchen und Geschichten aus dem Alltag reichen», sagt Kathrin Winzeler von der Nachbarschaftshilfe Zürich. «Diese Zusammenkünfte so einfach wie möglich zu halten, ist am besten», ist sie überzeugt. Diverse Studien legen nahe, dass solche Treffen nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch soziale Netzwerke stärken, die gerade in Krisenzeiten Gold wert sind. Innerhalb einer intakten Gemeinschaft unter Nachbarn falle es einem leichter, im Notfall auf deren Hilfe zurückzugreifen, so Kathrin Winzeler.

Der Kanton Aargau verfügt vielerorts über eine blühende Nachbarschaftskultur. In vielen Gemeinden gibt es jedes Jahr Dutzende kleiner Feste für die Quartier- oder die Dorfbevölkerung.

Besonders für Familien mit Kindern kann eine kleine Feier in der Nachbarschaft wertvoll sein. Die Kinder lernen, dass ihre Nachbarn keine Unbekannten sind, sondern Menschen, die ihnen vielleicht einen auf Abwege geratenen Ball zurückwerfen oder bei Bedarf Hilfe leisten. Derweil freuen sich viele ältere Nachbarn über eine bunte Feier vor der Haustür. Solche Momente können Bande begründen, die weit über den Tag hinauswirken.

Wertvolle Begegnungen
Auch an der Breitlerstrasse in Fislisbach wird einmal jährlich gefeiert. «Ich wohne erst seit knapp drei Jahren hier, und als ich erstmals an unser Quartierfest eingeladen wurde, hat mich das sehr gefreut», erzählt Giulia Lohr. Das Fest findet im September statt, abhängig vom Wetter und abgestimmt auf die Schulferien. Initiiert wurde die Tradition vor vielen Jahren, und seitdem gab es durch Weg- und Zuzüge einige Veränderungen in der Strasse. «Umso schöner ist es, zu sehen, dass diese Tradition weiterlebt», sagt die 34-Jährige erfreut.

Gefeiert wird stets im Garten eines anderen Nachbarn. Ein Grill steht zur Verfügung, jede Familie bringt Speisen und Getränke mit. Salate und Beilagen werden untereinander geteilt, sodass für alle ausreichend vorhanden ist. «Solche Begegnungen sind sehr wertvoll», ist sich Giulia Lohr sicher. «Sie sind eine Gelegenheit, um sich in Ruhe auszutauschen. Etwas, wofür im Alltag leider oft die Zeit fehlt.»

Freunde nebenan
Für alle, die sich spontan am internationalen Tag der Nachbarschaft beteiligen möchten: Es sind keine üppigen Vorbereitungen nötig. Ein Flyer in die Briefkästen, gut sichtbar eine Einladung aufhängen, eine Whatsapp-Gruppe oder ein Plakat am Laternenpfahl reichen. Der internationale Tag der Nachbarschaft erinnert uns: Das Schönste am Zuhause sind die Menschen nebenan.

Ein Flyer mit Infos und Einladungskarten sind zum Herunterladen auf der Website benevol-aargau.ch/nachbarschaft zu finden. Dort gibt es zudem weitere Vorlagen zum Ausdrucken.