Vom öden Verkehrskreisel zum Blickfang

Letzten Donnerstag wurde das Rätsel um den Kreiselschmuck in Lengnau gelüftet. Ein majestätisches Pferd zieht ab sofort die Blicke auf sich.
Das noch verhüllte Pferd. (isp)

Lengnau – Vergangenen Donnerstag war es so weit: Das Kunstwerk im Kreisel in der Surbtalstrasse in Lengnau wurde im Rahmen eines feierlichen Festakts ­offiziell eingeweiht. Zahlreiche Dorfbewohnerinnen, Dorfbewohner und Interessierte versammelten sich vor Ort, um bei der Enthüllung dabei zu sein und das neue Wahrzeichen gebührend zu feiern. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Beat Jeggli und Simon Kicza von der Brassband Lengnau. Auch der Künstler Felix Liebi zeigte sich vom grossen Aufmarsch und von den positiven Reaktionen berührt: «Es ist ein wunderschönes Gefühl, zu sehen, wie das Werk nun von der Bevölkerung an­genommen wird. Erst durch die Menschen wird Kunst im öffentlichen Raum wirklich lebendig.»
Lange Zeit war der Kreisel in Lengnau nur eine karge Verkehrsinsel. Nun ziert ihn das etwa 2,65 Meter hohe und 2,6 Meter lange markante Low-Poly-Pferd, der stolze Blickfang und das neue Identifikationsmerkmal der Gemeinde. «Low Poly» bedeutet, dass ein 3-D-Objekt aus wenigen Flächen/Polygonen besteht und deshalb eher kantig und reduziert wirkt. Der Stil wird oft bewusst verwendet, um etwas modern, grafisch oder skulptural aussehen zu lassen.

Augenfälliges Symbol
Überaus stimmig, schliesslich befindet sich im Wappen Lengnaus ebenfalls ein Pferd, und das Gemeindemotto könnte nicht passender sein: «… immer auf Trab.» Die moderne Skulptur verspricht nicht nur optische Dynamik im Strassenraum, sondern setzt zudem ein klares Zeichen für Kultur und Attraktivität im öffentlichen Raum. Der Kreiselschmuck wird von drei Fahnen flankiert, welche die Wappen der Schweiz, des Aargaus und von Lengnau zeigen.
Das Pferd ist aus 400 Edelstahl­teilen geschweisst. Dieses Material benötigt praktisch keinen Unterhalt. Der bestehende Sockel wurde mit Holzlamellen umrandet und in der Mitte mit immergrünem Wacholder bepflanzt. Der 38-jährige Künstler aus Würenlos ist kein Unbekannter in der Region. Erst letztes Jahr gestaltete Felix Liebi den Kreisel in Niederweningen, dort mit einem Mammut.
Gemeindeammann Viktor Jetzer blendete in seiner Laudatio zurück und fasste zusammen, wie es überhaupt zu diesem Kreiselschmuck gekommen sei. Möglich gemacht habe dieses Projekt die Stimmbevölkerung. An vergangenen Gemeindeversammlungen sei intensiv über das Vorhaben beraten worden, bevor der Verpflichtungskredit über 80 000 Franken bewilligt worden sei. Dass die Wahl auf ein Pferd gefallen sei, sei kein Zufall, sondern symbolisiere Kraft, Bewegung und die Verbundenheit von Lengnau mit seiner Geschichte und der Natur.

Die Pferdeskulptur des Würenloser Künstlers Felix Liebi ziert neu den Kreisel in Lengnau. (Bild: isp)

Vom Entwurf zur Skulptur
Auch Felix Liebi gab Einblick in die Entstehung der Skulptur. Er habe sich mit einem Tonmodell an die Form des Pferdes mit seinen Ecken und Kanten herangetastet. Dieses Tonmodell wurde sodann gescannt, anhand von 180 Punkten im virtuellen Raum definiert und von Felix Liebi so lang ­modelliert, bis Form und Silhouette des Pferdes seinen Vorstellungen entsprachen. Dabei wurde er tatkräftig von seinem Mitarbeiter Nathan Meder unterstützt.
Als Dank für den Auftrag überreichte der Kunstschaffende der Gemeinde eine original- und detailgetreue Abbildung des Kreiselschmucks in Kleinformat. Für ihn sei die Aufgabe, die er fast genau vor einem Jahr erhalten habe, eine besondere Ehre gewesen: «Ein Kreisel ist ein Ort des Übergangs und der Dynamik. Mit der Pferdeskulptur wollte ich diese fliessende Bewegung einfangen und gleichzeitig ein kraftvolles Symbol schaffen, das im Alltag der Menschen Bestand hat.»