Lengnau – Es war ein Fest, das dem Anlass gerecht wurde: Die Kulturschüür Degermoos hatte vergangenes Wochenende zu zwei Jubiläumstagen geladen, und das Surbtal kam. 4 Jahrzehnte Kulturarbeit, rund 160 Veranstaltungen, unzählige Begegnungen und ein Ort, der längst über die Region hinausstrahlte: All das wurde an diesem Wochenende spürbar, hörbar und sichtbar.
Schon beim Eintreffen der Gäste lag eine besondere Stimmung über dem Gelände. «Es fühlte sich an, als würde man zu einem alten Freund zurückkehren», sagte eine Besucherin, die seit den frühen 1990er-Jahren regelmässig Veranstaltungen in der Schüür besucht hat. Die Kulturschüür war für viele mehr als ein Veranstaltungsort: Sie war Treffpunkt, Bühne, Werkstatt und Heimat.
Künstler, die Geschichte schrieben
Den Auftakt am Freitagabend machte Vera Kaa. Sie stand schon früher auf der kleinen Bühne im Degermoos und kehrte nun zurück. Gereifter, aber unverkennbar in ihrer künstlerischen Handschrift. «Es war, als würde die Zeit kurz stillstehen», meinte ein Besucher nach dem Konzert. «Man erinnerte sich an Abende, die man längst vergessen glaubte.»
Vor dem etwa zweistündigen Konzert richtete Regierungsrat Dieter Egli eine Grussbotschaft an die Jubiläumsgemeinde. Er würdigte das Engagement der vielen Freiwilligen und die Kulturschüür als kulturelles Rückgrat im Tal. Zudem freute er sich über die familiäre Atmosphäre. Dieter Egli betonte, dass Kultur es stets schaffe, die Welt ein klein wenig besser zu machen. Auch Lengnaus Gemeindeammann Viktor Jetzer begrüsste die zahlreichen Besuchenden und zeigte sich stolz, dass Lengnau über diesen doch sehr speziellen «Kulturhotspot» verfüge, der mit viel Herzblut geführt werde und vor Ideenreichtum nur so sprühe.
Zwischen Schwung, Gesprächen und Erinnerungen
Der zweite Festtag stand im Zeichen der jüngeren Generation. Drei besondere Programmpunkte prägten diesen Abend. Zum Apéro sorgte die Carnival-Streetband Heyof 4 mit Stücken aus ihrer «Good By Tour» für beschwingte Stimmung. Später zeigte sich Philipp Galizia mit einem Auszug aus seinem Programm «Öppeneso» von seiner philosophisch humorvollen Seite. Am Piano von Chrigi Roffler begleitet, erzählte er Geschichten, die sich mit fein arrangierten Liedern verwoben, und melancholische Songs mit leichtfüssigem Tiefgang.
Zum Abschluss erwartete das Publikum «Hits mit Tics» des Duos Luna Tic mit Stefanie Lang und Judith Bach. Sie präsentierten Höhepunkte aus 15 Jahren gemeinsamen Schaffens: vier Hände, zwei Stimmen und ein rollendes Klavier. Zwischen Apéro, Essen und Konzert blieb viel Raum für Gespräche über Erinnerungen, Lieblingsabende und die Menschen, die diesen Ort über 40 Jahre getragen haben. Immer wieder hörte man Sätze wie: «Ohne die Kulturschüür wäre das Tal ein anderes.» Oder: «Hier habe ich Kultur lieben gelernt.» Die Grussworte überbrachte diesmal alt Regierungsrat Urs Hofmann.
Ein Dank und ein grosses Versprechen
Die Organisierenden des Kulturkreises Surbtal waren überwältigt von der Resonanz. Die Platzzahl war begrenzt, die Tickets waren schnell vergriffen. «Der Samstag hat den Freitag getoppt», so Astrid und Dieter Andermatt. Bereits am frühen Abend fanden sich viele sommerlich gekleidete Besuchende zum vielseitigen Apérobuffet ein. Die Mitgründerin dankte auf der Bühne allen, die während der letzten 40 Jahre in ideeller, materieller und künstlerischer Weise den guten Ruf der Kulturschüür über die Region hinaus mit aufgebaut haben.
Wer dabei war, merkte, dass es ein besonderes Jubiläum war: Es war ein Dank an alle Kunstschaffenden, an alle Besuchenden, an alle, die Kultur im Surbtal möglich gemacht haben. Und es war ein Versprechen: Die Kulturschüür Degermoos würde auch in Zukunft ein Ort sein, an dem – getreu dem Jubiläumsmotto – Wort, Klang und Spiel lebendig blieben.