«Der Pizzamarkt ist übersättigt» 

Sarah Strebel ist beim ­Kunzwerk ein bekanntes ­Gesicht. Sie fährt seit Jahren zu Beginn der Woche mit ihrem Pizzamobil auf.
Sarah Strebel in ihrem Pizzamobil. (Bild: km)

Windisch – Seit 15 Jahren fährt Sarah Strebel jeden Montag gegen 10.15 Uhr vor das Kunzwerk in Unterwindisch und bereitet die Zutaten für die Pizzen vor, die von Mitarbeitenden der umliegenden Firmen telefonisch bestellt wurden. «Interessant ist ja, dass ich selbst Pasta bevorzuge. Pizza habe ich früher gar nie wirklich gegessen», erzählt die Aargauerin.
Zu ihrem Pizzamobil kam sie wie die Jungfrau zum Kind. «Die einzige Pizza, die ich wirklich gut fand, machte mein Vorgänger in diesem ­Pizzawagen, den ich heute habe.» Als der Vorbesitzer – ein Italiener – langsam ans Aufhören dachte, kam er auf Sarah Strebel zu. «Zu Beginn lehnte ich ab, doch ich merkte, wie mich der Hafer stach und ich mich sehr wohl mit der Idee anfreunden konnte. Zudem ermunterten mich meine Kinder, den Pizzawagen zu übernehmen», so Sarah Strebel.

Nerven und Tränen zu Beginn
Vor diesem Abenteuer war die Mutter von drei Kindern vor allem als Reinigungskraft unterwegs. Sie hatte ­genügend Arbeit, doch die Idee mit der Selbstständigkeit liess sie nicht mehr los. Sie sprang ins kalte Wasser und sagte zu.
So kam es, dass Sarah Strebel im ­August 2011 das Pizzamobil übernahm. «Mit Eintrag ins Handelsregister», erklärt sie. Der Anfang kostete sie viel Nerven und Tränen. Bei der ersten Ausfahrt habe sie ganz schön gebibbert. «Ich war zuvor nie wirklich mit Anhänger gefahren. Und ich wusste nicht, ob ich das alles schaffe.» Doch alles kam gut. Seither steht sie jeden Morgen früh auf und bereitet den Pizzateig vor, der noch am selben Tag verzehrt wird. «Ich mache nur ­frischen Teig, das Rezept ist geheim», erzählt Sarah Strebel verschmitzt. 20 000 Franken habe ihr mal jemand für die Herausgabe des Teigrezepts geboten. Doch sie winkte ab.

«Ein teures Hobby»
Den Erfolg, den sie mit dem Pizzamobil hat, macht sie vor allem am Teig fest: «Er ist dünn und knusprig. Das mögen die Leute.» 16 Varianten bietet sie an, im Sommer bereitet sie alle Pizzen à la minute zu. Im Winter braucht der Ofen etwas länger, bis die Pizza durchgebacken ist.
In all den Jahren, in denen sie unterwegs Pizzen backe, seien zahlreiche Freundschaften entstanden. Das schätzt die Pizzafrau sehr und bewegt sie dazu, weiterzumachen, sogar wenn ihre Hüfte findet, es wäre Zeit auszuspannen. Würde es nur ums Geld gehen, hätte sie dagegen längst aufgehört. «Ich sage immer, ich leiste mir ein teures Hobby.» Denn leben kann sie von dem Umsatz nicht. Ab und zu denkt sie deshalb ans Auf­hören, aber ihre Stammkunden ­würden das nie goutieren, so Sarah Strebel.
Viele Leute denken, sie habe eine Art Schoggijob: «Sie sehen nicht, welche Vorbereitungsarbeit dahintersteckt. Und wenn ich beispielsweise meinen Pizzaofen um 13.30 Uhr ausschalte, bin ich sicher noch bis 16 Uhr mit Putzen, Aufräumen und Heim­fahren beschäftigt», sagt sie.
Doch würde sie dieses Abenteuer heute nochmals wagen? Sarah Strebel überlegt: «Der Pizzamarkt ist total übersättigt. Überall werden neue Pizzarestaurants eröffnet. Zudem sind die Preise für die Zutaten allgemein gestiegen.» Die jüngeren Kunden bestellten zunehmend vegetarische ­Varianten, also Pizza mit Gemüse und Pilzen. «Und Gemüse ist heutzutage teuer, ebenso der Sprit für das Fahrzeug, Versicherungen und mögliche Reparaturen am Anhänger.»
Dennoch sieht sie viel Positives: «Das Pizzamobil ist eine Lebensschule für mich. Ich bin offener geworden und selbstsicherer. Und es ­haben sich Beziehungen entwickelt mit Kundinnen und Kunden, die ich nicht mehr missen möchte.» Deshalb aufgeben? Der Körper meint Ja, doch Sarah Strebel macht vorläufig weiter.