Solidarität aus der Gulaschkanone

Bereits zum 50. Mal findet der ökumenische Suppentag statt. Der Anlass hat sich oft gewandelt, doch die Feldküche steht immer noch unter Dampf.
Feldküche mit Küchenmannschaft in Aktion. (Bild: Patrick Zehnder)

Birmenstorf – Fünf Jahrzehnte Suppentag. Der ökumenische Suppentag in Birmenstorf geht auf die mittleren 1970er-Jahre zurück. Damals kochte Schulhaus- und Turnhallenabwart ­Josef Schumacher (1925–2002) in der Militärküche des 1972 eingeweihten Mehrzweckgebäudes an der Oberhardstrasse. Im holzbeheizten Kochkessi schmorte «Suppe mit Spatz», eine Gemüsesuppe mit Kuhfleisch vom Vorderviertel. Etwas vornehmer ist die welsche Bezeichnung «Pot au feu», besonders geschätzt als währschaftes Menü im Militärdienst.

Damals konnte sowohl auf reformierter als auch auf katholischer Seite noch von einer Volkskirche gesprochen werden. Das Vereinswesen, der Religionsunterricht und die Bildungsinstitutionen funktionierten. Die Kirchen verfügten in vielen Lebensbereichen über Deutungshoheit und boten vielen eine geistige Heimat. Gleichzeitig erwachten das Interesse an Umweltschutzfragen und das Bewusstsein für die schwierigen Lebensumstände in den Ländern des Südens.

Wohlschmeckende Kooperation
Gerade Letzteres war in Birmenstorf mit den beiden Missionaren auf Madagaskar präsent. Zudem hatte man in Birmenstorf nach Jahrhunderten scharfer Konkurrenz zwischen den Konfessionen begriffen, dass es mit­einander einfacher geht. Zu dieser Einsicht trugen die Öffnung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und die mit der Umsetzung beauftragte ­Synode 72 bei. Insgesamt war es eine Zeit des positiven Aufbruchs.

Wieder etwas handfester wird die Angelegenheit zu Beginn der 1980er-Jahre. Damals verkaufte die Schweizer Armee fahrbare Feldküchen. Gemeinderat Martin Zehnder-Zehnder (geb. 1933) machte Gemeindeammann Josef Zehnder-Müller (geb. 1940) auf ein entsprechendes Zeitungsinserat aufmerksam. Für 5000 Franken ergriff die Gemeindebehörde die wohl einmalige Chance und holte die tarnfarbene «Gulaschkanone» nach Birmenstorf. Sie tat das wohlüberlegt, denn bei einem Stromausfall oder einem Elementarereignis wie Grossbrand oder Überschwemmung hätte man mindestens für ein Quartier Wasser abkochen oder eine einfache Mahlzeit zubereiten können.

Aber das Vorgehen trug dem Gemeinderat den Tadel der kommunalen Finanzkommission ein. Diese lud sich selbst an die Gemeinderatssitzung ein, wo der damalige Finanzkommissionspräsident klar und deutlich machte, der entsprechende Betrag sei nicht budgetiert gewesen. Doch gekauft blieb gekauft.

Gemütliches Beisammensein am Suppentag beim Don-Bosco-Haus. (Bild: pze)

Gemeinsame Sache
Ab diesem Zeitpunkt kümmerten sich Marie Müller-Obrist (1920–2014) von reformierter Seite und Karl Bader (geb. 1934) von der katholischen Seite mit weiteren Helferinnen und Helfern um die Zubereitung der Suppe. Das war auch der Moment, an dem der «Spatz» im Sinne der Fastenzeit und des Verzichts weggelassen wurde. Später stiess Marie Müllers Tochter Margrit Müller (geb. 1949) zur Gruppe. Die Gruppe kochte beim Mehrzweckgebäude und schenkte die fleischlose Gerstensuppe bei der heutigen Raiffeisenbank aus.

Die Küche im reformierten Pfarrbüro vis-à-vis erleichterte die Arbeit. Die Bevölkerung brachte die Fastensuppe nach Hause und löffelte sie am Küchentisch. Mit der Zeit wuchs das Bedürfnis nach Gemeinschaft. In der ehemaligen Postautogarage von ­Cäsar Zehnder (1933–2005) an der Kirchstrasse 2 standen Festbänke, wo die Birmenstorferinnen und Birmenstorfer in guter Gesellschaft zusammensassen. In dieser Zeit ergänzten Kaffee und Kuchen das Sortiment.

Bis zu seinem frühen Tod stand Thomas Müller-Schneider (1958–2004) am sogenannten Feldkochherd, wie der Anhänger auf Rädern mit zwei integrierten Gusskesseln und einer Feuerstelle im Grunde heisst. Ihm zur Seite standen Beni und Edith Dänzer (beide geb. 1955), die während 45 Jahren Gemüse rüsteten und den Koch­löffel schwangen.

Zusammen sein und Gutes tun
In all den Jahrzehnten durfte die ökumenische Vorbereitungsgruppe auf grosszügige Sachspenden aus dem Dorf zählen: vom Gemüse über das Brot und Süssmost bis zu Kuchen, ­Magenbrot, Muffins und manchmal Torten. Getrunken wird dazu selbstverständlich ein Glas Birmenstorfer Blauburgunder. Haben die organisierenden Köpfe und helfenden Hände vielfach gewechselt, so ist das Don-Bosco-Haus seit vielen Jahren die fixe Lokalität des ökumenischen Suppentags geblieben. 2024 übergaben die Dänzers das Rührscheit an ein dreiköpfiges Team, das seither die reichhaltige Gemüsesuppe mit Rollgersteneinlage herstellt.

Die Absicht der Suppenaktion ist den vergangenen fünf Jahrzehnten dieselbe geblieben: eine schöne Gemeinschaft fördern und mit dem Erlös im Dorf, in der Region und weltweit etwas Gutes tun. Dazu lädt der Birmenstorfer Suppentag Flüchtlingsfamilien aus der kantonalen Unterkunft ein und unterstützt das christliche Hilfswerk Hope in Baden und ein Projekt der ökumenischen Fastenaktion.