Sichtbare Verbundenheit unter Frauen

Die Tagung von Frauen Aargau zum Thema «Verbundenheit unter Frauen» war heuer Teil des Programms der Badener Disput(N)ation.
Lebendiger Austausch an der Tagung von Frauen Aargau. (Bild: vr)

Baden – Das Buch «Revolution der Verbundenheit» von Franziska Schutzbach war Inspiration für den Titel der 27. Frauen-Aargau-Tagung in Baden. Das sagte Amanda Sager-Lenherr, Präsidentin von Frauen Aargau, gleich zu Beginn der Tagung. «Ihre Kernaussage ist: Wenn wir Frauen uns aufeinander beziehen, wenn wir uns wirklich sehen, entwickeln wir eine Kraft, die die Welt verändern kann. Im Kleinen wie im Grossen», erläuterte die Präsidentin.
Der Gemeindesaal der reformierten Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Dass diese Tagung in kürzester Zeit ausgebucht war, ist für Amanda Sager-Lenherr kein Zufall: «Ich denke, in einer Zeit, die von Spaltung, Rücksichtslosigkeit und Dominanzansprüchen geprägt ist, spüren wir eine Sehnsucht nach Frieden und Verbundenheit.»

Neue Räume für Frauen
Das Netzwerk Frauen Aargau hat seine Wurzeln im Frauenstreik von 1991. Aus der Idee eines überparteilichen Frauennetzwerks entstand 1992 die Frauenlandsgemeinde Aargau, die Frauen aus Politik, Kultur und Gesellschaft miteinander vernetzte. Seit 2012 trägt der Verein den Namen Frauen Aargau und organisiert bis heute Veranstaltungen, Tagungen und Netzwerktreffen im Kanton.
An der Tagung moderierte Vorstandsmitglied Norina Schenker die Rednerinnen an. In einer Kaffeepause sagte sie: «Ich finde es schön, dass nicht nur junge Frauen hinzugekommen sind, sondern auch immer mehr Migrantinnen Teil unseres Netzwerks werden.» Es sei ihr und ihrem Team eine Herzenangelegenheit, «immer wieder Räume zu schaffen, wo sich unterschiedliche Frauen begegnen können».

Jung, lesbisch, jüdisch 
Gespannt waren die Gäste vor allem auch auf Anna Rosenwasser. Die Schweizer Journalistin, Autorin und Nationalrätin der SP aus dem Kanton Zürich hielt das Impulsreferat. Bekannt wurde Rosenwasser vor allem durch ihr Engagement für LGBTQ-Rechte, feministische Themen und die Ehe für alle. Sie verbindet politische Arbeit mit einer starken Präsenz in sozialen Medien und einer sehr persönlichen, direkten Sprache. Seit 2023 sitzt sie im Nationalrat. Auf die Strategien für feministische Verbundenheit waren die Besucherinnen sehr gespannt.
Als sie in den Nationalrat gewählt wurde, bekam Anna Rosenwasser schnell zu spüren, was das konkret heisst. Es habe, wie sie erzählte, nicht lang gedauert, bis sie als queere Frau medial öffentlich angegriffen worden sei. Natürlich sei sie nicht die einzige lesbische Person, die solche Erfahrungen machen würde. Sie habe sich angewöhnt, sich bei anderen Frauen telefonisch nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Die 27. Frauen-Aargau-Tagung in Baden: Kooperation für eine bessere Zukunft. (Bild: Fiona Piola)

Workshops am Puls der Zeit
An der 27. Frauen-Aargau-Tagung konnten zehn Workshops besucht werden. Unter einem Mammutbaum trafen sich die Teilnehmerinnen des Workshops «Gottesbilder jenseits von Herr und Herrlichkeit: Das Göttliche entdecken – divers, weiblich und in Beziehung» mit Liv Zumstein. Diethilde Stern und Miranda Jenkins von der Stadtbibliothek Baden präsentierten in «Literarische Entdeckungsreise von Frauen für Frauen» persönliche Leseperlen. Bei «Raus aus der Bubble – Brücken bauen über scheinbare Gräben» zeigte Susanne Hochuli Strategien auf, wie man in der Politik Brücken bauen kann, und beim Workshop «Taktvoll – ein Raum voller Trommelklang» mit Cornelia Peter und Chantal Jaggi wurde in der reformierten Kirche getrommelt.

Zum Schluss der Tagung schmückten die Frauen mit Einladung von ­Norina Schenker aus einem Korbgeflecht und Stoffstreifen aus alten Kleidern sogenannte Traumfängerinnen. Dabei konnten alle Teilnehmerinnen ihre feministischen Wünsche zu Verbundenheit auf Bänder schreiben und anbringen. Musikalisch begleitet wurden die Frauen von Barbara Schirmer, der bekannten Hackbrettvirtuosin aus der Region Zofingen. Jetzt hängen die Traumfängerinnen bis Ende Mai bis zum Ende der Disput(N)ation an den Ästen des Ahorns vor dem Kirchgemeindehaus.